Der FCL ist nicht zu stoppen – selbst der Spitzenreiter verliert

Nach Schweizer Meister Young Boys unterliegt auch Leader St.Gallen in Luzern: 1:0 (1:0)-Sieg für den FCL.

Turi Bucher
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Luzerns Stürmer Francesco Margiotta (rechts) jubelt nach seinem versenkten Foulpenalty in der 30. Minute.

Luzerns Stürmer Francesco Margiotta (rechts) jubelt nach seinem versenkten Foulpenalty in der 30. Minute.

Bild: Alexandra Wey/Keystone (Luzern, 16. Februar 2020)

Der FCL siegt und siegt und siegt. Und siegt: Am Sonntagnachmittag musste auch Tabellenführer St.Gallen dran glauben. Mit dem 1:0-Sieg gegen die Ostschweizer hat der FCL nun in vier Rückrundenspielen das Punktemaximum (12) geholt und inklusive dem letzten Vorrundenspiel (2:1 gegen Basel) nun fünfmal in Serie gewonnen.

Gerne würde Fabio Celestini, im Jahr 2020 der neue Trainer des FC Luzern, mit seiner Mannschaft auf gepflegtem, spielerischem Wege mit schönem Kombinationsspiel zum Erfolg kommen. Aber die FCL-Equipe brilliert seit Celestinis Arbeitsbeginn mit ganz anderen Tugenden: mit Fleiss, mit bissigem Einsatz in jedem Duell und Kampf um jeden Ball, mit aufopferndem Rennen und gefährlichen Überfallattacken. Diese... man möchte fast sagen: «Befehlsverweigerung» der Mannschaft gegenüber der Wunschvorstellung ihres Trainers bringt in Luzern momentan den viel umjubelten Erfolg. Auch Celestini muss im Moment einsehen: «Klar, wir sind noch nicht so weit für meine Idee des Fussballs. Wir arbeiten daran.»

Publikum erhebt sich in den letzten Minuten von den Sitzen

Mehr Rasse als Klasse – das war an diesem Sonntag auch gegen den FC St.Gallen das Luzerner Credo. Die Innerschweizer Anhängerschaft des FCL liebt diese Art von Fussball. Zur Pause wurden die Luzerner mit Standing Ovations in die Kabine begleitet, und während der fünfminütigen Nachspielzeit hielt es das Publikum nicht mehr auf den Sitzen. Mit lautstarkem Applaus wurden die letzten Spielsekunden heruntergeklatscht.

Luzern hatte schliesslich jenen Club neutralisiert und bezwungen, der zuletzt die Fussballschweiz mit spektakulärem Offensivfussball begeistert hatte. St.Gallen hinterliess auch in Luzern einen starken Eindruck. Und es brauchte in der zweiten Halbzeit auch die eine oder andere Glanztat von FCL-Torhüter Marius Müller, um die Mannschaft von Trainer Peter Zeidler ohne Punkte auf die Heimreise in die Ostschweiz zu schicken.

Muheim stellt sich ungeschickt hin – Penalty für Luzern

Die Luzerner durften sich nach einer halben Stunde den Führungstreffer notieren lassen. St.Gallens Miro Muheim touchierte im Strafraum ungeschickt Francesco Margiottas Bein, direkt vor den Augen des Schiedsrichters.

Den Foulpenalty versenkte Margiotta flach, links, unhaltbar.

Nach der Pause musste Luzern schwer leiden. St.Gallen warf alles in die Waagschale – FCL-Keeper Müller hechtete und faustete alle Bälle weg. Es war ein aufregendes, ergreifendes Spiel in den letzten 20 Minuten. Denn der FCL vermochte plötzlich wieder Nadelstiche zu setzen, steuerte einige Male das 2:0 an. Ibrahima Ndiaye war in der 86. Minute sehr nahe dran, traf die Latte.

