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Die nächste Generation muss warten

Gestern standen bei den ATP Finals in London die ersten Partien auf dem Programm. Die Saisonbilanz kann aber bereits gezogen werden: Auch 2018 kamen die jungen Stars nicht am unverwüstlichen Top-Trio vorbei.
Jörg Allmeroth, London
Die Finalteilnehmer im Palace of Westminster (von links): John Isner, Kei Nishikori, Dominic Thiem, Novak Djokovic, Marin Cilic, Roger Federer, Kevin Anderson, Alexander Zverev. (Bild: Clive Brunskill/Getty (London, 9. 11. 2018))

Die Finalteilnehmer im Palace of Westminster (von links): John Isner, Kei Nishikori, Dominic Thiem, Novak Djokovic, Marin Cilic, Roger Federer, Kevin Anderson, Alexander Zverev. (Bild: Clive Brunskill/Getty (London, 9. 11. 2018))

Im holzgetäfelten Konferenzsaal «Herbert Morrison» des Londoner Marriott County Hotels hatte Dominic Thiem (25) vor den ersten Ballwechseln bei der ATP-WM noch einen dringenden Wunsch. In eigener Sache, aber insgeheim auch für viele jüngere Tennisprofis, für die Teenager der NextGen-Truppe. «Es wird höchste Zeit», sagte der österreichische Star, «dass einer aus der nachrückenden Generation einen Grand Slam gewinnt.» Auf die Frage, wann er damit rechne, blieb der Wiener allerdings vage: «Irgendwann muss es endlich so weit sein. Am besten innerhalb der nächsten beiden Jahre.»

Thiem kennt alle diese Fragen zum Generationenwechsel, sie sind ihm oft und gern gestellt worden in letzter Zeit. Ihm besonders, schliesslich ist der kraftstrotzende Athlet, der erste Spieler aus den Reihen der Jungen gewesen, der wenigstens ein Grand-Slam-Finale erreicht hat – in diesem Jahr bei den French Open. Allerdings war er dann nur noch der prominenteste Zuschauer der grossen Rafael-Nadal-Show, in Paris siegte der spanische Matador und mit ihm wieder mal einer der aussergewöhnlichen Gentlemen, die das Welttennis seit anderthalb Jahrzehnten ebenso unerbittlich wie unwiderstehlich prägen.

Am Ende der Saison 2018, daran werden die Tourfinals in London nichts ändern, ist der Befund kaum ein anderer wie vor fünf oder zehn Jahren: Geht es um das Heiligste in diesem Sport, insbesondere um die Majors, allen voran Wimbledon, geben Roger Federer, mit 20 Grand-Slam-Titeln der Rekordhalter, Nadal (17 Titel) oder Noval Djokovic (14 Titel) den Ton an – und teilweise zuvor auch noch, in einer Big-Four- oder Big-Five-Ära, Andy Murray und Stan Wawrinka (jeweils drei Grand-Slam-Siege). Alexander Zverev, der 21-jährige Hamburger, sagte gerade in London, es sei zwar «faszinierend», in einer Ära mit Federer und Co. aufzuschlagen: «Aber es ist natürlich auch Wahnsinn, wie dominierend sie immer noch sind.»

Der Zeithorizont von Federer

Dabei könnte Zverev auch von der Gnade seiner späteren Geburt sprechen. Denn er wird, anders als andere Generationen, den Grossteil seiner Tour-Karriere in einer Ära verbringen, in der die Superstars schon im Ruhestand sind. Federers Zeithorizont dürfte, wenn überhaupt, kaum über die Saison 2020 hinausreichen, die Teilnahme an Olympischen Spielen in Tokio eingeschlossen. Bei Nadals notorischen Verletzungskalamitäten ist nicht damit zu rechnen, dass er jemals ähnlich lange spielen wird wie Federer. Djokovic allerdings, der Comeback-Spieler der Saison, die wieder unangefochtene Nummer eins – er könnte den Youngsters noch ein bisschen länger Probleme bereiten. Dann, wenn er von nachhaltigen Verletzungen verschont bliebe. «Das gehört zum Unfassbarsten, was überhaupt im Tennis passiert ist», sagt Thiem über den Wiederaufstieg des Serben. Eine Rückkehr auf den Gipfel im übrigen, auch dies gehört zur Wahrheit, die manche Träume und Illusionen der Jüngeren in der Tennis-Karawane zerplatzen liess.

Die Topkandidaten um die Nachfolge

Djokovic (31), Nadal (32), Federer (37) auf den drei Spitzenplätzen – die Hackordnung ganz vorne, im Eliterevier des Männertennis, scheint wie festgewachsen, sie wirkt wie ein Abbild aus den Nullerjahren. Und aus vielen Spielzeiten danach. Zverev und Thiem sind die Jüngsten in den Top Ten, auch beide bei der WM vertreten. Aber sind sie auch die ersten Anwärter auf einen Grand-Slam-Titel, wenn denn einmal die Machtperiode des alles und alle überragenden Establishments vorüber ist? «Sie werden eine entscheidende Rolle spielen in der Tenniszukunft. Da bin ich sicher», sagt Federer, der damit aber alles und auch wieder nichts sagt. Denn der letzte Schritt, der zu Grand-Slam-Ruhm, ist der komplizierteste überhaupt im Tennis, eine ungeheure mentale Herausforderung auch. Nichts ist garantiert, nichts trotz grosser Potenziale und riesigem Talent.

Zverev und Thiem ist zuletzt im Kampf um die Schlüsselrollen im Tennis-Morgen und -Übermorgen durchaus Konkurrenz erwachsen. So legte der 22-jährige Russe Karen Khachanov einen imponierenden Schlussspurt hin, bei dem er auch den Masters-Thron in Paris eroberte. In London rückte er nun sogar noch zum Ersatzmann beim Turnier der Saisonbesten auf. Der 20-jährige Grieche Stefanos Tsitsipas gewann in der abgelaufenen Woche noch beim NextGen-Finale in Mailand, aber ihm wird zugetraut, schon in zwölf Monaten bei der WM in London vertreten zu sein. Auch der Australier Alex de Minaur, der Amerikaner Francis Tiafoe oder der Spanier Jaume Munar gelten als Top-Kandidaten für eine gewichtige Rolle im Führungsringen des künftigen Männertennis.

Novak Djokovic hat dazu etwas Wahres angemerkt: «Es ist nicht entscheidend, wer als erster in dieses Rennen gestartet ist. Sondern wer als Erster ankommt», so der Serbe, «es kann noch sehr viel Überraschendes passieren.» Wer wüsste es nicht besser als er selbst, die unwahrscheinliche Nummer 1 der Saison 2018.

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