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Federer, der Meister der Illusion

Roger Federer besiegt Gilles Simon am Freitagabend mit 7:6 (7:1), 4:6, 6:4 und zieht bei den Swiss Indoors in die Halbfinals ein. Weshalb das Publikum in Basel von Federer selbst nach zwanzig Jahren nicht genug bekommt.
Simon Häring, Basel
Die Lichtshow, die Medien und die Security: Der Schweizer Tennis-Superstar trifft ein (Bild: Daniela Frutiger/freshfocus)

Die Lichtshow, die Medien und die Security: Der Schweizer Tennis-Superstar trifft ein (Bild: Daniela Frutiger/freshfocus)

Einmal, da tappte selbst der Bass der Swiss Indoors Basel in die Falle. Christoph Schwegler, der Speaker mit der sonoren Stimme, kündigte Roger Federer als Nummer 1 der Welt an. Dabei hatte er sich der Basler seinen Text für diese Woche so schön zurechtgelegt: «Für uns die Nummer 1, für ATP die aktuelle Nummer 3. Meine Damen und Herren, der erfolgreichste Tennisspieler der Geschichte: Welcome home, Roger Federer.»

Der Baselbieter spielt in dieser Woche längst nicht wie eine Nummer 1. Auch in den Viertelfinals gegen den Franzosen Gilles Simon (33, ATP 32) nicht. Wie schon in den Runden zuvor liegt er mit einem Break hinten. Wieder unterlaufen ihm zahlreiche unerzwungene Fehler. Wieder unterlaufen ihm vier Doppelfehler. Wieder muss er fünf Mal seinen Aufschlag abgeben. Mehr als einmal ist sein Unmut zu hören. Mehr als einmal flucht er laut: «Gopferdammi nomol!» Doch am Ende setzt er sich mit 7:6 (7:1), 4:6, 6:4 durch. Und steht bei seinem Heimturnier in den Halbfinals.

Roger Federer während des Spiels gegen den Franzosen Gilles Simon. (Bild: Daniela Frutiger/freshfocus)

Roger Federer während des Spiels gegen den Franzosen Gilles Simon. (Bild: Daniela Frutiger/freshfocus)

Am Ende ist es in Basel völlig unerheblich, wie Roger Federer gewinnt. Die Faszination ist ungebrochen. Klar, oft gewinnt er mit Eleganz. Kreativität verbindet er mit Effizienz, Kraft mit Präzision. Er ist leichtfüssig, an guten Tagen wirkt er fast schon schwerelos. Federer ist mehr Tänzer als Boxer. Doch diese Tage sind seltener, als man glauben mag. Wer eine Erklärung dafür finden will, weshalb der 37-Jährige die Menschen in seiner Heimat auch zwanzig Jahre nach seinem ersten Auftritt in seinen Bann zieht, findet überall mögliche Antworten. Nirgendwo offenbart sich das mehr als in Basel.

Roger Federer nach dem Sieg gegen Gilles Simon am Freitagabend, der ihm den Weg in die Halbfinals sicherte. (Bild KEYSTONE/Alexandra Wey)

Roger Federer nach dem Sieg gegen Gilles Simon am Freitagabend, der ihm den Weg in die Halbfinals sicherte. (Bild KEYSTONE/Alexandra Wey)

Roger Federer ist oft unpünktlich. Nicht aus Unhöflichkeit, sondern weil er sich für alle und jeden Zeit nimmt. Am Sonntag traf er seinen Fanclub. 15 Minuten waren dafür eingeplant, am Ende waren es 45. Federer liess sich die Leuchtstäbe erklären, die im Stadion wie Wunderkerzen wirken. Wie ein kleines Kind habe er sich darüber gefreut. Er nahm sich Zeit für Fotos. Und er unterschrieb jedes Utensil. Es gibt wohl kein Autogramm, das weniger wert hat als das seinige.