FCL-Trainer Celestini sagte nach seinem vierten Sieg in Folge: «Wir haben in der zweiten Halbzeit etwas die Kontrolle verloren, waren etwas zu ängstlich. Aber diese Mentalität und dieser Ehrgeiz meines Teams – es ist einfach fantastisch. Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft.»

Nicht St.Gallens offensive Druckwellen waren gestern das Spektakel, sondern Luzerns aufopferndes Kampfspiel war es, das Begeisterung und Bewunderung auslöste. Nicht St.Gallen ist das Team der Stunde, sondern der FC Luzern. Vielleicht muss Trainer Celestini seine Fussballphilosophie in Luzern doch noch hinterfragen und überdenken.

«Luzern hat einen grandiosen Torhüter»

Lob für Marius Müller von St.-Gallen-Coach Peter Zeidler

St. Gallens Trainer Peter Zeidler hielt nach der Niederlage zu Recht fest, dass seine Mannschaft «zumindest bis zur 80. Minute das Unentschieden verdient gehabt hätte. Die Luzerner waren in der zweiten Halbzeit lange, lange Zeit nicht in unserer Hälfte, in der Schlussphase hatten sie noch Konterchancen.» Zeidler schwärmte vor allem von einem FCL-Spieler: «Luzern hat einen grandiosen Torhüter. Aber auch wenn wir hier verloren haben: Die Welt geht für uns deswegen nicht unter.»

FCL-Goalie Marius Müller war sich nach dem Sieg gegen St. Gallen bewusst, dass es auch ein wenig Glück gebraucht hatte. «Glück, das wir uns in den letzten Wochen verdient haben. Unser Trainer schafft es einfach, uns für solche Spiele den nötigen Mut und das nötige Vertrauen zu geben.»

Captain Schwegler: «Ich hatte nicht wirklich Angst um uns» Er habe, so Müller weiter, in Deutschland nie fünf Spiele hintereinander gewonnen. «Umso mehr freue ich mich, dass wir unsere Fans glücklich machen können.» Ob der FC Luzern momentan die beste Mannschaft der Super League sei, wurde Müller noch gefragt. Seine Antwort: «Was diese Rückrunde punktemässig betrifft: ja!»

FCL-Captain Christian Schwegler war vor einer Woche beim 1:0-Sieg gegen Xamax Neuchâtel nach einer längeren Verletzungspause (Knie) erstmals wieder zu einem Teileinsatz gekommen. Gegen Spitzenreiter St. Gallen durfte Schwegler nun in der Startformation verteidigen. Sein Fazit nach dem erneuten 1:0-Erfolg: «Die ganze Schweiz hat in den vergangenen Tagen und Wochen vom FC St. Gallen gesprochen. Deshalb kann ich sagen: Wir haben es gegen diese starke Mannschaft richtig gut gemacht. Die St. Galler haben zwar dominiert, aber sie hatten gar nicht so viele Torchancen. Nein, ich hatte nicht wirklich Angst um uns.» (tbu.)

Luzern – St. Gallen 1:0 (1:0)
11 406 Zuschauer. – SR Schärer.
Tor: 30. Margiotta (Foulpenalty) 1:0.
Luzern: Müller; Schwegler, Lucas, Knezevic, Sidler; Ndiaye, Ndenge, Mistrafovic (63. Schulz), Schürpf; Margiotta (76. Eleke), Males (83. Bürki).
St. Gallen: Zigi; Hefti, Stergiou, Letard, Muheim; Quintilla; Görtler (55. Bakayoko), Babic; Guillemenot (86. Ribeiro); Itten, Demirovic.
Bemerkungen: Luzern ohne Matos (gesperrt), Voca, Kakabadse und Binous (alle verletzt). St.Gallen ohne Ruiz (gesperrt), Lüchinger, Nuhu und Strübi (alle verletzt). 86. Lattensschuss Ndiaye. Verwarnungen: 17. Mistrafovic (Foul), 30. Zigi (Reklamieren), 37. Hefti (Schwalbe), 60. Males (Foul), 63. Bakayoko (Foul), 68. Knezevic (Foul).

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