Kommentar

Der sanftmütige «Wolf»

«Ein Mann mit einem milden Herzen, der aber auch mal knorrig etwas in seinen Bart murmeln konnte.» Wen immer man aus dem Umfeld des am Montag verstorbenen Paul Wolfisberg fragt – die Antwort ist sinngemäss stets dieselbe.

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1960: FCL-Legende Paul Wolfisberg stemmt nach dem Cupsieg den Pokal in die Höhe.
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1981: Paul Wolfisberg feiert als Nationaltrainer mit Spieler Gianpietro Zappa den 2:1-Sieg in der WM-Qualifikation gegen England.
1993: Paul Wolfisberg ist für kurze Zeit Trainer des FC Luzern.
2001: Aufnahme im Restaurant Barbatti.
2004: Am Eidgenössischen Schwingfest in Luzern mit Schwingerkönig Ruedi Hunsperger (links).
2009: Stadionrundgang im alten Allmend-Stadion. Rechts im Bild: Kudi Müller.
2012: Paul Wolfisberg blättert in seiner Biographie «Der Wolf». Links im Bild: Friedl Rausch, rechts Ruedi Gutendorf.
2015: Paul Wolfisberg mit dem ebenfalls verstorbenen Köbi Kuhn und Martin Andermatt.
2016: Paul Wolfisberg (links) zusammen mit Karl Odermatt.
2019: Drei FCL-Legenden (von links): Walter Stierli, Paul Wolfisberg und Romano Simioni.
2020: Paul Wolfisberg wurde im Juni 87-jährig.
2020: Paul Wolfisberg bei sich zu Hause auf dem Hometrainer.

1960: FCL-Legende Paul Wolfisberg stemmt nach dem Cupsieg den Pokal in die Höhe.

Archiv

Wolfisberg war schon zu Lebzeiten eine Legende des Schweizers Fussballs. Während seiner Zeit als Nationaltrainer wurden seine Spieler «die Wölfe» gerufen, und der Leit-«Wolf» prägte auch den Ausdruck «Abbruch-GmbH» – damit war die hart verteidigende Abwehrreihe um Andy Egli, Heinz Lüdi und Co. gemeint. Für den Zentralschweizer Fussball bleibt Wolfisberg sowieso als eminent wichtige Persönlichkeit in Erinnerung. Der sanftmütige Horwer war verantwortlich für historische Vereinserfolge beim FC Luzern, beim SC Kriens und auch in Buochs.

Sportredaktor Turi Bucher.

Sportredaktor Turi Bucher.

Bild: Nadia Schärli / Luzerner Zeitung

Legendär sollen auch Wolfisbergs Teamsitzungen vor den Spielen gewesen sein. Sie waren weniger von der Taktik, vielmehr von Menschlichkeit geprägt. Überliefert ist ein Beispiel, als ein Spieler sich nach der Taktik erkundigte und vom Trainer die Antwort erhielt: «Ihr habt im Mittelfeld genug intelligente Leute, organisiert euch selber.»

Umberto Foschini, ehemaliger FCL-Spieler und Cupsieger mit dem FC Zürich, kümmerte sich in den vergangenen Jahren zusammen mit seiner Frau Uschy praktisch rund um die Uhr um die Belange und um das Wohlbefinden von Wolfisberg. Foschini weiss deshalb zu berichten, dass Wolfisberg in den letzten Wochen vor seinen Ableben noch ziemlich aktiv war. So verlangte «Wolf» Anfang August bei über 30 Grad Hitze danach, ein Fondue im Luzerner Restaurant Fritschi zu verköstigen. Auch unternahm Wolfisberg noch eine Schifffahrt von Luzern nach Flüelen, genoss fünf Stunden auf dem Vierwaldstättersee, um danach mit dem Taxi heim nach Horw zu fahren. Und im Cup-Viertelfinal-Heimspiel gegen YB erlebte er nochmals seinen FCL.

Stolz erzählte Paul Wolfisberg bei einem seiner letzten Besuche eines Heimspiels des SC Kriens, dass er nun sogar einen Urenkel habe, dass er Urgrossvater sei. Dann fügte er, realisierend, wie die Zeit vergangen war, etwas klagend, etwas resignierend an, dass sein Wirken, seine Person halt in Vergessenheit geraten sei.

Verspätet, erst jetzt erlaube ich mir, Dich höflich zu korrigieren, Paul. Wir werden Dich nie vergessen.

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