HCK-Captain Tom Hofstetter: «Ich bestimme, wann Schluss ist»

Ohne Tom Hofstetter treten die Krienser Handballer am Mittwoch in Schaffhausen an. Das wird bald zur Gewohnheit.

Roland Bucher
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Tom Hofstetter (links) tankt sich durch die Abwehr des RTV Basel.

Tom Hofstetter (links) tankt sich durch die Abwehr des RTV Basel.

Bild: Pius Amrein (Kriens, 7. September 2019)

Kurz vor Ende der Diskussion über seinen Rücktritt flechtet Tom Hofstetter, fast entschuldigend, ein: «Klar war für mich immer, dass ich bestimme, wann Schluss ist. Ich will nicht als Wrack vom Spielfeld getragen werden. Es ist mein Leben. Es ist mein Entscheid. Und ich habe lange genug abgewogen, um sagen zu können: der Entschluss ist richtig.»

Tom Hofstetter, mit 29 Jahren in einem Alter, da Handballer ihr höchstes Niveau abzurufen beginnen, hat genug. Der Plan reifte im Sommer, als er in einer Auslegeordnung Sport und Beruf abwog. «Er war noch nie so stark wie in der Startphase dieser Meisterschaft», sagt Goran Perkovac, sein Trainer – und das Wort des kroatischen Olympiasiegers hat durchaus Gewicht. Aber so eigenwillig wie Tom Hofstetter das Handballspiel interpretierte, so überraschend kündet er an, dass er genug hat. Eine unvollendete Karriere? «Nein, ich würde alles gleich machen», betont er, der von Biel über Bern zum HC Kriens-Luzern stiess, 48 Länderspiele bestritt, stets Regisseur und Torjäger in Personalunion war und – das war seine internationale Blütezeit – vor vier Jahren an einem hochkarätig besetzten Vierländer-Anlass in Tunesien zum besten Turnierspieler gekürt wurde.

Ein kurzer Flirt mit dem Ausland

Einmal, als er 20, 21 Jahre jung war, habe er kurz, aber wirklich nur ganz kurz mit einem Ausland-Engagement geflirtet; ein französischer Verein habe gelockt. Tom Hofstetter entschied sich für Kriens und sagt heute nichts anderes als: 

«Ich hatte eine tolle Karriere. Als Junger lernst du, als Altgedienter sprichst du den Jungen zu, die Flausen abzulegen. Das ist doch eine grossartige Lebensschule.»

Tom Hofstetter ist in der Innerschweiz nicht nur als Handballer erfolgreich, sondern auch als Privatmann glücklich geworden. «Hier bin ich zu Hause», sagt er, der mit der Tochter einer früheren NLA-Handballerin verbandelt ist. «Hier will ich bleiben, das ist meine neue Heimat.» Die neue Herausforderung: das ist der Beruf. Präzis: die Ausbildung zum Wirtschaftsprüfer. Sie dauert drei oder vier Jahre und wäre nicht mit den Anforderungen von Trainer Perkovac vereinbar gewesen: «Goran will, dass jeder Spieler acht Mal in der Trainingshalle steht. Das wäre mir über den Kopf gewachsen. Und weniger präsent zu sein – das wäre dem Team gegenüber nicht fair gewesen. Wenn ich etwas mache – dann will ich es richtig machen. Zu hundert Prozent.»

Also hört er auf. Bald. Noch ist aber ein bisschen Handball-­Alltag für ihn, für seine Mannschaft, der er einbläut: «Geht aggressiv ins Spiel, ärgert Schaffhausen, holt diesen Sieg.» Tom Hofstetter wird am Mittwoch in Schaffhausen (Spielbeginn 19.30 Uhr) von der Spielerbank aus antreiben, seine Ellbogenverletzung verunmöglicht den Einsatz nach wie vor. Bald, ab Saison 2020/21, wird seine Absenz zur Gewohnheit: Kriens wird noch hie und da an seinen Spielmacher denken. «Es wird unerhört schwierig Tom zu ersetzen», weiss Perkovac. «Sowohl als Herzstück der Mannschaft wie als Mensch.