«Der Kick der Spiele fehlt uns»: Was FCL-Sportchef Remo Meyer während der spielfreien Zeit macht

Remo Meyer hofft, dass die Meisterschaft zu Ende gespielt wird – auch wegen der Marktwerte der Spieler.

Interview: Daniel Wyrsch
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«Auf die Spieler käme eine heftige Belastung zu»: Remo Meyer erwartet intensive Wochen nach der Corona-Pause.

«Auf die Spieler käme eine heftige Belastung zu»: Remo Meyer erwartet intensive Wochen nach der Corona-Pause. 

Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 6. März 2020)

Seit über zwei Wochen steht der Spielbetrieb in der Schweiz still. Was macht der FCL-Sportchef in dieser Phase?

Remo Meyer: Ich bin an der Kaderplanung für den Sommer. Der Nachwuchs hat seit diesem Wochenende mit Ausnahme der U21 in der 1. Liga wieder gespielt. Im Nachwuchsbereich sind wir ebenfalls in der Planung betreffend Strukturen und Trainer für die nächste Saison. Sehr viel hat sich für mich nicht geändert, nur das Zückerli, der Kick der Spiele in der Super League, fehlt.

Wie fühlt sich die Pause an?

Wir befinden uns quasi in einer weiteren Vorbereitung. Das ist Neuland für alle Vereine und die Trainer. Es kommt jetzt darauf an, ob wir am 21. März oder am 4. April neu starten. Für die Trainingssteuerung ist das wichtig.

Bleibt den Klubs nichts anderes übrig, als auf den Entscheid des Bundesrats zu warten, ob das Veranstaltungsverbot nach dem 15. März endet oder verlängert wird?

Klar, wir müssen abwarten. Realistischer ist wohl die Wiederaufnahme der Meisterschaft am 4. April. In den verbleibenden zwei Monaten würden dann noch 13 Ligapartien und hoffentlich drei Cup-Spiele folgen. Eine recht heftige Belastung käme da auf die Spieler zu.

Stünde dann praktisch wie im Eishockey jeden dritten Tag ein Spiel auf dem Programm?

Nicht ganz so oft, aber in einer ähnlichen Kadenz.

Können das Fussballer so gut wie Eishockey-Spieler?

Man kann die beiden Sportarten nicht miteinander vergleichen, im Eishockey spielt man mit Blöcken, permanent wird gewechselt. Bei uns wird es englische Wochen geben, das heisst am Wochenende und während der Woche je ein Match.

Remo Meyer ist zufrieden mit der Arbeit von Trainer Fabio Celestini und dessen Assistenten: «Es herrscht eine positive Dynamik», sagt er.

Remo Meyer ist zufrieden mit der Arbeit von Trainer Fabio Celestini und dessen Assistenten: «Es herrscht eine positive Dynamik», sagt er.

Boris Bürgisser (Luzern, 6. März 2020)

Teleclub soll auf Vertragseinhaltung der Liga pochen, spätestens ab Anfang April müsse wieder gespielt werden. Ist das korrekt?

Davon habe ich keine Kenntnis, aber natürlich wollen wir, wenn möglich mit Zuschauern spielen. Ich bin kein Virologe, wir müssen den Spezialisten und dem Bundesrat bei der Eindämmung des Corona-Virus vertrauen. Sollten Partien mit Fans nicht möglich sein, wird der Zeitpunkt kommen, an dem wir spielen müssen. Dann halt in Stadien ohne Zuschauer. Die dritte Variante, die uns noch bleiben würde, wäre der Abbruch der Saison. Das wäre jedoch die allerletzte Möglichkeit und nicht in unserem Interesse.

Wenn abgebrochen werden müsste, würde sich die Frage stellen, wer Meister ist, wer absteigt und wer europäisch spielen darf.

Stand jetzt gehe ich davon aus, dass die Meisterschaft zu Ende gespielt wird. Ich hoffe mit Zuschauern, möglicherweise aber auch ohne Fans.

Würde sich eine halbe Saison Pause negativ auf die Marktwerte der Spieler auswirken?

Da hängen tatsächlich sehr viele Dinge zusammen, das ist aussergewöhnlich und hat es meines Wissens in dieser Form noch nie gegeben. Das hätte Auswirkungen. Darum hoffen wir, dass die Verantwortlichen der Liga alles daran setzen, damit die Meisterschaft regulär zu Ende gespielt werden kann.

Der Blick auf die Rückrundentabelle zeigt den FCL nach 5 Spielen mit 13 Punkten klar auf Platz 1, er hat drei Zähler Vorsprung auf den ersten Verfolger Servette. Freuen Sie sich über diese Bilanz im Jahr 2020?

In meinem Kopf gibt es nur eine Tabelle und das ist jene der gesamten Saison, dort stehen wir auf Position 6. Ende Saison wird wie jedes Jahr abgerechnet. Alles andere ist eine Momentaufnahme. Wir hatten sicher einen hervorragenden Einstieg in die zweite Saisonhälfte, wenn wir fünf Spiele resultatmässig so gestalten konnten. Das ist nicht selbstverständlich, weil wir Druck hatten. Der Abstand zum Tabellenende ist nun doch recht beruhigend, der Start hat uns einen Schub und Selbstvertrauen gegeben. Wir hätten gerne weitergespielt, aber wollen nach der Pause dort anschliessen, wo wir aufgehört haben.

Beim neuen Trainer Fabio Celestini haben Sie offensichtlich ein gutes Händchen gehabt.

Das Gesamtpaket stimmt, neben Fabio hat es auch neue Assistenten (Genesio Colatrella und Claudio Lustenberger; Anm. der Red.) des Cheftrainers gegeben. Das Trio hat von Beginn an sehr gut zusammengearbeitet. Es herrscht eine positive Dynamik, die vielen gewonnenen Punkte geben zusätzlichen Schub. Alle wissen, dass sie dafür an die Leistungsgrenze gehen müssen.

Was hat Sie am meisten gefreut?

Dass Mannschaft und Staff in die gleiche Richtung ziehen. Zudem Fabio Celestini, der die ganze Sache positiv angepackt hat und sehr offen und authentisch ist. Dazu zähle ich auch den Umgang mit der deutschen Sprache; er hat Mut bewiesen und machte sehr schnell Fortschritte bei der Anwendung der Sprache.

Wünschten Sie sich manchmal, dass Sie Blessing Eleke letzten Sommer verkauft hätten?

Nein, denn es gab keine passenden Offerten für ihn. Er hat noch einen Vertrag bis 2022. Blessing hat beim Trainer die Chance, sich wieder mit Leistungen in den Vordergrund zu spielen. Fabio Celestini behandelt alle gleich. Das schätzen die Spieler.

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