In der Serie A ist plötzlich alles anders

Am Samstag gibt Cristiano Ronaldo sein Debüt für Titelverteidiger Juventus Turin. Der Superstar soll den Serienmeister zum Champions-League-Sieg führen und dem Club weltweit mehr Beachtung verschaffen.

Lukas Plaschy, Rom
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Allgegenwärtig in den Strassen von Turin: Superstar Cristiano Ronaldo. (Bild: Di Marco/EPA (12. August 2018))

Allgegenwärtig in den Strassen von Turin: Superstar Cristiano Ronaldo. (Bild: Di Marco/EPA (12. August 2018))

Chievo Verona darf als Erster vom «Ronaldo-Effekt» profitieren. Der kleine Vorortsclub aus Verona eröffnet heute um 18 Uhr die neue Saison gegen Juventus Turin. Chievos Heimspielstätte, das 39000 Zuschauer fassende «Marcantonio Bentegodi», in dem sich im Durchschnitt sonst etwa 10000 Anhänger versammeln, ist seit Wochen ausverkauft. Niemand will Cristiano Ronaldos offizielles Pflichtspieldebüt in der Serie A verpassen. Und dies trotz um fast 50 Prozent gestiegener Ticketpreise.

Auch in Ronaldos neuem Wohnzimmer, dem «Allianz Stadium», müssen die Tifosi im Schnitt nun 30 Prozent mehr bezahlen. Schliesslich müssen die 100 Millionen Euro amortisiert werden, welche die Bianconeri im Juli lockergemacht hatten, um den portugiesischen Superstar aus seinem Vertrag bei Real ­Madrid herauszukaufen.

Eine gigantische Werbemaschine

Eigentlich eine wahnwitzige Summe für einen bereits 33-Jährigen und ein risikoreicher Kraftakt für die «Vecchia Signora», welche Ronaldo in den nächsten vier Saisons jährlich 30 Millionen Euro an Salär überweisen muss. Die Clubleitung um Präsident Andrea Agnelli will mit den Toren des Mittelstürmers endlich wieder die begehrte Champions-League-Trophäe ins Piemont ­holen. National seit 2011 ohne ernsthafte Konkurrenz, warten die Turiner seit 1996 auf einen Triumph in der Königsklasse.

Laut einer Studie von «Calcio e finanze» steigert Juventus seine Werbeeinnahmen mit Ronaldo im Portfolio um mindestens 30 Prozent. Zusammen mit dem Plus aus den höheren Eintrittspreisen würden damit bereits fast 50 Millionen Euro an Mehreinnahmen resultieren. Das Label «CR7» ist eine gigantische Werbemaschine. Ronaldos 320 Millionen Follower auf Facebook, ­Instagram und Twitter machen ihn zum stärksten Influencer der Welt und damit zum perfekten Botschafter für den 34-fachen italienischen Meister. So verzeichnet der 1897 gegründete Traditionsverein alleine im Monat Juli über 36 Millionen Abrufe auf Youtube und lag damit vor Barcelona, Real Madrid und Liverpool.

Eigener TV-Kanal für Ronaldo

Der Ronaldo-Hype erfasste auch den hauseigenen, übers Internet zu empfangenden Bezahlsender Juventus TV. Dieser hat bei seinen «On demand»-Angeboten einen eigenen Kanal extra für die Berichterstattung rund um Ronaldo reserviert. In diesem Sog liess sich die Konkurrenz ebenfalls zu grösseren Investitionen hinreissen. Allen voran die Roma (113 Millionen Euro), Napoli (96 Millionen) und das wiedererstarkte Inter (86 Millionen Euro). Insgesamt gaben die 20 Clubs der Serie A über eine Milliarde Euro für neue Spieler aus. Nur die englische Premier League mit 1,4 Milliarden zeigte sich spendabler.

Trotz viel Licht gibt es aber auch Schatten. Ein neuer TV-Vertrag mit dem spanischen Unternehmen Mediapro sollte den Clubs in der Periode 2018–2020 jeweils 1,1 Milliarden Euro pro Saison garantieren. Der Deal scheiterte in extremis, und die Rechte mussten neu ausgeschrieben werden. Nun bezahlen der bisherige Rechteinhaber SKY sowie der auch in der Schweiz empfangbare Sportkanal DAZN bloss 973 Millionen Euro pro Saison für die Ausstrahlung der total 380 Live­spiele. Im Vergleich erhält die französische Ligue 1 ab 2020 1,15 Milliarden Euro pro Spielzeit. Neu wird zudem an drei Tagen gespielt. Dreimal am Samstag (15 Uhr, 18 Uhr und 20.30 Uhr), sechs Spiele am Sonntag (zwischen 12.30 Uhr und 20.30 Uhr) sowie ein Montagabendspiel. Kritiker sprechen deshalb verächtlich vom «Calcio spezzatino» (wörtlich Fussballhackfleisch).

Der heisse Sommer war des Weiteren von einigen Ungereimtheiten bei diversen Clubs geprägt. So riskierte etwa Serie-A-Aufsteiger Parma gleich wieder die Relegation wegen Sportbetrugs. Erst in zweiter Instanz wurde das Strafmass auf eine Geldbusse reduziert.

Und Chievo Verona wäre um ein Haar nicht zum «Pas de deux» mit Ronaldo gekommen, weil die Bilanzen des Vereins ­offensichtlich gefälscht worden waren. Das Verfahren wurde sistiert, weil der Staatsanwaltschaft ein Formfehler unterlaufen war.

1. Runde. Heute, 18.00: Chievo Verona – Juventus Turin. – 20.30: Lazio Rom – Napoli. Sonntag, 18.00: Torino – AS Roma. – 20.30: Parma – Udinese, Empoli – Cagliari, Sassuolo – Inter Mailand, Bologna – Spal Ferrara. Montag, 20.30: Atalanta Bergamo – Frosinone.

Bemerkung: Nach dem Einsturz der Autobahnbrücke in Genua vom Dienstag, der mindestens 38 Todesopfer forderte, wurden die für Sonntag, 20.30 Uhr anberaumten Partien Sampdoria Genua – Fiorentina und Milan – Genoa auf unbestimmte Zeit verschoben.