Der Staat bestimmte die Karriere

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Der torgefährliche offensive Mittelfeldspieler galt als grösstes Talent seit den goldenen Zeiten des ungarischen Fussballs in den 1950er-Jahren. Ganz ausspielen konnte Lajos Detari, geboren am 24. April 1963, sein Können jedoch nur selten.

Dennoch ist er bei vielen seiner ehemaligen Klubs noch heute in bester Erinnerung: so zum Beispiel bei Eintracht Frankfurt, seiner ersten Station im Ausland. Für die Eintracht spielte er nur die Saison 1987/88, krönte diese aber mit dem Cupsieg. Den Siegtreffer zum 1:0 gegen den VfL Bochum erzielte Detari durch ­einen direkten Freistoss. Auch bei Xamax, wo er von 1994 bis 1996 spielte, ist er bis heute eine Legende. In Neuenburg war er 1995 auch Teamkollege des ehemaligen FCL-Stürmers Petar Aleksandrov (54). Mit ihm pflegt Detari auch heute noch Kontakt.

Das kommunistische Ungarn verdiente mit

Seine Profikarriere begann Detari bei Honved Budapest (1980–87), wo er drei Meistertitel und einen Cupsieg feiern konnte. Weitere Stationen im Ausland waren Olympiakos Piräus (1988–90), FC Bologna (1990–92), Ancona (1992/93), CFC Genua (1994) und St. Pölten (1996–98).

Detaris Wechsel als 24-Jähriger nach Frankfurt war 1987 ungewöhnlich: Starke ungarische Spieler durften damals eigentlich erst mit 30 Jahren ins westliche Ausland wechseln. Doch der kommunistische Staat konnte an Detari mitverdienen, und man erhoffte sich von Transfers jüngerer Spieler ins Ausland auch eine Stärkung der Nationalmannschaft. Für 3,6 Millionen Mark wechselte er nach Frankfurt, offiziell wurde er bloss ausgeliehen. Das Geld ging an den ungarischen Verband, ebenso wie ein Teil seines Gehalts.

Auch den nächsten Wechsel nach Piräus hatte der ungarische Staat – in Absprache mit der stark verschuldeten Eintracht – eingefädelt. Für die damalige Bundesliga-Rekordsumme von 18,5 Millionen Mark ging Detari nach Griechenland, zum finanziellen Vorteil von Staat und Verein. «In dieser Zeit hat mich niemand gefragt. Ich konnte nicht machen, was ich wollte», sagte er in einem Interview mit dem Fussball­magazin «11 Freunde».

Der Traum von Juventus Turin

Geträumt habe er damals von Juventus, mit den Turinern habe er auch Gespräche geführt. «Das war ein Traum, der leider nicht in Erfüllung ging, weil das Geld die grössere Rolle gespielt hat.» Rückblickend bewertet er seine Karriere positiv: «Ich bin glücklich und mit mir im Reinen.» Aber: «Natürlich, mit ein bisschen Glück hätte alles eine andere Wendung nehmen können.»

Als Trainer war Detari für zahlreiche Klubs tätig. 2002/03 gar beim damaligen vietnamesischen Erstligisten LG-AC Ha Noi. Hauptsächlich hatte er aber Engagements in Ungarn. So in der Saison 2011/12 beim Rekordmeister Ferencvaros Budapest. Möchte er als Trainer nicht auch einmal in einer grossen ausländischen Liga arbeiten? «Ich lebe in Ungarn», sagt der derzeit vereinslose Detari. «Und aus Ungarn holt kaum jemand einen Trainer etwa nach Italien. Dafür müsste ich wohl umziehen.» (ca)