Der richtige Trainer für den Aussenseiter

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Toben und Loben: Ambri-Trainer Hans Kossmann gelingt die Mischung. (Bild: Keystone/Jean-Christophe Bott)

Toben und Loben: Ambri-Trainer Hans Kossmann gelingt die Mischung. (Bild: Keystone/Jean-Christophe Bott)

Eine der erstaunlichsten Leistungen in dieser Eishockeysaison ist beinahe unbemerkt geblieben: Ambri hat am Dienstag auf Rang 9 vorzeitig den Klassenerhalt gesichert. In den letzten zehn Jahren ist nur einmal eine bessere Schlussklassierung erreicht worden: 2014 mit der bisher letzten Playoff-Teilnahme (7.).

Im Vordergrund steht die Frage, warum Ambri im Kampf um die letzten Playoff-Plätze gescheitert ist. Warum hat es nicht gereicht? Welche Fehler sind gemacht worden? Ein negativer Ansatz also. Dabei verdienen der Präsident, das Management, der Sportchef, der Trainer und die Spieler eine andere Analyse: Warum war die Mannschaft so konkurrenzfähig? Wie ist es gelungen, problemlos den Ligaerhalt zu ­sichern?

Die Saison 2015/16 können wir im Rückblick als eine der besten der letzten zehn Jahre einordnen. Dafür gibt es zwei Gründe. Erstens einmal ist es Präsident Filippo Lombardi gelungen, seinem Hockeyklub die Identität zurückzugeben, und zweitens hat er mit Hans Kossmann den Trainer gefunden, der zu dieser Identität passt. Ambri zelebriert diese Saison auf und neben dem Eis erfolgreich seine Rolle als gallisches Bergdorf im übermächtigen römischen Hockeyweltreich. Der Präsident hat dafür gesorgt, dass diese Aussenseiterrolle auf allen Ebenen akzeptiert und gelebt wird. Und das ist eine bemerkenswerte Leistung. Ambri musste nämlich für die Zeiten des Ruhmes – Qualifikationssieg und Playoff-Final von 1999 – büssen. Jahrelang sind diese grossen Zeiten im Gedächtnis haften geblieben und alles Sinnen und Trachten war auf eine Rückkehr dieser «Belle Epoque» ausgerichtet.

Aber in den Armen und Beinen und im Portemonnaie ist Ambri längst ein Team des unteren Tabellendrittels geworden. Es ist nicht mehr möglich, mit Talent allein Spiele zu gewinnen. Es braucht vor allem Disziplin, Leidenschaft, taktische Schlauheit, Härte und Zähigkeit. Trainer Hans Kossmann ist der perfekte Trainer für einen Aussenseiter. Weil ihm zumindest für die Dauer von zwei bis drei Jahren der Balanceakt zwischen Toben und Loben, zwischen taktischer Disziplin und kreativen Freiräumen und letztlich zwischen harter Arbeit und Spass gelingt.

Sein Vorgänger Kevin Constantine war zu stur und zu hart. Serge Pelletier zu weich und zu intellektuell. Wir können es polemisch auch so sagen: aus Zugs Talent und Ambris Leidenschaft hätte man diese Saison ein Meisterteam bauen können. Womit wir nicht etwa behaupten, Zug würde mit Hans Kossmann an der Bande die Halbfinals erreichen.

Die Versuchung ist nun gross, Ambris knappes und dramatisches Scheitern einer Laune der Hockeygötter zuzuschreiben. Dem fehlenden Glück. Doch so war es eben nicht. Ganz im Gegenteil: Weil Ambri Glück hatte, durfte es bis zum zweitletzten von 50 Qualifikationsspielen auf die Playoffs hoffen. Die Mannschaft ist abgesehen von einer kurzen Phase im Januar weitgehend von Verletzungspech verschont geblieben, auf der Schlüsselposition des Torhüters sogar ganz.

Für Ambri ist es wichtig zu erkennen, dass diese Saison beinahe optimal gelaufen ist, dass die Substanz nur unter günstigen Umständen ausreicht, um ein Playoff-Kandidat zu sein und dass ein 10. Platz ein sehr gutes Resultat ist. Eine nüchterne Analyse kann nur zu Realismus, ja Demut führen. Die Annahme, es hätte doch noch viel besser laufen können und die Forderung, mit dieser Mannschaft müsse man nächste Saison um die Playoffs spielen, wäre der Hochmut vor dem Fall in die Playouts oder gar in die Ligaqualifikation.

Bescheidenheit ist also wichtig und der HC Ambri-Piotta muss sich gar nicht kleinmachen. Er ist nominell gar nicht so gross.