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Der Traum von der grossen Kugel: Michelle Gisin mischt ganz vorne mit

Michelle Gisin wollte immer eine Allrounderin sein. Jetzt ist sie es. Welche Ziele verfolgt die Engelbergerin nun?
Claudio Zanini, St. Moritz
Kam mit reichlich Autogrammkarten nach St. Moritz: Michelle Gisin am Freitagabend bei der Startnummern-Auslosung. (Bild: Jean-Christophe Bott/Keystone (St. Moritz, 7. Dezember))

Kam mit reichlich Autogrammkarten nach St. Moritz: Michelle Gisin am Freitagabend bei der Startnummern-Auslosung. (Bild: Jean-Christophe Bott/Keystone (St. Moritz, 7. Dezember))

Zuhause warteten die neuen Autogrammkarten. 2000 Stück, alle unsigniert. 1000 davon hat Michelle Gisin in dieser Woche unterschrieben, als sie nach längerem Unterbruch wieder einmal zuhause in Engelberg war. Einerseits habe sie so den Jetlag nach der Rückkehr aus Lake Louise therapiert, andererseits sei sie damit für den Heimweltcup in St. Moritz ausgerüstet.

Seit Mitte November und dem Slalom von Levi war Gisin durchgehend weg von zuhause. In dieser Woche hatte sie wieder einmal Zeit für die alltäglichen Dinge. Durchatmen, Kleider waschen, Büroarbeiten erledigen oder den eigenen 25. Geburtstag feiern, mit Familie, Kaffee und Kuchen.

Feiern hat Saison bei Gisin. Denn es läuft aktuell sehr vieles positiv. Sie fährt in diesem jungen Winter so gut wie nie zuvor. In Riesenslalom und Slalom realisierte sie ihre Bestergebnisse im Weltcup, in den Abfahrten von Lake Louise fuhr sie zweimal aufs Podest. Sie ist nun das, was sie immer sein wollte: eine Allrounderin.

Gisins Formstand lässt sich anhand der Gesamtwertung ablesen. Nur Ausnahmeathletin Mikaela Shiffrin ist momentan besser. Die Lücke ist aber schon beträchtlich. Die Amerikanerin hat bereits über 200 Punkte Reserve auf die zweitplatzierte Gisin.

Tipps von Tina Maze

Auf Platz 1 steht also dieser Übermensch, auf die grosse Kristallkugel zu spekulieren ist deshalb verwegen. Doch es würde dem Grundgesetz eines Spitzensportlers entsprechen, sich immer neue Ziele vorzunehmen. Gisin hat eine WM-Medaille, sie hat Olympia-Gold und sie hat den Nachweis geliefert, in sämtlichen Wettbewerben grosses Potenzial zu haben. Als Kind habe sie zwar schon von einer grossen Kugel geträumt, räumt sie ein. Aber es ist halt nicht realistisch. Also sagt sie: «Dass ich vorne mitmischen kann, ist einfach genial.»

Und das hat einen grossen Wert. Denn Allrounder waren schon immer ihre grössten Helden. «Es ist unglaublich, wenn man das hinkriegt.» Ein richtiger Fan war sie etwa von Sonja Nef, die Riesenslalom-Weltmeisterin wurde, als Gisin 7-jährig war. Ebenso bewunderte sie Bode Miller, der die ganze Bandbreite beherrschte. Solche Athleten wie Nef oder Miller weckten in Gisin den Wunsch, überall gut zu sein. In der letzten Saison, als sie gezielt in diese Richtung arbeitete, holte sie sich auch Tipps von Tina Maze, eine andere Allrounderin. Den Kontakt stellte Schwester Dominique Gisin her.

Ein Haus wie eine Turnhalle

Die vielseitige sportliche Begabung – man bekommt sie bei den Gisins automatisch mit. Vater Beat, ein ausgebildeter Sportlehrer, sagte kürzlich: «Wir hatten jegliche Sportgeräte zuhause, alle Grössen von Bällen. Es reichte unseren Kindern nicht, einfach mit Gymnastikbällen zu spielen, sie wollte darauf stehen können.» Auch Inline-Skaten war nicht ein blosses Vergnügen. Die Kinder steckten bald einen Slalom aus und duellierten sich im Wettkampf. Hört man die Episoden aus dem Hause Gisin, hat man schnell eine Turnhalle vor dem inneren Auge. Aussergewöhnlich war bei diesen Kindern aber, dass sie hartnäckig an einer Sache dranblieben. «Sie haben etwas nicht nur einen halben Tag lang ausprobiert, sondern fokussierten sich länger auf eine Sache», sagt der Vater.

Wenn man so will, sind die Gisins der Prototyp einer Skifamilie. Von drei Kindern entschieden sich drei für eine Ski-Karriere. Und alle drei schafften es in den Weltcup. Dominique Gisin wurde 2014 Olympiasiegerin, Michelle Gisin vier Jahre später ebenfalls. Dominique wurde nach ihrer Abfahrtsmedaille Sportlerin des Jahres 2014. Bei der diesjährigen Gala, die am Sonntagabend über die Bühne geht, ist Michelle Gisin unter den Nominierten. Allerdings hat sie namhafte Konkurrenz, etwa durch Teamkollegin Wendy Holdener oder Triathletin Daniela Ryf.

Bevor es Sonntagabend wird, fährt Gisin noch den Super-G und den Parallel-Slalom von St. Moritz. Im Super-G wurde sie im vergangenen Jahr Zweite hinter Jasmine Flury. «Es war zu perfekt im letzten Jahr. Das ich Ende Saison noch Vierte in der Super-G-Wertung werde, geht eigentlich gar nicht», sagt Gisin. Wenig später verschwindet sie in den Abend von St. Moritz. Nach ein paar Metern warten zwei junge Fans vor dem Hotel. Gut, hat sie die Autogrammkarten dabei.

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