Ringen

Der Hunger ist auch nach 14 Titeln nicht gestillt: Willisau ringt gegen Freiamt um den Schweizer Meistertitel

Die Willisauer Ringer bestreiten am Samstag gegen Freiamt die erste Hälfte des NLA-Finals. Erstmals sind keine Zuschauer dabei.

Simon Gerber
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Eigentlich hätte Thomas Bucheli allen Grund zur Freude: In seiner letzten und zehnten Saison als Cheftrainer der Wilisau Lions läuft es in der Teammeisterschaft in der Premium League (NLA) ganz nach seinen Vorstellungen. Die Luzerner haben bisher mit grosser Konstanz alle Begegnungen mit Bravour gemeistert.

Erfolgstrainer Thomas Bucheli.

Erfolgstrainer Thomas Bucheli.

Philipp Schmidli (Willisau, 22. Dezember 2018)

Und doch drückt die Corona-Pandemie auf die Stimmung des 43-jährigen Erfolgstrainers. Thomas Bucheli erlebt ein seltsames und spezielles Abschlussjahr. Nur vier Tage nach dem überraschend deutlichen Auswärtserfolg im Halbfinal gegen Kriessern gab es einen Zwischenstopp. Der Bundesrat hat aufgrund der erhöhten Coronazahlen die Kontaktsportarten Ende Oktober erneut verboten. Die Meisterschaft wurde vom Verband Swiss Wrestling unterbrochen. «Es war für uns alle keine einfache Zeit, mit der neuen Situation umzugehen. Niemand wusste, ob die Meisterschaft abgebrochen oder im nächsten Jahr weitergeführt würde», erklärt Thomas Bucheli. Man habe viel improvisieren müssen. Das beste Rezept sei gewesen, den Optimismus zu wahren und nach vorne zu schauen.

Erinnerungen an das letzte Jahr

Nach der Bestätigung von Swiss Olympic, dass die NLA aufgrund von professionellen Kaderathleten als Profiliga gelte, konnte die Saison schliesslich weitergeführt werden. In der Zwischenzeit zog sich Kriessern infolge der Häufung von Coronafällen im St. Galler Rheintal vom Wettbewerb zurück. Durch die Forfaitniederlage im zweiten Halbfinalduell der Ostschweizer qualifizierte sich Willisau direkt für den Final. Am Samstag kommt es nun in Muri zu einem weiteren Klassiker zwischen dem Rekordmeister und seinem Erzrivalen aus dem Freiamt.

Dabei werden Erinnerungen an das letzte Jahr wach: Nach einer höchst spannenden Zitterpartie wurde Topfavorit Willisau zum 14. Mal Schweizer Mannschaftsmeister. Die Luzerner gewannen das dritte Finalduell hauchdünn mit 17:16. Thomas Bucheli erwartet erneut eine Begegnung auf Augenhöhe. «Obwohl wir in der Qualifikationsphase beide Partien für uns entschieden haben, wird der Gegner noch einen Zacken zulegen. Durch Verpflichtung des grossen Ringertalentes aus Brunnen, Christian Zemp, und die Rückkehr des verletzten EM-Bronzemedaillengewinners Randy Vock sind die Aargauer eine Spur stärker als letztes Jahr.»

Eine neue Erfahrung

Deshalb fordert Bucheli von seinen Leistungsträgern volle Konzentration, den totalen Einsatz und den unbändigen Willen, das vorhandene Potenzial abzurufen. «Alle Athleten sind fit und haben einen unglaublich grossen Hunger auf den Gewinn des 15. Meisterpokals in der Vereinsgeschichte», so Bucheli. Die letzten Tage nutzte der Trainerstab für Videoanalysen und individuelle Gespräche. Im Training lag der Fokus auf der Explosivität mit harten Kämpfen. Erstmals in der Ringergeschichte werden die beiden Finalbegegnungen ohne Publikum ausgetragen. Es ist weder für die Athleten noch die Trainer einfach, in einer leeren Halle auf Punktejagd zu gehen. Die Fans und ihre Emotionen werden fehlen. «Auch das ist für uns eine neue Erfahrung. Allerdings werden die SM- Einzelmeisterschaft jeweils auch nur vor wenig Publikum ausgetragen», meint Bucheli. Wichtiger sei für ihn, dass sich, wie im bisherigen Saisonverlauf, keine Ringer mit dem Virus anstecken und die verkürzte Teammeisterschaft mit den beiden noch offenen Begegnungen erfolgreich abgeschlossen werden kann.