Champions League: Die AS Roma hat einen neuen Francesco Totti

Romas Nicolo Zaniolo ist innerhalb von wenigen Monaten zum Jungstar gereift. Auch beim heutigen Rückspiel im Achtelfinal der Champions League gegen den FC Porto steht der 19-Jährige im Fokus.

Lukas Plaschy, Rom
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Nicolo Zaniolo bejubelt eines seiner beiden Tore aus dem Hinspiel. (Bild: KEY)

Nicolo Zaniolo bejubelt eines seiner beiden Tore aus dem Hinspiel. (Bild: KEY)

Mit seinen beiden Toren im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League vor drei Wochen wurde Nicolo Zaniolo zum jüngsten ­italienischen Spieler, der je in ­diesem Wettbewerb doppelt traf. Der 2:1-Heimsieg gegen Porto beschert der AS Roma eine gute, wenn auch nicht optimale Ausgangslage. Zumal die Stimmung bei den Römern nach dem mit 0:3 verloren gegangenen Stadtderby vom vergangenen Samstag gegen Lazio im Keller ist. In der Hauptstadt redet man bereits vom ehemaligen Basel-Coach Paulo Sousa als Nachfolger von Trainer Eusebio Di Francesco, sollte in der Champions League heute Abend das Aus erfolgen.

Dabei verdankt Zaniolo seine Entwicklung zum grossen Teil Di Francesco. Dieser ermöglichte ihm im vergangenen September gegen Real Madrid das Début in der Champions League, ohne zuvor eine Minute in der Serie A gespielt zu haben. Dass der Junge aus dem toskanischen Massa ein Auserwählter, ein «Predestinato», ist, erkannte vor Di Francesco bereits Italiens Nationaltrainer Roberto Mancini. Dieser sah Zaniolo an der U19-EM in Portugal, wo die Italiener hinter dem Gastgeber Zweite wurden. Das genügte Mancini, um Zaniolo für die Spiele der Nationalmannschaft in der Nation League zu selektionieren. Rückblickend sagt Mancini: 

«Viele hielten mich damals für verrückt, einen Unbekannten aufzubieten. Doch mir scheint, ich hatte recht.»

Den Marktwert verzehnfacht

Das Vertrauen seiner Mentoren zahlt Zaniolo täglich zurück. So meint Di Francesco: «Zaniolo spielt so, wie er trainiert.» Er gilt als Musterprofi – und das mit Jahrgang 1999. Keine Mätzchen auf dem Spielfeld, keine extravaganten Jubelposen. Zum Training fährt ihn Mama Francesca. Denn Zeit zum Fahrunterricht hat Zaniolo momentan keine. Tattoos hat er zwar mehrere und auch eine Schwäche für soziale Netzwerke. Aber das gehört heute zum Zeitgeist. Bis vor kurzem hatte seine Mutter gar mehr Follower. Mit jedem Tor werden es aber auch bei ihrem Sohn mehr.

Parallel dazu steigt sein Marktwert. Aktuell sind es über 45 Millionen Franken. Dabei gehörte Zaniolo im vergangenen Sommer zum Paket, dass Inter Mailand zusammen mit rund 27 Millionen an die Roma für dessen belgischen Mittelfeldhaudegen Radja Nainggolan überwies. Die Transferrechte des un­bekannten Zaniolo wurden mit knapp 5 Millionen Franken bewertet. Die Anhänger der Römer protestierten wochenlang in den lokalen Sportradios und sozialen Netzwerken gegen den Verkauf von Publikumsliebling Nainggolan. Aber Zaniolo, dessen Vater Igor als Stürmer in der Serie B ebenfalls Profi war, gelang es, sich innerhalb kurzer Zeit in die Herzen der Fans zu spielen.

Eine neue Trikotnummer winkt

Seine Dribblings, Assists und bisher fünf Tore sind die raren Lichtblicke einer bisher durchzogenen Saison des dreifachen Meisters. Sportdirektor Monchi wird sich bald mit Zaniolos Entourage zwecks Gehaltsaufbesserung und Vertragsverlängerung bis 2024 zusammensetzen. Denn Spieler wie Zaniolo, welche Technik, Übersicht und viel Wasserverdrängung mitbringen, sind auf dem Markt rar. Dazu zeigt er für einen 19-Jährigen mit 17 Serie-A-Spielen eine unglaubliche Abgebrühtheit und Ruhe vor dem Tor.

Viele Experten vergleichen ihn mit Clublegende Francesco Totti. Zaniolos optimale Position ist die eines Spielmachers hinter den Sturmspitzen. Momentan lässt ihn Di Francesco aber auf dem rechten Flügel agieren. Der Anhang überlegt sich derweil ernsthaft, ob Zaniolo, der derzeit mit der Rückennummer 22 aufläuft, nicht bald die Nummer 10 bekommen soll. Diese ist seit Tottis Rücktritt verwaist.