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Der Sonnenkönig von Paris

Rafael Nadal hat das French Open in seiner Karriere bereits zehnmal gewonnen. Es fragt sich, welcher Spieler den Spanier in den kommenden zwei Wochen an seinem nächsten Triumph hindern soll.
Jörg Allmeroth, Paris
Holt Rafael Nadal seinen elften Titel am French Open? Bild: Claude Diderich/Freshfocus (Paris, 25. Mai 2018)

Holt Rafael Nadal seinen elften Titel am French Open? Bild: Claude Diderich/Freshfocus (Paris, 25. Mai 2018)

Für Zocker spielt der Mann keine Rolle, der Roland Garros seit mehr als einem Jahrzehnt wie ein Sonnenkönig beherrscht. Mit Rafael Nadal (31) ist am Wettschalter kein Geld zu machen. Wer auf ihn, den zehnmaligen French Open-Triumphator setzt, kriegt derzeit nicht mal die Hälfte seines Einsatzes als Gewinn zurück. Nadals Quote steht bei 1:1,4 Euro, dann folgt mit gemessenem Abstand Deutschlands Ass Alexander Zverev (1:8) – und dann noch der dynamische Österreicher Dominic Thiem (1:10). Dass die Nummer 2 und Nummer 3 unter den Buchmacher-Favoriten schon diese verlockenden Quoten erhalten, zeigt, wie überragend die Position des bulligen Mallorquiners eingeschätzt wird. Um im Bild des Sonnenkönigs zu bleiben: Nadal steht für Absolutismus im Sand von Paris. Die French Open – das ist er, der Matador, der glühende Fighter. Der Mann, der 79 seiner 81 Partien im Westen der französischen Hauptstadt gewonnen hat. Der keineswegs altersmüde Strassenkämpfer, der voriges Jahr sogar ohne Satzgewinn zum mythischen zehnten Titel rauschte. «Paris war immer gut zu mir. Es ist ein besonderer Schauplatz. Ein Ort wie kein zweiter für mich», sagt Nadal gegenüber unserer Zeitung.

Kein Spieler in der Tennisgeschichte hat bei einem Grand Slam-Turnier eine vergleichbare Dominanz ausgeübt wie Nadal in Paris. Mit dem Deutschen Lars Burgsmüller begann sein fast ungehinderter Triumphzug, in der ersten Runde der Französischen Meisterschaften 2005. Nadal kam, sah und siegte damals, als 17-jähriger Teenager. Und er siegte immer weiter, gegen alle Grossen und Starken, unbarmherzig auch gegen Roger Federer, den er zwischen 2006 und 2008 drei Mal hintereinander in den Endspielen distanzierte. Ein unwahrscheinlicher Bezwinger kam 2009, der Schwede Robin Söderling im Achtelfinal, es ist bis heute der einzige Ausrutscher des Stierkämpfers Nadal, den sie in Paris auch etwas despektierlich den «Kannibalen» nennen. Ein Jahr nach dem erstaunlichen Knockout nahm Nadal Revanche, er bezwang Söderling im Final, und die nächste Siegesserie begann. Oft war Nadal in den späten Jahren seiner Karriere verletzt, sass an der Seitenlinie, aber in Paris blieb er ein Gigant – nur Novak Djokovic besiegte ihn noch einmal, im Juni 2016. Der Rest: Siege, Siege, Siege von Nadal. «Es ist ein Bild voll Perfektion, die Jahre von Nadal in Paris», sagt Yannick Noah, der letzte Franzose, der vor 35 Jahren beim Heimspiel unterm Eiffelturm den Pokal in den Händen hielt.

Ein Weltmeister der Vorsicht

Zehnmal hat sich das Rätselspiel in Paris, wer von 128 Profis den Höhepunkt der zermürbenden Sandplatzsaison gewinnt, in der Person Nadals aufgelöst. «Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass gerade bei diesem Turnier ein Spieler so oft gewinnen kann», sagt Rod Laver. Tatsächlich galten Björn Borgs sechs Siege in den 70er und 80er Jahren als unüberwindliche Marke, doch Nadal radierte diesen Rekord für die Profiära scheinbar nach Belieben aus. 2019 könnte er sogar ein Dutzend Paris-Titel auf seinem Konto haben. Schon «La Decima», die zehn Triumphe, waren eine magische Errungenschaft, zumal mit dem Durchmarsch des letzten Jahres ohne Satzverlust. Denkwürdig beschloss der Matador im Final 2017 seine Kampagne. Gegen den damaligen Weltranglisten-Dritten Stan Wawrinka schrieb Nadal eine 6:2, 6:3, 6:1-Deklassierung in die «terre battue» fest, in die rote Ziegelmehlasche. Jetzt tritt Nadal an, um sich Pokal Nummer elf abzuholen. Und wer kann ihn überhaupt verhindern, den Alleingang von Nadal? Er selbst würde diese rhetorisch gemeinte Frage ernst beantworten, er ist schliesslich bekannt als Weltmeister der Vorsicht. «Ich habe Respekt vor jedem Gegner. Wenn ich nicht wachsam und konzentriert bin, ist alles schnell vorbei für mich», sagt er. Nur einer hat ihn in der Sandplatzsaison schlagen können, der Österreicher Dominic Thiem in Madrid. Aber als Thiem den Spanier letztes Jahr einmal hoffnungsfroh im Halbfinal von Roland Garros herausforderte, erlebten die Fans Einbahnstrassen-Tennis.

Nadal geht als Nummer 1 der Weltrangliste und der Setzliste in die Grand Slam-Festivitäten. Das hatten ihm viele nicht zugetraut, als die Sandplatzsaison begann. Nadal wird gern mit Zweifeln belegt, mit Vermutungen, er könne diese Dominanz nicht aufrechterhalten. Wieder strafte er alle Lügen. Nun geht es los mit der nächsten Titeljagd, mit dem wichtigsten Turnier des Jahres für ihn. «Es wäre ein Traum, zu gewinnen», sagt er. Ein Traum, den er nicht müde wird zu träumen. Alle Jahre wieder.

Die Startspiele der Schweizer: Stan Wawrinka (23) – Guillermo Garcia-Lopez (ESP). Belinda Bencic – Deborah Chiesa (ITA/Q). Stefanie Vögele – Lesia Zurenko (UKR). Viktorija Golubic (SUI/Q) – Caroline Dolehide (USA/Q).

Weitere Erstrunden-Matches. Männer: Rafael Nadal (ESP/1) – Alexander Dolgopolow (UKR). Alexander Zverev (GER/2) – Ricardas Berankis (LTU). Marin Cilic (CRO/3) – James Duckworth (AUS). Grigor Dimitrov (BUL/4) – Viktor Troicki (SRB). Juan Martin Del Potro (ARG/5) – Nicolas Mahut (FRA). Kevin Anderson (RSA/6) – Paolo Lorenzi (ITA). Dominic Thiem (AUT/7) – Ilja Iwaschka (BLR/Q). David Goffin (BEL/8) – Robin Haase (NED). Novak Djokovic (SRB/20) – Rogerio Dutra Silva (BRA/Q). – Frauen: Simona Halep (ROU/1) – Alison Riske (USA). Caroline Wozniacki (DEN/2) – Danielle Collins (USA). Garbiñe Muguruza (ESP/3) – Swetlana Kusnezowa (RUS). Jelina Switolina (UKR/4) – Ajla Tomljanovic (AUS). Maria Scharapowa (RUS/28) – Richel Hogenkamp (NED/Q). Serena Williams (USA) –Kristyna Pliskova (CZE).

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