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Der grösste Schweizer Eishockey-Trainer verlässt die Bühne

Trainer Arno Del Curto (62) hört beim HC Davos auf. Es ist das überraschende Ende der Amtszeit eines «unentlassbaren» Trainers.
Klaus Zaugg
Arno del Curto: Verehrt von den Davos-Fans. Bild: Keystone

Arno del Curto: Verehrt von den Davos-Fans. Bild: Keystone

Es ist ein Rücktritt wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Der HC Davos hat am Dienstagvormittag exakt um 10:29 Uhr eine Medienmitteilung verschickt und die ganze Hockeyschweiz überrascht. Noch nie ist ein Trainer bei der Beendigung des Arbeitsverhältnisses von seinem Arbeitgeber so gewürdigt worden. Es handelt sich um ein sporthistorisches Dokument. Wie der Bundesbrief im Museum zu Schwyz. Oder wenigstens fast. Die Mühe des Lesens lohnt sich. Für einmal sei hier eine Medienmitteilung im Wortlaut abgedruckt:

«Viele magische Spiele und Nächte»

«Beim Hockey Club Davos ist eine Ära zu Ende. Nach mehr als 22 Jahren ist Arno Del Curto nicht mehr Trainer beim HCD. Der mittlerweile 62-jährige Bündner hat den Traditionsklub seit 1996 geprägt – nicht nur sportlich, sondern auch als grossartige Persönlichkeit: fordernd und fördernd, aber auch beschützend und hilfsbereit. Sechs Schweizer Meistertitel (2002, 2005, 2007, 2009, 2011, 2015), fünf Spengler-Cup-Triumphe (2000, 2001, 2004, 2006, 2011) sowie der Vorstoss in die Halbfinals der Champions Hockey League in der Saison 2015/16 prägen das stolze Palmarès von Arno Del Curto in seiner HCD-Zeit. Arno war aber weit mehr als nur ein Erfolgstrainer. Einzigartig die leidenschaftliche Art, mit der er seine Spieler formte. Und mit einem ausgeprägten, offensiven Tempospiel hat er nicht nur die HCD-Fans, sondern sämtliche Anhänger von attraktivem, spektakulärem Eishockey während vieler Jahre begeistert.

In Arnos 23. aufeinanderfolgenden Saison als HCD-Trainer ist der Turbo ins Stocken geraten. Erstmals seit dem Wiederaufstieg 1993 droht Davos die Playoffs zu verpassen. Der Club befindet sich in seiner schwersten sportlichen Krise seit den Achtzigerjahren. Die Klubführung hofft, mit einem neuen Trainer aus dem Tief zu finden. «Der letzte Eindruck bleibt haften», lautet ein Sprichwort. Nicht so bei Arno. Die vielen magischen Spiele und Nächte, Wochen, Monate und Jahre, die er uns mit dem HCD beschert hat, bleiben unvergesslich.»

