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Der grosse Tag der Fechterin Angela Krieger

Die Zuger Titelverteidigerin Manon Emmenegger scheitert an der Schweizer Meisterschaft vor heimischem Publikum im Achtelfinal. Dank einer Premiere bleibt der Titel trotzdem in der Zentralschweiz.
Stephan Santschi
Das Gefühl für den richtigen Moment: die Luzernerin Angela Krieger (29). (Bild: Jakob Ineichen (Zug, 9. Juni 2019))

Das Gefühl für den richtigen Moment: die Luzernerin Angela Krieger (29). (Bild: Jakob Ineichen (Zug, 9. Juni 2019))

Es sind teilweise furchterregende Schreie, wenn ein Fechter oder eine Fechterin einen Treffer feiert. Umso erstaunlicher war die Reaktion von Angela Krieger, nachdem sie den letzten Punkt zum 15:8-Sieg im Final gegen Pauline Brunner realisiert hatte. Die 29-jährige Luzernerin spazierte zurück auf ihre Seite der Wettkampfbahn, streifte sich den Helm vom Kopf und lächelte. Das wars. «Hey, du bist gerade Schweizer Meisterin geworden. Du darfst jubeln!», rief der Basler Benjamin Steffen, der am Vortag bei den Männern die Goldmedaille gewonnen hatte. «Das ist nicht meine Art», sagte Krieger später. «Höchstens wenn ich mich ärgere, werde ich mal laut. Ich freue mich innerlich.»

Grund zur Freude hatte die Athletin der Fechtgesellschaft Luzern denn auch reichlich. Nach vier Triumphen bei den Juniorinnen gewann sie am Pfingstsonntag in der Zuger Sporthalle nämlich zum ersten Mal Gold an einer Schweizer Meisterschaft der Elite. «Bisher war ich höchstens Zweite geworden. Es ist superschön, dass es endlich geklappt hat», zeigte sich Krieger erleichtert. Während des gesamten Tages war sie die dominante Sportlerin gewesen, sowohl die fünf Gefechte der Vorrunde als auch die fünf Duelle in der K. o.-Phase ab dem Sechzehntelfinal entschied sie für sich. «Ich hatte gute Beine, ein super Timing und bei meinen Treffern das Gefühl für den richtigen Moment.»

Im Halbfinal bezwingt Krieger die WM-Dritte

Kurz: Es war ein Tag, an dem einfach alles funktionierte, das zeigte sich auch in einer bemerkenswerten Situation im Finalgefecht gegen Brunner. Wenige Sekunden vor der ersten Pause punktete sie mit dem Degen rückwärts über ihren Kopf, nachdem die Gegnerin an ihr vorbeigestolpert war. «Ich wusste gar nicht, was ich machte, irgendwie habe ich an ihr noch angehängt. Das werde ich nicht wiederholen können», erzählte Krieger lachend.

Den grössten Brocken bezwang sie nicht im Final, sondern in der Runde davor gegen Laura Stähli. Die Baslerin gewann im letzten Sommer WM-Bronze und war darum die Topfavoritin für SM-Gold. Doch Krieger, die mit 1,86 m ihre Konkurrentinnen auch punkto Körpergrösse überragte, fand die richtige Mischung aus Angriff und Defensive und siegte mit 15:11. Auch der Blick auf die Weltrangliste zeigt die Besonderheit des Erfolgs: Während Krieger aktuell Platz 106 belegt, steht Stähli auf Position 22. Auch Finalgegnerin Brunner (23.) und Viertelfinalkontrahentin Noemi Moeschlin (66.) werden momentan stärker eingestuft.

An der Europameisterschaft vom 17. bis 22. Juni in Düsseldorf wird die Stadtluzernerin daher nicht im Aufgebot stehen, in der massgebenden nationalen Rangliste befindet sie sich derzeit nur auf Platz sechs. Zu oft stimmten in den letzten Monaten Aufwand und Ertrag nicht überein. Krieger war viel unterwegs, absolvierte unter anderem Turniere in Kuba, den Vereinigten Arabischen Emiraten, China, Kolumbien und Katar – in die Weltcup-Punkte schaffte sie es aber nur einmal. «International fehlt im Moment der letzte Zwick», sagt sie.

Das grosse Ziel, die Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen 2020 in Tokio, hat sie aber noch nicht aufgegeben. Dafür investiert sie viel, seit drei Jahren legt die gelernte Kauffrau und Informatikerin den Fokus sogar ganz auf das Fechten. «Ich bin ein Profi ohne Geld», sagt sie schmunzelnd. Ohne die Unterstützung ihres Vaters Toni könnte sie sich dies nicht leisten. «Wir verzichten deshalb seit Jahren auf Ferien. Wir stehen voll hinter ihr», sagt Toni Krieger, der die grossen Momente seiner Tochter mit der Fotokamera festhält.

Zuger Männer kehren in die Liga A zurück

Der Schweizer-Meister-Titel der Frauen bleibt damit also in der Zentralschweiz. Manon Emmenegger, die Titelverteidigerin aus Baar, scheiterte bereits in den Achtelfinals an der Zürcherin Fiona Hatz (11:15). «Ich werde stärker eingestuft, es wird erwartet, dass ich angreife. Doch ich hatte zu wenig Geduld, während die Gegnerin auf meine Fehler wartete», erklärte Emmenegger. Im Gegensatz zu Krieger steht die 22-Jährige aber im Schweizer EM-Aufgebot und wird dabei erstmals auf Elitestufe an einem Kontinentalturnier teilnehmen. «Mein Ziel ist es, die Vorrunde zu überstehen. Dann ist alles möglich.»

Grund zum Feiern hatten die Lokalmatadoren des Zuger Fechtclubs schliesslich doch noch: Die Männer mit Simon Balmer, Tobias Bollmann und Daniel Capaldo schafften im Teamwettkampf nur ein Jahr nach dem Abstieg die Rückkehr in die Liga A.

Schweizer Meisterschaft in Zug (Sporthalle). Frauen, Einzel: 1. Angela Krieger (Luzern). 2. Pauline Brunner (La Chaux-de-Fonds). 3. Valentina Bos und Laura Stähli (beide Basel). – Männer, Team, Liga A: 1. Sion. – Ferner: 5. Basel (mit Max Heinzer). – Liga B, Final: Zug – Zürich 28:45 (Zug steigt in die Liga A auf, weil Zürich als 2. Mannschaft nicht aufstiegsberechtigt ist).

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