Kolumne

Der FC Basel ist kein Riese mehr

In seiner Kolumne schreibt Pedro Lenz über die goldenen Zeiten des FC Basel und warum die Mannschaft heute nicht mehr unbesiegbar ist.

Pedro Lenz
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Kolumnist Pedro Lenz

Kolumnist Pedro Lenz

Alex Spichale / KUL

Vor ein paar Tagen hatte der FCB acht Punkte Rückstand auf die Doppelspitze FCSG/YB. «Die Basler sind noch nicht fertig», warnte mich ein Kollege, «die stehen immer wieder auf!» Eine Runde später ist der Rückstand tatsächlich auf fünf Punkte geschrumpft. Müssen wir demnach davon ausgehen, dass der FC Basel in dieser Saison wieder zu einem ernsthaften Titelanwärter wird? Früher wäre es tatsächlich so gewesen. In seinen goldenen Jahren zeichnete sich der FCB dadurch aus, dass er nie geschlagen war und immer aufstand, wenn man meinte, er liege am Boden. Diese Fähigkeit des Zurückkommens zeigte der FCB in einzelnen Spielen und in ganzen Meisterschaften. Wir YB-Fans erinnern uns bestens an die 13 Punkte Vorsprung aus der Spielzeit 2009/2010, die am Ende der Saison doch nicht genügten, um Basel hinter sich zu lassen.

Selbst wenn die Rotblauen zwischendurch den einen oder anderen Titel nicht holen konnten, wussten alle Fussballfans in der Schweiz, dass sie sehr bald, sehr stark zurückschlagen würden. Manche Gegner waren derart eingeschüchtert von der Ausstrahlung des FCB, dass sie selbst an Tagen, an denen sie besser spielten als der Serienmeister, keine Punkte einfahren konnten. In seinen guten Jahren reagierte der FCB auf einen Rückstand jeweils mit so viel Wucht, Härte, Entschlossenheit und Kaltblütigkeit, dass sich seine Gegner kaum trauten, in Führung zu gehen, weil sie Angst vor der Antwort hatten.

Das Talent ist eigentlich noch da

Es ist nun keineswegs so, dass der FCB in den letzten zweieinhalb Jahren mit schlechteren Trainern oder weniger guten Spielern als einstmals aufgelaufen wäre. Das Talent ist immer noch da. Was dagegen komplett verloren ging, ist der Nimbus FCB. Es gibt diese Selbstverständlichkeit nicht mehr, mit der sowohl der FCB als auch seine Gegner einst die Kräfteverhältnisse in der Meisterschaft akzeptierten.

Der FC Basel ist immer noch zu hervorragenden Leistungen fähig. Wer es nicht glaubt, soll mal in Frankfurt nachfragen. Das Problem des einstigen Serienmeisters ist bloss, dass die neun anderen Teams in der Meisterschaft irgendwann gemerkt haben, dass der Riese vom Rhein gar kein Riese ist, sondern ein ganz normaler Fussballclub, der genauso besiegbar ist wie alle andern.