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Der Lehrling von Giorgio Contini

Abtwil-Engelburg bezwingt Rapperswil II in einem gehässigen Spiel 4:1. Trainer Marc Blumer hat den 2.-Liga-Club gefestigt, und mit ihm eine imposante Serie gestartet.
Beni Bruggmann
Abtwil-Engelburg ist für den 42-jährigen Oberstufenlehrer Marc Blumer die zweite Trainerstation. Bild: Benjamin Manser

Abtwil-Engelburg ist für den 42-jährigen Oberstufenlehrer Marc Blumer die zweite Trainerstation. Bild: Benjamin Manser

Auch für den Sportjournalisten liegen Glück und Pech manchmal nahe. Pech war es, dass er sich die 2.-Liga-Partie Abtwil-Engelburg gegen Rapperswil-Jona II ausgesucht hatte. Der Zweite gegen den Dritten: Was ein spannendes Spitzenspiel hätte werden sollen, wurde ein hässlicher Kampf mit Provokationen, Beleidigungen, Fouls und Tätlichkeiten.

Allein in der Nachspielzeit sah der Berichterstatter drei ungeahndete Tätlichkeiten aus nächster Nähe. Es war ein Trauerspiel, gezeigt von zwei Teams, die eigentlich recht gut Fussball spielen könnten.

Eine fussballverrückte Familie

Nach diesem emotionsgeladenen Kampf wäre es schwierig gewesen, ein vernünftiges Gespräch zu führen. Damit kommen wir zum Glück. Das Treffen mit Abtwil-Engelburgs Trainer hatte zwei Stunden vor dem Spiel stattgefunden.

In lockerer Atmosphäre erzählt der 42-jährige Marc Blumer aus seinem Leben. Er ist in Wittenbach aufgewachsen, ging in Rorschach ins Semi und arbeitet heute als Oberstufenlehrer in Speicher. Er ist mit Anja verheiratet. Zur Familie gehören die Buben Leano (6), Nelio (4) und Elia (1). «Wir sind eine fussballverrückte Familie», sagt er, «meine Frau und die Buben sind an jedem Spiel dabei».

Abenteuer Brasilien

Ganz erstaunlich: Blumer tritt erst mit 15 Jahren einem Fussballclub bei. Das hindert ihn aber nicht, eine schöne regionale Karriere bis in die
1. Liga zu machen. Unter anderem spielt er für St.Otmar, Rorschach und Brühl. «Aber meine Heimat, mein Herz ist beim FC Abtwil», sagt er, «wo schon mein Vater gespielt hat und wo er auch Präsident war».

Blumer hat sogar Auslanderfahrung: Als er kurze Zeit Lehrer an der Schweizer Schule in Rio unterrichtete, trainierte er mit Botafogo und Flamengo.

Blumers Trainerkarriere beginnt 2014 in Wittenbach. Doch schon nach einer Saison wird er entlassen. Er versucht es ein Jahr darauf im FC Abtwil-Engelburg. Erneut misslingt der Start: Nach der Vorrunde hat sein Team nur fünf Punkte. Der Trainer wird nicht entlassen, weil der Vorstand weiss, dass der Generationenwechsel Schwierigkeiten mit sich bringt. Das Vertrauen wird belohnt: Abtwil spielt eine starke Rückrunde und schafft den Ligaerhalt. Blumer erklärt:

«Die Spieler wurden reifer. Das Team glaubte an sich. Und das ohne Geld.»

Parallel zu seiner ersten Saison in Abtwil hat Blumer eine Stage bei Trainer Giorgio Contini in Vaduz gemacht. Deshalb ist der spätere FC-St.Gallen-Coach auch einmal zum abstiegsgefährdeten Zweitligisten gekommen und hat die Teamsitzung geleitet.

Blumer hat das SFV-Diplom B plus, und er denkt daran, nächstens das A-Diplom zu machen. Er bleibt im Geschäft. «Fussball ist mein Leben», sagt er.

Daheim makellos

Nach dem Spiel fasst der Trainer zusammen: «Wir haben vier Tore erzielt und wieder gewonnen. Es war ein Sieg des Kollektivs. Ja, die Härte auf beiden Seiten …». Dieser Fussballnachmittag war zwar ziemlich traurig, aber er hat erfreuliche Auswirkungen. Die stolze Bilanz: Sieben Heimspiele, sieben Siege, 21 Punkte, 34:9 Tore

Das verspricht einiges für die Zukunft. Davon mag der Trainer aber nicht reden. «Wir brauchen noch vier Punkte, bis der Ligaerhalt endgültig ist», sagt er, «erst dann schaue ich nach vorne».

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