«Der Trainer muss weg!»

Jeder Klub hat die Berichterstattung, die er verdient. Beispiel gefällig? Ambri-Piotta. 

Klaus Zaugg
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Krisen werden in den Medien aufgebauscht und die Trainer aus dem Amt geschrieben. Diese These ist populär. Aber ist sie auch richtig? Könnte es nicht sein, dass die Klubs die Berichterstattung haben, die sie verdienen? Den Beweis, dass ein Trainer je aus dem Amt geschrieben worden ist, gibt es nicht. Wohl aber den Beweis, dass die Klubs die Berichterstattung haben, die sie verdienen. Beispielsweise am letzten Wochenende.

Zuerst der Blick zurück. Am 28. Januar 2017 verliert Ambrì in Langnau unglücklich und unverdient 1:2 und ist mit einem Punkt Rückstand auf Gottéron Schlusslicht. Nach der Partie sagt ein einflussreicher Tessiner Chronist: «Der Hans muss weg und er ist weg!» Er hat recht. Er weiss es. Schliesslich bezieht er seine Informationen direkt aus Ambrìs Verwaltungsrat. Und tatsächlich: am nächsten Tag wird Trainer Hans Kossmann gefeuert. Dass er nicht das Problem war, zeigt sich bald: er wird mit den ZSC Lions 2018 Meister. Der Trainerwechsel hilft Ambrì nicht. Die Rettung gelingt erst in der Liga-Qualifikation gegen ein Langenthal, das gar nicht aufsteigen will.

Am letzten Samstag hat Ambrì in Langnau erneut unglücklich und unverdient 3:4 verloren und ist mit einem Punkt Rückstand auf Lugano Schlusslicht.

Der Chronist, der im Januar 2017 die Entlassung des Trainers gefordert hat, ist auch da. Freundlich befragt er Ambrìs Trainer Luca Cereda. Andächtig lauscht er den Antworten. Eine Polemik wie damals gegen Hans Kossmann ist jetzt so undenkbar, wie in einer Moschee laut das «Vaterunser» zu beten.

Aus einem Medienzirkus rund um Ambrì ist eine Medienandacht geworden. Es wird in einer mindestens so schwierigen Situation wie damals im Januar 2017 keine Trainerentlassung geben. Unser Chronist weiss es. Schliesslich bezieht er seine Informationen direkt aus Ambrìs Verwaltungsrat.

Wer hat sich seit 2017 verändert? Die Chronisten? Nein, Ambrì. Sportchef Paolo Duca, im Januar 2017 noch nicht im Amt, hat Gerüchtemacherei und Kungelei mit dem Medienzirkus intern abgestellt und für eine neue Leistungskultur und Glaubwürdigkeit gesorgt. Merke: Jeder Klub hat die Berichterstattung, die er verdient.