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Der EVZ könnte die Revolution im Schweizer Eishockey anführen

Die Zuger Meisterzigarren werden nicht verdorren. So lässt sich in einem Satz die Gegenwart und die Zukunft des Schweizer Hockeys erklären. Die EVZ-Zeit kommt noch.
Klaus Zaugg
Der Zuger Verteidiger Miro Zryd scheitert am starken Berner Goalie Leonardo Genoni, der in der neuen Saison auch beim EVZ spielt. (Bild: P. Muller/Freshfocus (Bern, 16. April 2019))

Der Zuger Verteidiger Miro Zryd scheitert am starken Berner Goalie Leonardo Genoni, der in der neuen Saison auch beim EVZ spielt. (Bild: P. Muller/Freshfocus (Bern, 16. April 2019))

Nach der Niederlage im vierten Finalspiel in Zug (1:3) stehen ein paar junge Zuger in origineller Aufmachung vor dem Stadion. Sie tragen Gewänder in den EVZ-Farben und Zylinderhüte. Einer nimmt seinen Hut ab. Er hat darin eine dicke Meisterzigarre versteckt. Und er sagt, mehr hoffnungsfroh als enttäuscht, er werde diesen Hut sorgsam aufbewahren. Er sei überzeugt, dass er diese Zigarre einmal rauchen dürfe, bevor sie vertrocknet sei. Wenn der junge Mann den edlen, auf den Schenkeln einer Jungfrau gerollten Tabak (so geht die Legende in Kuba) in einem Humidor (ein hölzerner Behälter zum Aufbewahren von Zigarren) verwahrt, kann er seine Havanna auch im nächsten Frühjahr rauchen.

Auf den ersten Blick scheint es, im hiesigen Eishockey sei alles immer noch so, wie es schon immer war. Der SCB, einer aus der grossen «Viererbande» (ZSC Lions, HC Davos, Lugano) hat die Meisterschaft gewonnen. Die Erregungen und Aufregungen zwischen September und Februar mögen noch so gross sein: kommen die Playoffs, wird die alte Ordnung wiederhergestellt und gefestigt. Seit Zugs letzter Meisterfeier 1998 haben der SCB, die ZSC Lions, Lugano und Davos alle Titel geholt.

Die Stimmung ist eine andere als nach der Finalniederlage 2017

Aber der erste Blick täuscht. Veränderungen im Eishockey stehen an wie in der richtigen Welt 1989. Der junge EVZ-Fan mit der noch nicht gerauchten Meisterzigarre zeigt es: der Blick geht nach der Finalniederlage hoffnungsfroh vorwärts. Nicht mehr resignativ rückwärts wie noch 2017. Die Stimmung ist eine andere. Vor zwei Jahren war der Final für die Zuger mehr ein Abenteuer, ein einmaliges Erlebnis. Nun ist es der Anfang einer neuen Zeit. Die Meisterzigarren werden aufbewahrt.

Ja, es ist, wie es ist. Der SC Bern ist Meister geworden. Da hilft alles Hadern mit den Hockey-Göttern nichts. Doch das logische Ende der Saison täuscht. Der Umsturz ist nur noch ganz knapp verhindert worden. Davos ist in vier Jahren vom Meister zum Playoutisten geschrumpft. Die ZSC Lions haben als Titelverteidiger die Playoffs verpasst. In Lugano war im Viertelfinal schon nach vier Partien Lichterlöschen, und der SCB stand im Halbfinal gegen Biel eine Niederlage vor dem vorzeitigen Saisonende.

Wir stehen nach der Saison 2018/19 vor einer Revolution. Vor aufregenden Jahren des Umbruches und der Überraschungen. Nach gut 20 Jahren zerfällt die Macht der alten «Viererbande» (SCB, HCD, ZSC, Lugano).

Zug hat die besten Voraussetzungen, um als neuer Titan aus dieser Revolution hervorzugehen und die Herrschaft der alten «Viererbande» zu beenden: das Geld, die Geduld und die breite Abstützung durch eine exzellente Nachwuchsabteilung und ein Farmteam.

Das Hockeyunternehmen mit der jüngsten Führungscrew der Liga – der Cheftrainer, seine Assistenten, der Sportchef und der Geschäftsführer sind alle zwischen 40 und 45 Jahre alt – wird in den nächsten Jahren die Liga prägen. Die Chance, dass die aufgesparte Meister-Zigarre geraucht wird, ist gross. Das letzte Teilchen zum Meisterpuzzle haben die Zuger nämlich eingekauft: Meistergoalie Leonardo Genoni. Er wird die Revolution auslösen.

Gerade die Playoffs haben uns gezeigt, dass wir die Folgen des Transfers von Leonardo Genoni gar nicht hoch genug einschätzen können. Er personifiziert die Winnermentalität, die Zug im Final noch gefehlt hat.

Welche Bedeutung er für eine Mannschaft hat, sehen wir am Beispiel des HC Davos. Ohne Genoni ist aus dem Meister von 2015 ein Playoutist geworden. Der SCB hat eine viel solidere Leistungskultur und wird in der Sporthauptstadt der Schweiz vom grössten Publikum Europas getragen. Die Berner können den Verlust von Genoni viel besser verkraften. Aber auch sie müssen die Rechnung für seinen Abgang bezahlen. Dass der WM-Silbergoalie ausgerechnet nach Zug wechselt, ist auch deshalb reizvoll, weil kein anderes Hockeyunternehmen die Hockey-Gefühlswelt in Zug so stark beeinflusst wie der SCB. Die Zuger haben bereits dreimal den Final gegen den SCB verloren (1997, 2017, 2019) und streben letztlich eine Leistungs- und Erfolgskultur an wie sie in Bern seit gefühlten ewigen Zeiten gehegt und gepflegt wird.

Deshalb zieht Meistergoalie Genoni an den Zugersee

Der SCB muss aber noch eine zweite Meister-Rechnung begleichen. Um meisterlich zu sein, musste Sportchef Alex Chatelain Personal für die dritte und vierte Linie überteuert einkaufen. Der SCB kann eine Erneuerung nicht durch Zuschüsse von Mäzenen finanzieren. Die Gelder müssen in Bern erwirtschaftet werden. Durch die steigenden Löhne der Durchschnittsspieler ist der SCB inzwischen an seine finanziellen Limiten gelangt und hat nicht mehr die Mittel, um bei den grossen Transfers mitzubieten. Deshalb zügelt Genoni nach Zug. Deshalb stürmt Grégory Hofmann nächste Saison bei Zug. Deshalb ist Enzo Corvi in Davos geblieben. Deshalb sind Christoph Bertschy und Joel Vermin nach ihrem Nordamerika-Abenteuer nicht nach Bern zurückgekehrt.

Die ausgeprägte Siegermentalität hat dem SCB noch einmal den Titel beschert und wird ihn vor einem Absturz bewahren wie ihn die ZSC Lions soeben verkraften mussten. Aber der neue Meister hat keine Steigerungsmöglichkeit mehr. Die Konkurrenten hingegen schon – und die Zuger erst recht. Das Schweizer Eishockey, die Liga und der EV Zug werden jünger, dynamischer, kreativer, besser und noch ausgeglichener. Der meisterliche SCB hingegen älter.

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