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Der EV Zug testet flexibles Preismodell

Dynamic Pricing kennt man bisher von Fluggesellschaften und Skigebieten. Nun wird es auch im Schweizer Eishockey zum Thema: Der EV Zug wagt in den letzten drei Quali-Heimspielen den Versuch.
Sven Aregger
Der EV Zug kann sich über reges Publikumsinteresse freuen, die Stadionauslastung beträgt über 95 Prozent. Bild: Daniela Frutiger/Freshfocus (Zug, 10. März 2018)

Der EV Zug kann sich über reges Publikumsinteresse freuen, die Stadionauslastung beträgt über 95 Prozent. Bild: Daniela Frutiger/Freshfocus (Zug, 10. März 2018)

Der EV Zug hat sich im Schweizer Eis­hockey den Ruf eines innovativen Klubs erarbeitet. Mit dem Farmteam und der Hockey Academy will er landesweit zur besten Ausbildungsstätte werden. Und der gutsituierte Präsident Hans-Peter Strebel lässt in Cham ein hochmodernes Zentrum für Spitzensport und Forschung erstellen, das zumindest in Europa einzigartig ist und dem EV Zug ganz neue Trainingsbedingungen ermöglichen wird: Das 100 Millionen Franken teure OYM soll 2020 eröffnet werden. Der EV Zug gilt deshalb als Klub der Zukunft.

Nun geht der EVZ auch im Ticketing neue Wege. Als erster Schweizer Klub testet er für die drei verbleibenden Heimspiele in der Qualifikation ein flexibles Preismodell, wie es beispielsweise bereits von Fluggesellschaften und Ski­gebieten praktiziert wird. Es nennt sich Dynamic Pricing, kommt zum ersten Mal am Samstag gegen den SC Bern zum Zug und lässt sich so erklären: Die Eintrittspreise variieren nach Nachfrage. Sie sind günstiger, wenn das Interesse an einem Spiel verhalten bleibt. Und sie steigen, wenn die Nachfrage zunimmt. Generell sollen Frühbucher belohnt werden. Im Zuge der Digitalisierung in der Organisation und dem neuen Ticketsystem sieht der EVZ nun den passenden Zeitpunkt gekommen, die Möglichkeiten des neuen Modells zu prüfen. CEO Patrick Lengwiler sagt: «Wir wollen die Logik dahinter verstehen und werden danach genau analysieren, ob ein Dynamic Pricing für uns künftig Sinn machen könnte.» Auch andere Klubs beschäftigen sich mit dem Thema. Der HC Davos etwa plant die Einführung auf die nächste Saison.

Nachfrage ist vom Gegner und vom Spieltag abhängig

Der EV Zug kann sich auch schon heute nicht über mangelndes Publikumsinteresse beklagen. Im Schnitt besuchen 6844 Zuschauer die Heimspiele in der Bossard-Arena, die eine Kapazität für 7200 Fans aufweist. Zug gehört neben Bern, Lausanne und Langnau zu den vier Klubs, deren Stadionauslastung bei über 95 Prozent liegt. Aber im EVZ hat sich das Denken etabliert, dass Stillstand Rückschritt bedeutet. Lengwiler macht keinen Hehl daraus, dass es darum geht, noch mehr Tickets zu verkaufen. «Zum jetzigen Zeitpunkt sind alle Spiele gleichviel wert. Und es gibt Rosinenpicker, die nur für die attraktivsten Duelle ins Stadion kommen», sagt er. «Die Nachfrage ist aber nicht nur abhängig vom Gegner, sondern auch vom Spieltag. Gerade zu Beginn der Saison haben wir jeweils Mühe, die Arena zu füllen, während zum Beispiel über Weihnachten und Neujahr das Interesse merklich steigt.» Mit flexiblen Preisen, so Lengwilers Überzeugung, könnte man diesem Ungleichgewicht entgegenwirken.

Skepsis bei den Fans

Saisonkartenbesitzer sind vom Dynamic Pricing nicht betroffen. In die Testphase fallen vier Kategorien von Tickets im freien Verkauf, also rund 60 Sitzplätze und 500 Stehplätze. Ein Beispiel: Ein Stehplatz für Erwachsene im Heimsektor kostet normalerweise 28 Franken. Im Testmodell ist eine solche Eintrittskarte für minimal 27 und maximal 32 Franken zu haben.

Bei den Fans stösst das Dynamic Pricing nicht nur auf Wohlwollen. «Letztlich sind die Preise vor allem in eine Richtung flexibel, nämlich nach oben», glaubt Reto Graf, Präsident des Fanclubs «Der 7. Mann – Herti Nordkurve». «Man muss befürchten, dass sich nur noch Leute mit einem dicken Portemonnaie ein Topspiel leisten können und der Otto Normalbürger das Nachsehen hat. Das wäre eine schlechte Entwicklung.» Patrick Lengwiler kann die Bedenken verstehen, er weiss um das sensible Thema. Sollte das Modell in Zukunft tatsächlich fix eingeführt werden, würde sich der EVZ daher eingehend mit der Bandbreite der Preise befassen. «Es besteht die Möglichkeit, Unter- und Obergrenzen zu definieren. So könnten wir auch festlegen, was ein Ticket maximal kosten darf», betont Lengwiler.

Sicher dürfte sein, dass die Spannweite der möglichen Preise höher sein wird als im aktuellen Versuchsbetrieb. Welchen Weg der EVZ auch immer einschlagen wird, in einem Punkt beruhigt der Zuger CEO die Fans: «Die Tickets werden erschwinglich bleiben.»

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