Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Nico Siegrist: Der SC-Kriens-Star spricht – ein letztes Mal

Der SC Kriens empfängt am Dienstag (Kleinfeld, 20 Uhr) den FC Aarau. Kriens hofft wieder auf einen Treffer des besten Torschützen Nico Siegrist (27).
Turi Bucher
Kriens ist sein fussballerisches Daheim: Nico Siegrist. (Bild: Eveline Beerkircher, Kriens, 25. Oktober 2018)

Kriens ist sein fussballerisches Daheim: Nico Siegrist. (Bild: Eveline Beerkircher, Kriens, 25. Oktober 2018)

Dieser Text hat womöglich etwas Exklusives. Denn vor dem Duell am Dienstag zwischen dem SC Kriens und dem FC Aarau (20 Uhr) sagt der Krienser Offensivspieler Nico Siegrist (27), mit 15 Toren der aktuelle Torschützenleader der Liga: «Das ist definitiv mein letzter Medientermin in dieser Saison.»

Wie bitte? Ein Aprilscherz? «Nein,» sagt Siegrist, «es reicht jetzt. Es liegt nicht an der Zeit, nicht am Aufwand. Aber was es über mich zu sagen gibt, habe ich alles schon gesagt. Es ist inzwischen repetitiv, ja langweilig.»

Ein bisschen selber schuld ist er ja schon. Er steigt mit Kriens in die Challenge League auf und schiesst in 26 Spielen einfach mal 15 Tore, gibt dazu die letzten Pässe zu 10 weiteren von total 38 Krienser Treffern. Klar, ist er darum der gefragteste Mann beim SCK. Auch wenn es die Krienser nicht gerne hören, denn Stars wollen sie eigentlich keine im Team: Siegrist ist der Star, der einzige zwar, aber umso heller leuchtend.

Ein bisschen Verständnis muss man Siegrist aber auch entgegenbringen. Er hat in den vergangenen Monaten immer wieder betont, dass er mit dem Profifussball abgeschlossen habe. Aber die Anzahl der Medienanfragen – ob Teleclub, «Blick» oder ... wir – dürfte unterdessen höher sein als jene beim zweitbesten Super-League-Topskorer Dejan Sorgic (FC Thun, 24 Spiele/15 Tore/4 Assists), der übrigens auch einmal Kriens-Torjäger war.

Siegrist wird nie mehr in der Super League spielen

Nun, wer in der Challenge League 15 Tore erzielt, der könnte wohl auch in der Super League noch das eine oder andere Mal das Tor treffen. Schaffhausens Topskorer Miguel Castroman (18/10/3) beispielsweise wird im Sommer eine Liga weiter oben für den FC Thun spielen. Doch – Siegrist ist Siegrist und bleibt Siegrist: «Ich habe von oberklassigen Clubs gar keine Anfragen mehr erhalten», sagt er, und ergänzt gewitzt: «Ich betrachte das als Kompliment. Es scheint, sie haben mich verstanden.»

Die Medien aber, sie alle wollen Siegrist. Dieser verweist zwar darauf, dass es im Mannschaftskader des SC Kriens zahlreiche junge, hungrige Spieler gebe, die noch am Anfang ihrer Karriere stünden und auch gerne mal einen Medienauftritt hätten. «Das würde ihnen und ihrem Selbstwertgefühl gut tun.» Aber es sind halt Spieler, die – zumindest im Moment noch – nicht im Alleingang ein Spiel entscheiden, um so eindrücklich auf sich aufmerksam zu machen. Oder gibt es vielleicht einen Krienser Amateur-Akteur, der seinen Job auf dem Kunstrasen zwar nur solide ausübt, darüber hinaus aber daheim noch eine millionenschwere Briefmarkensammlung verwaltet, über die es zu berichten wert ist? Leider nein.