Arno Del Curto beim Eishockeyspiel der National League zwischen dem EV Zug und dem HC Davos im September 2017 in der Bossard Arena in Zug. (Bild: Alexandra Wey/Keystone, Zug, 23. September 2017)
Arno Del Curto mit dem Vater von Dino und Marc Wieser (rechts), welcher den Pokal der Nationalleague A in den Händen hält. Der HCD erhielt diesen nach dem fünften Playoff-Finalspiel gegen die ZSC Lions. (Bild: Patrick B Kraemer/Keystone, Zürich, 11. April 2015)
Als «Hockey Dad» bezeichneten die HCD-Fans den Trainer, der 22 Jahre für den Eishockeyclub tätig war. (Bild: Patrick B. Kraemer/Keystone, Kloten, 21. September 2012)
Beim Anlass «UBS Jugend trainiert mit den Stars» mit den Kleinen. (Bild: Melanie Duchene/Keystone, Davos, 28. Dezember 2017)
Del Curto liess sich des Öfteren auf Diskussionen wegen Schiedsrichterentscheidungen ein. (Bild: Jürgen Staiger/Keystone, Davos, 17. März 2016)
Trainer Arno Del Curto winkt während dem Corso aus einem alten Lastwagen seinen Fans zu, am Samstag, 16. April 2011, in Davos. Mit einem Corso der HCD-Spieler, Trainer und Staff durch Davos und anschliessender Präsentation des Meisterpokals auf dem Rathaus-Balkon hat der HCD am Samstag den 30. Schweizermeistertitel im Jubiläumsjahr "90 Jahre Hockey Club Davos" gefeiert. (Bild: Arno Balzarini/Keystone, Davos, 16. April 2011
Nach über 22 Jahren, 6 Meistertiteln und 5 Triumphen am Spengler Cup geht eine Ära zu Ende. Seit 1996 beim HCD an der Bande, hat Arno Del Curto seinen Rücktritt per sofort gegeben. (Bild: Ralph Ribi, Davos)
Mit seinem Rücktritt verliert der Bündner Traditionsklub eine grosse Persönlichkeit.(Bild: Ralph Ribi, Davos)
Wussten Sie, dass Arno del Curto gelernter Lehrer ist? (Bild: Ralph Ribi, Davos)
Parallel-Golfer: Eishockey-Star Patrick Fischer, Davos-Eishockeycoach Arno del Curto und Fussballtrainer Murat Yakin (von links), am Promi-Golfturnier der Baarer Sportstars-Agentur. (Bild: André Häfliger, Hildisrieden)
Del Curto mit Kindern am 82. Spengler Cup vor gut zehn Jahren. (Bild: Salvatore Di Nolfi/Keystone, Davos, 28. Dezember 2008)
Trainer Arno Del Curto winkt an der Meisterfeier des HC Davos seinen Fans vor dem Rathaus in Davos zu. (Bild: Arno Balzarini/Keystone, Davos, 14. April 2007)
Vor dreizehn Jahren wurde Arno Del Curto Trainer des Jahres. (Bild: André Häfliger, Luzern, 28. Oktober 2005)
Arno Del Curto (Mitte) wird nach der erfolgreichen Titelverteidigung 2001 des Spengler Cups nach dem 4:3 Sieg gegen Team Canada in der HC Davos Kabine mit Bier übergossen. (Jürgen Staiger/Keystone, Davos, 31. Dezember 2001)
Die Spieler des HCD feiern ihren Trainer im Jahr 2000, nachdem der HCD seit 42 Jahren wieder einmal den Spengler Cup gewann. (Bild: Edi Engeler/Keystone, Davos, 31. Dezember 2000)
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Rückblick auf 22 Jahre Del Curto

Grösste sportliche Krise seit 1993

Der HCD befindet sich zwar in der grössten sportlichen Krise seit 1993. Ja, zum ersten Mal seit dem Wiederaufstieg droht das Verpassen der Playoffs. Und trotzdem kommt das Ende der Ära «Del Curto» unerwartet. Die Frage, ob oder wann der Trainer wohl gefeuert werde, ist zwar gestellt worden. Und jeder andere Cheftrainer hätte nach den Resultaten dieses Herbstes gehen müssen. Doch um Del Curto hat es keine Polemik gegeben. Zu gross war der Respekt vor seiner Eishockey-Lebensleistung. Er war zu gross, um kritisiert zu werden. Er war zu gross, um gefeuert zu werden. Selbst als er am letzten Sonntag nach dem Sieg im Hallenstadion nicht mehr mit der Mannschaft im Bus zurück nach Davos fuhr, ahnte noch niemand, dass er nie mehr beim HCD an der Bande stehen würde.

Arno Del Curto verlässt die grosse Bühne als grösster Schweizer Eishockey-Trainer aller Zeiten. Trotz Krise als Sieger. Nach einem 5:1 im Hallenstadion gegen die mächtigen ZSC Lions. Nach einem Triumph über den Titelverteidiger. Ein würdiger Abgang.

Das überraschende Ende der Ära des «Unentlassbaren» passt zum charismatischen «Feuerkopf». Es ist eigentlich die einzig denkbare Variante. Ein lange angekündigter Abschied mit dem heute üblichen Medien- und sonstigen Zirkus wäre ihm zutiefst in der Seele zuwider gewesen. Die erste, die beste und die ehrlichste Reaktion kam von Servette-Chef Chris McSorley. Er sagte: «One of the saddest days I’ve had since 2001» (Einer der traurigsten Tage seit 2001.) McSorley hatte 2001 mit seiner Arbeit in Genf begonnen.

Der Kanadier McSorley hat recht und auch wieder nicht. Natürlich ist es hockeytechnisch ein trauriger Tag, wenn Del Curto sein Amt niederlegt. Aber er geht freiwillig – und wann hat ein Trainer schon die Chance, freiwillig zu gehen? Eben. Die Verdienste des Nonkonformisten um unser Hockey und den HC Davos sind so gross, dass eine Entlassung die grösste Stillosigkeit in der Geschichte des Schweizer Hockeys gewesen wäre.

Um noch einmal ein wenig dramatisch zu werden – für die Davoser gilt in dieser Sache hockeytechnisch, was der amerikanische Poet Henry Longfellow sinngemäss einmal gesagt hat: Der grosse Trainer, der geht, fühlt nicht den Schmerz des Abschieds. Die Zurückbleibenden leiden.

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