Der Musterschweizer, der keiner ist

Xherdan Shaqiri, der «Kraftwürfel» und «Zauberzwerg» soll die Schweiz an die WM 2014 führen – warum beeindruckt er alle?

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Xherdan Shaqiri vor dem Freundschafts-Länderspiel gegen Rumänien in Luzern. (Bild: Keystone)

Xherdan Shaqiri vor dem Freundschafts-Länderspiel gegen Rumänien in Luzern. (Bild: Keystone)

Xherdan Shaqiri ist ziemlich jung. Zarte 20 Jahre erst. Dazu noch ziemlich klein für einen Fussballer. 1,70 Meter, genau genommen. Und er besitzt den Schweizer Pass. Eigentlich ist das keine Ausgangslage, die Starpotenzial beinhaltet. Aber Xherdan Shaqiri ist anders.

Sein Körper ist so breit, dass er «Kraftwürfel» genannt wird. Er dribbelt seine Gegner so sehr schwindlig, dass er für viele Fans nur der «Zauberzwerg» ist. Sein Gesamtpaket überzeugt derart, dass er in München bei den Bayern einen VierjahresVertrag erhalten hat.

Shaqiri beantwortet Fragen der Journalisten im Poljud Stadion in Split, Kroatien. (Bild: Keystone)
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Xherdan Shaqiri (links) hört den Anweisungen von Bayern-Trainer Jupp Heynckes zu. (Bild: Keystone)
Shaqiri (rechts) in Beijing, China, gegen Yang Yun. (Bild: Keystone)
Shaqiri (mitte) im Training von Bayern München. Vor ihm ist Franck Ribery. (Bild: Keystone)
Shaqiri (links) mit Anatoliy Tymoshchuk (mitte) und Diego Contento. (Bild: Keystone)
Ein Mannschaftsphoto der 1. Mannschaft des FC Bayern München mit Shaqiri (2. von links vordere Reihe). (Bild: Keystone)
Xherdan Shaqiri (rechts) und Franck Ribery (links) im Duell gegen Heiko Westermann vom HSV. (Bild: Keystone)
Shaqiri (mitte) freut sich über den Gewinn des deutschen Supercups mit dem FC Bayern. (Bild: Keystone)
Xherdan Shaqiri (rechts) vor dem Länderspiel gegen Kroatien. Links im Bild ist Granit Xhaka und in der Mitte Gökhan Inler. (Bild: Keystone)
Shaqiri gibt dem Schweizer Fernsehen ein Interview. (Bild: Keystone)
Xherdan Shaqiri (rechts) an der Pressekonferenz im Vorfeld des Spiels gegen Kroatien vom 15. August. (Bild: Keystone)
Der 20-Jährige posiert im Stadion von Hayduk Split. (Bild: Keystone)

Shaqiri beantwortet Fragen der Journalisten im Poljud Stadion in Split, Kroatien. (Bild: Keystone)

Warum aber ist Shaqiri so beliebt? Shaqiri ist nicht nur Fussballer. Shaqiri ist ein Lifestyle-Produkt. Die Trend-Frisuren sind von langer Hand geplant. Modisch ist er auf der Höhe. Klar, schliesslich begann er einmal eine Lehre als Modeverkäufer. Und immer mal wieder überrascht er mit schmucken Accessoires. Es sind solche Eigenschaften, die Shaqiri über Fussball-Liebhaber hinaus interessant machen. Kürzlich widmete ihm die Frauenzeitschrift «Annabelle» ein fünfseitiges Porträt.

Darüber hinaus ist Shaqiri der Musterausländer, der sich in der Schweiz perfekt integriert hat, der auch einmal sagt, er müsse sich schämen, wenn er sehe, was andere Kosovo-Albaner für «Seich» machen, der stolz ist auf seine neue Heimat.

Aber ähnelt Shaqiri auch einem typischen Schweizer? Eben gerade nicht. Shaqiri besitzt einen Charakter, der so gar nicht an einen Schweizer erinnert. Selbstbewusst ist er, draufgängerisch manchmal. Er sagt, was er denkt, etwas vorlaut manchmal. Und, er fürchtet sich nicht vor Herausforderungen.

Bei den Bayern hat er mit Robben, Ribéry und Müller drei Weltklasse-Spieler vor der Nase. Na und? Dann setzt er sich eben gegen diese Weltklasse-Spieler durch. So denkt Shaqiri. Und er vermittelt dieses Denken, diese unbeschwerten Charakterzüge, die viele Schweizer so gerne hätten, als typische Eigenschaften der Eidgenossen in die Welt hinaus – er verbessert also unser aller Image.

Die neue Rolle im Nationalteam

Im März 2010 bestritt Shaqiri gegen Uruguay (1:3) sein erstes Länderspiel für die Schweiz. An der WM in Südafrika durfte er immerhin einmal auflaufen. Es kam die Qualifikation zur EM 2012. Shaqiri gehörte zu den Spielern, auf die Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld nach dem Umbruch setzte. Shaqiri verzauberte die Schweiz mit einem Sensations-Tor gegen England. Gegen Bulgarien schoss er seinen ersten Hattrick.

Jetzt, zwei Jahre später, ist die Ausgangslage eine andere. Shaqiri ist nicht mehr der «Neue», sondern der Bayern-Star, der Hoffnungsträger der Schweiz. «Ich bin mir bewusst, dass ich fussballerisch einen grossen Schritt gemacht habe», sagt Shaqiri, «ich spiele jetzt in einer Top-Liga bei einem Top-Verein.» Und trotzdem betont er: «Ich gehöre nach wie vor zu den Jungen.» Das stimmt. Doch seine veränderte Rolle dringt im Gespräch dennoch je länger, je mehr durch. «Ich versuche, die nachrückenden, jungen Spieler an der Hand zu nehmen und ihnen bei der Integration zu helfen.» Das tut kein Mitläufer.

Ottmar Hitzfeld ist überzeugt davon, dass sich Shaqiri bei den Bayern durchsetzt. «Klar ist es neu für ihn, nicht zur Stammelf zu gehören. Aber er lauert direkt dahinter und stellt Ansprüche.» Für diese Rolle sei Shaqiri geeignet – im Gegensatz zu Lukas Podolski beispielsweise, sagt der Nationaltrainer. Hitzfeld erkennt sogar Vorteile von Shaqiris neuer Ausgangslage im Verein. «Er spielt auf vielen verschiedenen Positionen, das kann eine Waffe sein für uns, um die Gegner zu überraschen.»

Und für Shaqiri die Gelegenheit, die Schweiz weiter zu verzaubern.

Etienne Wuillemin/az