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Der Mann für das Grobe ist ruhiger geworden

Der Check von EVZ-Verteidiger Johann Morant gegen den Berner Stürmer Mark Arcobello ist noch als erlaubt zu taxieren.
Reto Steinmann*
Ruf als Raubein: Johann Morant, Verteidiger des EV Zug, bei der Aktion gegen SCB-Stürmer Mark Arcobello. (Bild: Urs Lindt/Freshfocus, Bern, 2. November 2019)

Ruf als Raubein: Johann Morant, Verteidiger des EV Zug, bei der Aktion gegen SCB-Stürmer Mark Arcobello. (Bild: Urs Lindt/Freshfocus, Bern, 2. November 2019)

Johann Morant, aktueller EVZ-Verteidiger und Taekwondo-Kämpfer im Ruhestand, ist aufgrund eines Zwischenfalls im Spiel gegen den SC Bern vom letzten Samstag wieder einmal in die Schlagzeilen geraten. Zumindest bei den Meinungsmachern des Boulevard-Reviers an der Zürcher Dufourstrasse. Im erwähnten Spiel wurde Morant nach einem Check gegen Berns Topskorer Mark Arcobello mit einer Fünf-Minuten-Strafe plus Spieldauer-Disziplinarstrafe belegt.

Reto Steinmann.

Reto Steinmann.

Die fette «Blick»-Schlagzeile nach dem Vorfall: «EVZ-Amok Morant schlägt wieder zu». Gefordert wurde eine Sperre für mindestens 20 Spiele wegen eines angeblichen Schlags mit dem Ellbogen ins Genick. Von der Liga wurde diese Sicht der Dinge offenbar nicht geteilt. Der gängigen Praxis folgend nach Spieldauer-Disziplinarstrafen wurden die Bilder über die Aktion weitergeleitet an den Referee in Chief und von diesem an den Player Safety Officer (den «Staatsanwalt»).

Hätte der Player Safety Officer einen Check in den Nacken festgestellt, wäre von ihm die Eröffnung eines Verfahrens beim Einzelrichter beantragt worden. Auch vom SC Bern wurde die Aktion von Morant nicht zum Anlass genommen, bei der Liga-Justiz den Antrag auf Eröffnung eines Verfahrens zu stellen. Aus der «Blick»-Ankündigung, Morant werde bald Post bekommen vom Einzelrichter, ist nichts geworden. Wie bereits im Januar 2017, als Morant gemäss «Blick» den Genfer-Spieler Noah Rod mit einem «gemeingefährlichen Kniestich ausser Gefecht und anschliessend Teamkollege Will Petschenig in die Rippen gebissen» habe. Auch im jüngsten Fall ist die dicke Post quasi hausintern produziert worden und kann nun auch dort geschreddert werden.

Grundsätzlich ist bei jedem Check in Bandennähe Vorsicht geboten. Dies primär aus physikalischen Gründen, weil die Energie durch den Schlag gegen die Spielfeldumrandung innert Sekundenbruchteilen abgebaut wird. Unzweifelhaft ist auch, dass der Checkende die Verantwortung trägt für sein Verhalten. Er entscheidet allein über den Zeitpunkt und die Art und Weise des Checks. Der Check von Morant an Arcobello erfolgte Sekundenbruchteile, nachdem der Berner-Stürmer sich getrennt hatte von der Scheibe, und ist deshalb als noch erlaubt zu taxieren. Ebenso hatte Arcobello Morant gesehen, ehe er die Scheibe der Bandenwölbung entlang spielte, und war sich demnach bewusst, dass sich der EVZ-Verteidiger mit Speed näherte. Morant hätte erkennen sollen, dass er seinen Widersacher nicht mehr würde trennen können von der Scheibe. Deshalb erschient der Check als überflüssig, ja diente lediglich noch der Einschüchterung. Gefährlich wurde der Check indes nur, weil Arcobello sich abdrehte und die Körperspannung aufgab. Wäre er bereit geblieben, den Check zu nehmen, hätte es wohl nicht einmal eine Zwei-Minuten-Strafe abgesetzt. Die von den Unparteiischen verhängte Sanktion, Grosse Strafe plus automatisch Restausschluss, ist als streng zu empfinden, erscheint aber vertretbar, weil die Bilder von solchen Szenen auf dem Eis nicht konsultiert werden dürfen vor einer Entscheidung.

Das Beispiel Johann Morant offenbart, dass ein Ruf als Raubein sich nicht mehr so schnell abschütteln lässt. Gewiss war der Franzose mit Schweizer Lizenz über längere Zeit einer der Belzebuben der Liga mit einem grosszügigen Verhältnis zum Jenseits des reglementarisch Festgelegten. Mittlerweile hat er sich aber verändert. Wenn auch nicht gerade vom Saulus zum Paulus, so doch zu einem Spieler, der als korrekt bezeichnet werden darf und gewöhnlich den Degen auf Kosten des Knüppels bevorzugt. Sein enormes Einschüchterungspotenzial nimmt er nur noch zu Hilfe in Situationen, in welchen es dem Team nützt.

In der nunmehr dritten Saison hat sich der Franzose mit Schweizer Lizenz nichts Gröberes mehr zu Schulden kommen lassen und darf im laufenden Championat mit Fug und Recht als einer der zuverlässigeren EVZ-Verteidiger bezeichnet werden. Dies ist offenbar auch am anderen Ende des Sihltals erkannt worden. Der 33-jährige Johann Morant hat mit den ZSC Lions vor einigen Tagen einen Zweijahresvertrag unterzeichnet. Allem Anschein nach sind dort gewisse Bedenken als vernachlässigbar betrachtet worden im Vergleich mit den Vorzügen dieses Haudegens.

* Reto Steinmann war von 2004 bis 2016 Einzelrichter für Swiss Ice Hockey und praktiziert als Rechtsanwalt und Notar in Zug.

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