Analyse

Der FCL hat die schwierige Coronasaison gut gemeistert – ruhiges Handeln wird belohnt

Seit Fabio Celestini den FC Luzern trainiert, läuft es bei den Innerschweizern. In der Rückrunde holten sie aus 18 Spielen 28 Punkte und beendeten die Saison auf dem sechsten Platz. Das entspricht dem Potenzial der Mannschaft.

Daniel Wyrsch, Sportredaktor
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Daniel Wyrsch

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Der FC Luzern hat die schwierige Coronasaison gut gemeistert. Nach einer enttäuschenden Vorrunde mit 18 Punkten aus 18 Spielen übernahm Fabio Celestini die Mannschaft Anfang Januar von Vorgänger Thomas Häberli. In der Rückrunde spielte der FCL deutlich erfolgreicher – 28 Punkte aus 18 Partien sind für die Innerschweizer eine stolze Ausbeute. Mit total 46 Punkten belegt Luzern den sechsten Platz in der Tabelle am Saisonende. Ein Rang, der dem Potenzial des Teams entspricht.

Freude hat gemacht, wie die Innerschweizer am letzten Donnerstag dem frischgebackenen Meister Young Boys im Cup-Viertelfinal Paroli boten. Über 120 Minuten hat der FCL den qualitativ und quantitativ stärker besetzten Bernern alles abverlangt, erst vier Minuten vor Schluss der Verlängerung gelang YB das 2:1-Siegtor.

Luzerner Torjubel nach dem 1:0 im Cup-Viertelfinal gegen YB (von links): Francesco Margiotta, Silvan Sidler, Simon Grether, Marvin Schulz und Ryder Matos.

Luzerner Torjubel nach dem 1:0 im Cup-Viertelfinal gegen YB (von links): Francesco Margiotta, Silvan Sidler, Simon Grether, Marvin Schulz und Ryder Matos.

Bild: Martin Meienberger/Freshfocus (Luzern, 6. August 2020)

Nach dem Neustart kamen in der intensiven Phase mit 13 Spieltagen in nur sechs Wochen zu den bereits gravierend verletzten Christian Schwegler und Tsyi Ndenge (beide Innenbandanriss) zwei weitere Spieler mit schwerwiegenden Blessuren dazu. Marco Burch (Meniskusverletzung) und Aziz Binous (Kreuz- und Seitenbänderriss) fallen ebenfalls mehrere Monate aus. Dazu gesellten sich phasenweise sechs bis sieben Profis, die unter der hohen Spielbelastung litten. Muskuläre Beschwerden waren die Folge. Die Luzerner Leistungen in den sechs englischen «Coronawochen» sind angesichts der widrigen Umstände noch höher zu bewerten.

Das Abschneiden ist auch das Verdienst von Sportchef Remo Meyer, der nach den beiden zuletzt nicht passenden Engagements von René Weiler und Thomas Häberli mit der Wahl von Fabio Celestini ein gutes Händchen bewiesen hat. Der 44-Jährige hat in der ersten Halbsaison beim FC Luzern sowohl fachlich wie menschlich überzeugt. Celestini führte die Mannschaft direkt aus der Abstiegsgefahr ins sichere Mittelfeld und möchte das technisch eher bescheiden bestückte Team künftig spielerisch weiterbringen, ohne ihm die Stärken in der defensiven Diszipliniertheit und die Leidenschaft der Zweikampfführung zu nehmen. Celestini wünscht sich drei bis vier Verstärkungen. Er und Meyer sind sich aber auch einig, dass substanzielle Zuzüge für den FCL nur dann möglich sind, wenn Spieler verkauft werden können.

Torhüter Marius Müller wäre nach einer Topsaison bereit, noch einmal sein Glück und den Erfolg in der Bundesliga zu suchen. Interessenten gibt’s in Freiburg, bei Union Berlin und allenfalls auf Schalke. Für eine ähnliche Summe – zwischen 1,5 und 2 Millionen Euro – könnte der 19-jährige Darian Males zu Inter Mailand wechseln, das ihn in der Serie B parkieren würde. Remo Meyer sagt zwar, dass er von den Aktionären keinen Verkaufsdruck spüre. Trotz des strukturellen Defizits von 2 bis 3 Millionen Franken plus einem Coronaeinnahmeloch von 1,5 bis 2 Millionen Franken. Für den FCL dürfte es aber am Ende sinnvoller sein, den talentierten und seit geraumer Zeit verletzten Males für eine stolze Summe zu verkaufen. Auf einen Transfer ähnlicher Dimension verzichtete der FCL letzte Saison, als Blessing Eleke vor dem Wechsel nach Brescia stand. In der abgelaufenen Saison hat der Nigerianer nur noch vier Treffer erzielt. Der 13-fache FCL-Torschütze des Vorjahres wirkt seit Monaten lust- und wertlos.

Ansonsten hat Meyer im Sommer 2019 gut gearbeitet, mit Goalie Müller, den Stürmern Francesco Margiotta und Ibrahmima Ndiaye durchs Band Spieler verpflichtet, die den FCL weitergebracht haben.

Der FCL, dessen Besitzverhältnisse sicher bis September ungeklärt sind, benötigt weiterhin ruhiges Handeln und Stabilität – besonders in Coronazeiten. Der Staff und die operative Führung scheinen bereit dazu. Auf äussere Faktoren haben sie aber kaum Einfluss. Umso gebannter blickt man morgen Mittwoch nach Bern, wenn der Bundesrat bekanntgeben dürfte, wie viele Zuschauer künftig wieder in die Stadien kommen dürfen.

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