Schweizer Cup

Der Traum vom Double lebt: YB schlägt Sion dank zwei späten Toren und steht im Cupfinal

Die Young Boys dürfen weiter vom ersten Double seit 62 Jahren träumen. Im ersten Halbfinal des Schweizer Cups setzen sich die Berner gegen den FC Sion trotz langer Überzahl erst spät 3:1 durch.

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YB

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Keystone

Für die Young Boys hätte die Partie nach 27 Sekunden mit einem Paukenschlag beginnen können. Ein genialer Lupfer von Christian Fassnacht in den Lauf von Gianluca Gaudino eröffnete dem Heimteam praktisch mit dem Anpfiff die Möglichkeit zum 1:0, Michel Aebischers Abschluss vom Elfmeterpunkt nach Gaudinos Flanke geriet aber zu hoch. Die Szene sollte bei den Bernern den Ton für diesen Nachmittag setzen: Viele Möglichkeiten, wenig Ertrag. Erst eine späte Doublette durch die Joker Christopher Martins (90.) und und Felix Mambimbi (94.) sicherten dem Favoriten das Finalticket.

Die Gäste aus dem Wallis zeigten sich im Vergleich zu YB nur äusserst selten in der Offensive - erst gewollt, ab der 39. Minute und einer Gelb-Roten Karte gegen Christian Zock gezwungen - waren dabei aber einiges effizienter. Robert Uldrikis traf für Sion zehn Minuten vor dem Ende zum zwischenzeitlichen 1:1, nachdem Liga-Topskorer Jean-Pierre Nsame acht Minuten zuvor den vermeintlichen Dosenöffner erzielt hatte.

Bis sich die Gäste aus dem Wallis, die im diesjährigen Cup nie in den Genuss eines Heimspiels kamen, im Wankdorf ein erstes Mal in der Offensive zeigten, dauerte es geschlagene 20 Minuten. Zur ersten und zugleich grössten Chance der Sittener vor der Pause bedurfte es eines schwachen Abwehrverhaltens von Nicolas Bürgy. Der Innenverteidiger liess sich in der 22. Minute vom Letten Robert Uldrikis nach einem Einwurf an der Grundlinie gleich doppelt düpieren, in der Mitte verpasste Anto Grgic das Tor aus sechs Metern nur um wenige Zentimeter.

Grgics Grosschance war der Weckruf, der dem Team von Paolo Tramezzani zeigte, dass die durch die verletzungsbedingten Absenz von Captain Fabian Lustenberger umgekrempelte Berner Defensive nicht unbezwingbar ist. Zwar fühlten sich die Walliser im engmaschigen Abwehrverbund auch fortan am wohlsten, ihren Gegenangriffen verliehen sie nun aber mehr Nachdruck. Doch dieser Sonntag im Wankdorf meinte es mit den aufopfernd kämpfenden Wallisern nur selten richtig gut. Seine beste Phase bezahlte der Aussenseiter erst in der Verletzung von Abwehrchef Jan Bamert (38.), dann mit dem Platzverweis gegen Mittelfeldspieler Zock.

Die Berner besassen alle Trümpfe in ihrer Hand und hätten die Partie bereits weit vor der 90. Minute entscheiden müssen. Doch sie sündigten fast alle: Michel Aebischer, Christian Fassnacht oder Nsame. Die Liste an YB-Spieler, die Grosschancen ungenutzt liessen, wäre fast endlos zu erweitern. Erst durch die Hereinnahme von Martins und Mambimbi änderte Gerardo Seoane das Abschlussglück seines Teams. Martins drückte einen auf den ersten Pfosten gezogenen Corner mit dem Kopf über die Linie, Mambimbi traf nach einem Sololauf über den Platz.

Was eine optimale Finalvorbereitung betrifft, wird der Fokus vorderhand auf der guten Erholung liegen. Die Spuren der harten und langen Saison mit lauter englischen Wochen seit dem Saison-Neustart Mitte Juni hatten sich schon in den Viertelfinals der beiden Teams am Donnerstag gezeigt, die 90 Minuten in Bern bei um die 30 Grad werden zusätzliche Kräfte gekostet haben. Hinzu kommt, dass sich die Berner noch bis zum 25. August gedulden müssen, bis sie ihren Finalgegner mit Sicherheit kennen. Der zweite Halbfinal zwischen Basel und Winterthur findet erst fünf Tage vor dem Final statt. (sda)