Ob vor dem hauchdünn verlorenen Cup-Viertelfinal gegen den FC Zürich oder bei der Vergabe der Swiss Football Awards Anfang Jahr im Luzerner KKL: Siegrist ist der gefragte Mann. Bei der Awards-Vergabe wurde Siegrist ins «Dream Team» gewählt und machte vor den Mikrofonen mit seiner pointierten Aussage das Luzerner KKL sogar einen Moment lang zum Kriens- und Kongresszentrum: «Es hat sich nichts verändert. Wir trainieren immer noch um 18.30 Uhr. Nur die Gegner haben andere Namen», hatte Siegrist auf die Frage des Galamoderators geantwortet, was sich denn beim kleinen SC Kriens seit dem Aufstieg in die Challenge League verändert habe. Stimmt aber eben nicht ganz. Denn auch das Medieninteresse an Siegrist hat sich verändert, weil seine Bedeutung in dieser Mannschaft ebenso massiv gestiegen ist.

Abfuhr für Teleclub-TV

Es ist einfach eindeutig, und das sagt auch Kriens-Trainer Bruno Berner: «Nico Siegrist ist unser wichtigster Mann. Er ist der, der Spiele entscheiden kann. Wenn es ihm auf dem Platz gut läuft, dann läuft es dem SC Kriens gut.» Der Krienser Slogan könnte auch heissen: «Siegreich mit Siegrist».

So wie im letzten Heimspiel gegen den FC Vaduz. Siegrist misslingt in diesem Spiel praktisch alles. Bis zur 87. Minute. Jetzt zeigt sich wieder einmal, wieso alle etwas von Siegrist wollen: Denn Siegrist will den Ball, bekommt ihn und vollstreckt – nun ja, so richtig professionell – zum 2:1-Sieg. Dem Teleclub-TV zeigt er dann nach dem Spiel allerdings die kalte Schulter. Vielleicht nicht gerade so brüsk, aber er erklärt dem Reporter, der mit dem Mikrofon und seinem Kameramann bereitsteht, kopfschüttelnd und entschuldigend, dass es keinen TV-Auftritt von Siegrist gebe. «Sie hatten ja schon die Spielvorschau mit mir gemacht. Das genügt.»

Mit Arroganz oder Unnahbarkeit hat das bei Siegrist nichts zu tun. Der Seklehrer, der in einem 70-Prozent-Pensum in der Seetalgemeinde Hitzkirch arbeitet, gesellt sich nach der gewonnenen Partie gegen die Liechtensteiner zu den Krienser Anhängern in die «Penaltystübli» genannte Clubbeiz und mischt sich mit einem Bier in der Hand ganz locker unters Publikum. «De Nico», sagt der eine Fan, «de Segrescht», der andere, und beide sagen sie: «Er ist ein cooler Typ.»

Aarauer Vergangenheit ist noch ganz präsent

Siegrist, der am Dienstag gegen den FC Aarau wie gewohnt im rechten Mittelfeld stürmen wird, hat aber auch eine Aarauer Vergangenheit. In der Saison 2011/12 spielte er unter Trainer René Weiler beim FCA. Was ist ihm Positives, Negatives geblieben aus der Zeit in Aarau? Positiv: «Das brüchige Brügglifeldstadion – ein Ort, wo Fussball noch so wirklich richtig gelebt wird.» Negativ: «Die Schnelllebigkeit des Fussballs, die ich innert einem halben Jahr ‹geniessen› durfte. Nach drei Wochen hiess es in der Aargauer Zeitung, ich sei der beste FCA-Transfer der letzten zehn Jahre. Ein paar Monate später war von einem ‹Missverständnis›, von ‹Schatten seiner selbst› die Rede.»

Beim SCK herrsche Vorfreude auf das neue Duell gegen den FCA, sagt Siegrist, «wobei es für Aarau um viel mehr geht als für uns. Es gibt nicht mehr so viele Spieltage, Aarau kann bei uns die Barrageteilnahme verspielen.»

Also, Nico Siegrist, können wir wirklich Anspruch darauf erheben, dass dieser Artikel hiermit der in dieser Saison insgesamt letzte von Ihnen gewährte Medientermin bedeutet? Aber was ist, … zum Beispiel, wenn Sie gegen den FC Aarau zwei, drei Tore erzielen? Siegrist: «Ja, ja, ich weiss es, wahrscheinlich kann ich dann doch wieder nicht Nein sagen.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.