Super League
Der Respekt ist weg: Viele derbe Sprüche prasseln auf den FC Basel ein

Die Tumulte rund um den Klub und die sportliche Krise führen dazu, dass der FC Basel von der Fussballschweiz belächelt statt gefürchtet wird. Und jetzt kommt ausgerechnet das beste Team der Rückrunde ins Joggeli.

Jakob Weber
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Wird von vielen Fans etwas respektlos nur noch Schreihals genannt: Trainer Ciriaco Sforza.

Wird von vielen Fans etwas respektlos nur noch Schreihals genannt: Trainer Ciriaco Sforza.

Bild: Freshfocus

Normalerweise ist die Favoritenlage klar, wenn der FC Luzern im Joggeli spielt. In den letzten elf Gastspielen holte der FCL bei einem Torverhältnis von 28:9 für den FC Basel nur zwei mickrige Punkte. Doch diesmal ist alles anders.

Der FCB hat seit sieben Spielen nicht mehr gewonnen. Auf dem Platz wirkt er planlos und neben dem Platz ist die Stimmung aufgeheizt wie nie zuvor. Zum Spiel gegen Luzern werden trotz Pandemie und Versammlungsverbot tausende Fans erwartet, die rund ums Stadion gegen die Verkaufspläne von FCB-Eigentümer Bernhard Burgener protestieren. Die Polizei wird der mit Flyern und Bannern stark umworbenen Versammlung, die mittlerweile bewilligt ist, ein Grossaufgebot entgegenstellen. Der Ausgang dieser Demo ist ebenso offen, wie die Zukunft des früheren Serienmeisters. «Unser FCB steht an einem Scheideweg», schreibt die Muttenzerkurve. Die Proteste in den letzten Tagen zeigen, wie weit die Entfremdung zwischen Basis und Klubführung fortgeschritten ist. Die Angst der Fans, dass ihr geliebter FCB unter Burgener weiter an Identität verliert, ist riesig.

Am Samstag wird ein grosser Fanaufmarsch erwartet.

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Auf der Gegenseite steht ein FC Luzern in Topform. Das beste Team der Rückrunde gewann unter der Woche auch im Cup in Chiasso und könnte mit einem Sieg in der Saisontabelle am FCB vorbeiziehen. Beim Wettanbieter Sporttip ist die Quote für einen Heimsieg des FCB besser als die für einen Auswärtssieg Luzerns. Und auch die «Luzerner Zeitung» schreibt in ihrer Vorschau: «Die Zeichen für einen Auswärtssieg stehen gut.»

Sowieso ist auffällig, dass der FCB durch den sportlichen Niedergang an Respekt verloren hat. Das zeigen die Aussagen der Gegner nach den Spielen. So sagte Sions Jan Bamert nach dem 2:2 zum Rückrundenauftakt: «Wenn wir zwei Halbzeiten so spielen, gewinnen wir das Spiel.» Zürichs Yanick Brecher präsentierte nach dem 2:0-Sieg im Letzigrund stolz den einfachen aber erfolgreichen Matchplan: «Wir wussten, dass es für Basel schwierig wird, wenn wir die Räume eng machen. Genau so war es. Sie hatten keine einzige hundertprozentige Chance.» Lausannes Stjepan Kukuruzovic zeigte sich nach dem 0:0 im Joggeli enttäuscht: «Der Punkt war zu wenig, denn Chancen hatten wir genug.» Bei St. Gallens Kwadwo Duah wurde es nach dem 3:1-Sieg dann sogar hämisch:

«Wir haben Basel auseinander genommen.»

YBs Fabian Lustenberger analysierte nach dem 1:1: «Wir waren dominant und haben mehr fürs Spiel gemacht.» Doch vor allem die Aussage von Servettes Jeremy Frick am vergangenen Samstag zeigt, dass der Stellenwert des FC Basel in der Liga stark gesunken ist. Denn statt sich über das 2:1 seiner Genfer zu freuen, ärgert sich der Goalie über das späte Gegentor und schnaubt: «Basel hat nichts gemacht heute. Niemand sagt hier irgendetwas, wenn wir 4:0 gewinnen.»

Sforza würde seinen Spielern die Meinung geigen

Ciriaco Sforza stören solche Aussagen. Auf die Zitate angesprochen sagt er: «Wir haben Respekt vor jedem Gegner. Wenn ich so etwas von meinen Spielern hören würde, würde ich ihnen sagen, dass das nicht geht.» Auch die in einem Interview im «TagesAnzeiger» geäusserte Kritik von Luzern-Trainer Fabio Celestini an Neo-FCB und Ex-FCL Stürmer Darian Males verurteilt Sforza: «Ich finde es nicht ok, dass er sich zu Spielern äussert, die nicht beim FCL unter Vertrag stehen.»

Freche Aussagen ist man beim FCB nicht gewohnt. Doch sie sind aufgrund der gezeigten Leistungen in den letzten Wochen auch nicht überraschend. In keinem Spiel konnte der FCB restlos überzeugen. Gegen YB stimmte der Einsatz, doch auch die von Sforza immer wieder geforderte Leidenschaft konnte das Team nur selten auf den Platz bringen. Zwar betont Sforza am Freitag, dass er zuversichtlich sei, dass der FCB Ende Saison auf einem Platz steht, mit dem alle zufrieden sind. Doch mit einer weiteren Niederlage könnte der FCB auf Rang 7 abrutschen. Ein Fakt, der für den stolzen FC Basel noch ungewohnter wäre als die jüngsten Aussagen der Gegner.