Der frühere FCL-Dribbelkünstler Hyka: «Die Schweiz ist für mich eine Option»

Der 1,69-m-Profi bleibt in Luzern als begnadeter Dribbler in Erinnerung. Seit 13 Monaten spielt er in Israel.

Daniel Wyrsch
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Ex-FCL-Spieler Jahmir Hyka in Netanja an der israelischen Mittelmeerküste.

Ex-FCL-Spieler Jahmir Hyka in Netanja an der israelischen Mittelmeerküste.

Bild: PD (März 2020)

Jahmir Hyka hat in Luzern einen wohlklingenden Namen. Mit Tempodribblings und spektakulären Toren begeisterte der heute 32-Jährige das Publikum in der Swisspor-Arena. Anfang August 2011 war er ausserdem der erste FCL-Torschütze im neuen Stadion, gegen YB gelang dem albanischen Internationalen der 1:1-Endstand. «Dieser Treffer bedeutet mir viel», sagt Jahmir Hyka, «überhaupt bleibt Luzern für mich immer mein zweites Zuhause, ich habe noch immer viele Freunde dort. Viele schöne Momente im Fussball erinnern mich an diese tolle Zeit.»

Nach fünfeinhalb Jahren beim FCL wechselte der 1,69 Meter grosse Offensivspieler im März 2017 in die USA zu den San Jose Earthquakes. «Ein Traum ging für mich damals in Erfüllung. Die MLS ist eine Show, sie wird sehr professionell geführt.» Nach zwei Jahren hatte der Mann aus Tirana aber genug, «es hätte wohl einen Weg gegeben, in der Liga zu bleiben, aber ich konnte es mir nicht vorstellen, länger in den USA zu sein. Das amerikanische Leben ist schon völlig anders, als ich es von Europa gewohnt bin.»

Lazar Cirkovic nur kurz in Netanja getroffen

Seit etwas mehr als einem Jahr spielt Jahmir Hyka in Israel Fussball. Zwölf Monate stand der meistens als Linksaussen eingesetzte Profi für Maccabi Netanja unter Vertrag. «Die erste Saison war gut, lange spielten wir um die europäischen Plätze, leider hat es am Schluss nicht ganz zur Qualifikation gereicht.» Dazu stand der Ex-Luzerner mit Netanja im Cupfinal. «Erst im Penaltyschiessen verloren wir gegen Bnei Yehuda», erzählt Jahmir Hyka. Das war quasi ein Déjà-vu-Erlebnis für ihn, denn 2012 hatte er mit dem FC Luzern den Schweizer Cupfinal im Elfmeterschiessen verloren, damals gegen den FC Basel.

In der neuen Saison habe sich Netanja hohe Ziele gesetzt. «Wir wollten auf den ersten drei oder vier Plätzen stehen, dann ist es aber anders gekommen, Unruhen kamen auf», erzählt Hyka. Auch für ihn wurde es ungemütlich: «Ich kam immer weniger zum Einsatz.» Er wollte aber unbedingt spielen, um auf sich aufmerksam zu machen. «Denn mein Vertrag läuft im Sommer aus. Obwohl ich noch andere Offerten hatte, entschied ich mich, zu Ness Ziona zu wechseln.» Das ist ein Teilnehmer der Abstiegsrunde. «Doch da geht es um etwas.»

So ist Hyka seit fünf Wochen für den Klub aus der 50 000-Einwohner-Stadt Ness Ziona engagiert. Für ihn passt es, da er von dort nur 15 Minuten braucht, um nach Tel Aviv zu kommen. Und Netanja ist in 40 Autominuten erreichbar. Dort hat er bei seinem Ex-Klub noch kurz Lazar Cirkovic getroffen. Den vom FCL gekommenen Innenverteidiger schätzt er als «guten und ruhigen Menschen» ein. «Für Lazar wäre es vielleicht einfacher gewesen, wenn ich noch etwas länger in Netanja geblieben wäre», glaubt Hyka. Gewiss hätte der Albaner dem Serben bei der Eingewöhnung in der neuen Umgebung geholfen.

In Israel nie Probleme wegen des Glaubens gehabt

Auf die Frage, ob er wegen seines muslimischen Glaubens in Israel Schwierigkeiten hat, antwortet Jahmir Hyka: «Davon habe ich nur aus den Medien erfahren. Krieg, Muslime, Juden – ich erlebe Israel anders. Ich habe gute Freunde, mein Leben ist gut, die Sicherheit und das Wetter sind top.» Der israelische Fussball, der technisch und läuferisch geprägt ist, gefällt Hyka. Doch falls im Sommer ein Schweizer Klub Interesse hätte: «Ich bin dann frei. Die Schweiz ist immer eine Option für mich.»