«Ich habe vor vielen Dingen Angst. Ich würde zum Beispiel nie Fallschirm springen, oder Achterbahn fahren.»

Roger Federer

Roger Federer gibt den Menschen das Gefühl, einer von ihnen zu sein. Er begegnet ihnen auf Augenhöhe: neugierig, mit Anstand, mit Respekt. Und er spricht, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Er benutzt Wörter wie Du und Ich. Er sagt: «Das ist ein ‹lustiger Cheib.›» Er flucht auf dem Platz wie ein Jungsenior im Interclub. Er benutzt dabei die gleichen Ausdrücke. Er geht in die gleichen Parks. Er wandert in den Bergen. Er geht in die Badi, an die Fasnacht, holt beim Bäcker Gipfeli. Einmal erzählte er, dass er manchmal Schwierigkeiten habe, seine Zwillinge zu unterscheiden. Er sei ein schlechter Koch und auch noch ein Angsthase. «Ich würde zum Beispiel nie Fallschirmspringen, oder auf einer Achterbahn fahren», sagt Federer.

Federer entspannt (Bild: Daniela Frutiger/freshfocus)

Federer entspannt (Bild: Daniela Frutiger/freshfocus)

Vor einer Woche erzählte er, dass es in der Schweiz ab und zu komische Begegnungen gebe, «weil die Menschen das Gefühl haben, wir würden uns ewig kennen.» Ihnen allen gibt er das Gefühl, einer von ihnen zu sein. Vor einem Jahr fragte ihn Heinz Günthardt, wie er das denn mache, scheinbar ewig jung zu bleiben. Federer sagte: «Sie müssten sehen, wie ich die ersten fünf, zehn Minuten nach dem Aufstehen aussehe.» Es sind Probleme, wie sie jeder 37-Jährige kennt.

Handykameras und Securitys

Roger Federer, und das ist ein Teil der Erklärung, warum er so populär ist, führt ein Leben wie Du und Ich. Wirklich? Wenn er die Halle durch einen Hinterausgang verlässt, wird er von zwei Sicherheitskräften begleitet. Erwartet wird er auch dort von einer Schar Anhängern. Am Freitag war er in Basels Innenstadt, im Lokal seines Sponsors Lindt, immer verfolgt von Handykameras. Egal, wo er auftaucht: Minuten später wissen es Menschen rund um den Globus. Es ist immer wieder erstaunlich, wie viel Aufmerksamkeit ein Mensch auf sich vereinen kann. Und es ist noch viel erstaunlicher, wie entspannt er damit umgeht.

Roger Federer ist nicht wie Du und Ich. Nicht, weil er das nicht will, sondern weil er es nicht kann. Doch er ist ein Meister darin, diese Illusion zu erzeugen. Federer ist normal geblieben, aber seine Lebensrealität hat wenig mit der unsrigen zu tun. Wer sein Gegner in den Halbfinals ist, stand erst spät in der Nacht fest. Doch ob sein Gegner Stefanos Tsitsipas oder Daniil Medwedew heisst, ist völlig unerheblich. Federer wird auch am Samstag wieder eine Illusion erzeugen. Die Illusion, einer wie Du und Ich zu sein.

Swiss Indoors Basel. Swiss Indoors (1 984 420 Euro/Halle). Männer. Einzel, Viertelfinals: Federer (SUI/1) s. Simon (FRA) 7:6 (7:1), 4:6, 6:4. Alexander Zverev (GER/2) s. Bautista Agut (ESP/8) 7:5, 6:3. Copil (ROU) s. Fritz (USA) 7:6 (8:6), 7:5. Halbfinal-Tableau: Federer (1) – Tsitsipas (4)/Medwedew (7); Copil – Zverev (2). Doppel, letzter Viertelfinal: Sharan/Sitak (IND/NZL) s. Hüsler/Verbeek (SUI/NED) 1:6, 7:6 (10:8), 10:5.

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