Ein junger Gossauer Handballer macht seinen Weg in der NLA

Am Sonntag um 18 Uhr empfängt Fortitudo Gossau St. Otmar zum St. Galler Derby. Mit dem 22-jährigen Samuel Weingartner hat sich in Gossau einmal mehr ein junger Akteur in den Vordergrund gespielt.

Ives Bruggmann
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Der Gossauer Samuel Weingartner (Mitte) im Derby gegen St. Otmars Benjamin Geisser. (Bild: Urs Bucher (St. Gallen, 18. Februar 2018))

Der Gossauer Samuel Weingartner (Mitte) im Derby gegen St. Otmars Benjamin Geisser. (Bild: Urs Bucher (St. Gallen, 18. Februar 2018))

Seit zehn Jahren hält sich Fortitudo Gossau hartnäckig in der NLA. Der Aussenseiter mit dem kleinsten Budget der Liga muss immer wieder Wege finden, die finanzstarken Konkurrenten zu düpieren. Einer davon ist, konsequent auf junge, entwicklungsfähige Spieler zu setzen, die bei den Grossclubs wenig oder gar nicht zum Einsatz kommen. Denn Fortitudo kann zwar nicht viel Geld, dafür umso mehr Spielzeit in der höchsten Handballliga der Schweiz bieten.

Starke Vorgänger

Samuel Weingartner ist das jüngste Beispiel, das von Erfolg gekrönt ist. Vor ihm beschritten bereits andere erfolgreich diesen Weg: Benjamin Geisser, Valon Dedaj, Simon Kindle oder Lucius Graf, um nur einige zu nennen. Sie alle schafften den Durchbruch in der höchsten Liga in Gossau und verhalfen dem Verein damit zu mittlerweile elf Saisons in der höchsten Liga.

Weingartner kam auf die Saison 2016/17 als knapp 20-Jähriger von Kriens-Luzern in die Ostschweiz. Schon von Beginn an liess er sein zweifellos vorhandenes Potenzial ab und an aufblitzen. Zur ganz grossen Konstanz fand er in den ersten beiden Spielzeiten jedoch nicht.

Nach Anlaufschwierigkeiten in Gossau angekommen

In dieser Saison ist der 1,92 m grosse und 93 kg schwere Modellathlet auf dem besten Weg, ein Führungsspieler zu werden. Der Mann aus dem luzernischen Ruswil trägt derzeit das Leibchen des besten Skorers, liegt im ligaweiten Vergleich mit 44 Treffern sogar auf Platz zwei.

Zudem übernimmt der linke Rückraumspieler in einer für den Verein schwierigen Saison Verantwortung, indem er oft zum Torschuss ansetzt und meistens auch die Penaltys ausführt. Es ist zu spüren: Weingartner fühlt sich wohl in Gossau, ist angekommen.

Spitzensport-RS in Magglingen

Auch beruflich hat Weingartner Fuss gefasst. Er arbeitet in einem 70-Prozent-Pensum als Fitnesstrainer. Am Anfang habe er jedoch Zeit gebraucht, sich einzugewöhnen und viele Wochenenden in seiner luzernischen Heimat verbracht, so Weingartner.

Während der Luzerner als Topskorer in den persönlichen Statistiken brilliert, tut sich die Mannschaft in dieser Saison nach einem grösseren Umbruch noch schwer. Da ist der Wechsel auf der Trainerposition von Rolf Erdin zu Markus Klemencic. Zudem sind viele neue Spieler zu Fortitudo gestossen, welche es zu integrieren gilt.

Dazu kommt, dass die Teamstützen Graf, immerhin Ligatopskorer der vergangenen Saison, und Captain Gabriel Würth aufgrund von langwierigen Verletzungen nicht oder nur sporadisch zum Einsatz kamen. Graf wird auch das Derby gegen St. Otmar verpassen. Weingartner sagt:

«Mir ist das Topskorershirt nicht so wichtig. Ich hätte lieber, dass die Mannschaft erfolgreicher ist.»

Weingartner, der sich als «eher ruhig» beschreibt, will sich in dieser schwierigen Phase auch mehr einbringen. «In diesem Bereich kann ich sicher noch mehr machen.» Derzeit profitiert Weingartner von der Spitzensportrekrutenschule in Magglingen.

Dort sind nur Handballer zugelassen, die die Perspektive haben, dereinst in der Nationalmannschaft zu spielen. Davon will Weingartner derzeit nichts wissen. «Ich will einen weiteren Schritt nach vorne machen, und es soll nicht der letzte sein», sagt er.

Die Bedeutung des Derbys

Von den Teamkollegen hat der Rückraumspieler von Beginn an mitgekriegt, wie wichtig das Ostschweizer Derby gegen St. Otmar ist. «Ich habe schnell gemerkt, welche Bedeutung dieses Spiel hat», sagt Weingartner, der den Sieg als Ziel ausgibt. In der aktuellen Verfassung braucht sich Weingartner im Vergleich der beiden St. Galler NLA-Teams nicht zu verstecken.

Die Ausgangslage

Das St. Galler Handball-Derby vom Sonntag ist bereits das 29. seit dem Aufstieg Gossaus in die NLA. Die Bilanz ist für St. Otmar mit
16:8 Siegen positiv, viermal gab es ein Unentschieden. In der vergangenen Saison kam es gleich zu sechs Derbys. St. Otmar gewann zweimal, Fortitudo einmal, dreimal teilten sich die Mannschaften die Punkte. Blieben die Kontrahenten auf den derzeitigen Tabellenplätzen, so wäre das ­Derby von morgen in Gossau das einzige in dieser Saison. (ibr)