Der Traum von Olympia lebt: Krienser Schwimmer Luca Pfyffer trainiert in den USA

Der Krienser Luca Pfyffer, 23-jährig, studiert und trainiert in den USA. Dort findet der Schwimmer optimale Bedingungen vor. Sein Ziel: Die olympischen Sommerspiele in Tokio.

Interview: Simon Wespi
Hören
Drucken
Teilen
Schwimmer Luca Pfyffer bei einem Wettkampf der Louisiana State University.

Schwimmer Luca Pfyffer bei einem Wettkampf der Louisiana State University.

Bilder: PD (Louisiana, 18. Januar 2020)

Er ist in Kriens-Obernau aufgewachsen und besuchte wie jeder seiner Generation den Schwimmunterricht. Luca Pfyffer, heute 23-jährig und Schweizer Elite-Schwimmer. 2012 wechselte er vom SV Kriens zu den Limmat Sharks nach Oerlikon. Dort reifte Pfyffer zur nationalen Spitze des Schwimmsports und schloss sein Sport- & Kunstgymnasium ab. Seit zweieinhalb Jahren studiert und trainiert er in den USA.

Good Morning Mister Pfyffer. Es ist Montagmorgen. Wobei störe ich Sie gerade?

Luca Pfyffer: «Stören» ist wahrscheinlich das falsche Wort. Ich habe gerade das erste Schwimmtraining von 6 bis 8 Uhr absolviert. Nun werde ich kurz etwas zum Frühstück essen und dann bin ich bereits auf dem Weg zu meiner ersten Vorlesung über das Thema Maschinendesign.

Sie studieren Maschinenbau Engineering in Baton Rouge, Louisiana. Eine gute Autostunde von New Orleans entfernt. Was hat Sie dazu bewogen, die Schweiz zu verlassen?

Während des Gymnasiums, welches ich am Alpenquai in Luzern begann und letztlich in Zürich am Sport- & Kunstgymnasium Rämibühl abschloss, war mir klar, dass ich weiter auf den Schwimmsport setzen möchte. Da die Kombination von Studium und Leistungssport in der Schweiz generell eher mühsam ist, habe ich nach Alternativen gesucht. Einige meiner Schwimmkollegen haben dabei den Schritt nach Amerika gewagt und ihn mir weiterempfohlen, da man neben Studium und Sport auch sonst wertvolle Erfahrungen sammeln kann. Diese Gründe haben mich dann dazu bewogen, den Schritt ins Ausland zu wagen.

Inwiefern profitieren Sie von der Sportförderung der amerikanischen Univer­sitäten?

Ich profitiere hier in mehreren Bereichen von der Sportförderung der Universität. Sei es im Training durch die Präsenz von mehreren Trainern, Behandlungen des Physiotherapeuten, finanzielle Unterstützung durch das sogenannte «Scholarship», die Sportlerkantine und das Verständnis der Professoren, wenn man für Wettkämpfe Vorlesungen verpasst. Am meisten schätze ich jedoch, dass alles sehr nahe liegt. Vom Training zur Uni oder zu meinem Apartment benötige ich jeweils nur fünf Minuten mit dem Velo, was viel Zeit spart.

Wie sieht ein gewöhnlicher Tag bei Ihnen aus mit Vorlesungen und Trainings?

An einem normalen Tag während des Semesters wache ich um 5.15 Uhr auf. Dann esse ich kurz etwas und fahre zum Schwimmbecken, damit ich um 5.45 Uhr bereit fürs Aufwärmen bin. Danach folgt meistens ein zweistündiges Training von 6 bis 8 Uhr. Nach dem Training esse ich dann ein richtiges Frühstück in der Mensa und mache mich anschliessend auf den Weg zu den Vorlesungen. Nach den Vorlesungen esse ich dann zirka um 12 Uhr ein eher leichtes Mittagessen, damit ich um 13.45 Uhr bereit bin für das Nachmittagstraining, das bis 16 Uhr dauert. Am Nachmittag lerne ich meistens oder geniesse meine Freizeit, falls die Uni noch nicht zu stressig ist.

Nebst Studium und Training: Wie lebt es sich in den USA? Und wo sind die grossen Unterschiede zur Schweiz?

Das Leben als Student und Athlet gefällt mir. Nach dem Studium möchte ich jedoch wieder zurück in die Schweiz kommen, da mir meine Freunde und Familie schon ein wenig fehlen. Ich bin mir sicher, dass es, je nachdem wo man in den USA ist, sehr unterschiedlich sein kann. Hier im Süden sind die Unterschiede relativ gross. Mir ist speziell der Umgang mit Energieressourcen aufgefallen, als ich das erste Mal nach Louisiana gekommen bin.

«Viele Leute fahren SUV oder Trucks und die Klimaanlage läuft ständig.»

Der Begriff der Nachhaltigkeit ist hier ein seltenes Thema. Die Leute sind jedoch sehr freundlich, offen und sportbegeistert, vor allem wenn es sich um American Football dreht.

Wie wohnen Sie? Kochen Sie selber? Wie sieht die Ernährung aus?

Ich wohne in einer WG mit drei anderen Athleten. Ich koche selten selber, da wir an der Uni eine sehr gute Kantine haben. Ich probiere mich ausgewogen zu ernähren und den Kalorienbedarf des Trainings abzudecken.

Wie oft trainieren Sie in der Woche?

Pro Woche trainiere ich neunmal im Wasser und dreimal im Kraftraum. Dies summiert sich etwa auf 20 Stunden pro Woche.

Seine Paradedisziplinen sind 100 und 200 m Brust.

Seine Paradedisziplinen sind 100 und 200 m Brust.

Wie sehen die Wettkämpfe aus? Und sind diese auch mit grossen Reisen verbunden?

In Amerika ist der Schwimmsport mehr auf das Team ausgerichtet. Wir haben darum während der Saison von September bis Februar sogenannte «Dualmeets», in denen man als Universität gegen eine andere Universität antritt. Diese finden in unterschiedlichen Abständen statt. Manchmal haben wir zwei in einer Woche und dann wieder einen Monat Pause.

«Die Wettkämpfe sind oft in anderen Staaten, das heisst, wir fahren mit dem Car bis zu sechs Stunden oder fliegen zu einer anderen Uni, dies ist jedoch die Ausnahme.»

Ihr grosses Ziel ist Tokio 2020. Sind Sie schon qualifiziert?

Für die Olympischen Spiele im Sommer bin ich noch nicht qualifiziert. Anfang April an den Schweizer Meisterschaften werde ich jedoch probieren, dies zu ändern. Die beste Chance für eine Qualifikation habe ich über 100 und 200m Brust.

Wie erreichen Sie dieses grosse Ziel noch?

Ich trainiere weiterhin hart, probiere mich möglichst gut zu erholen und visualisiere das Ziel der Olympiateilnahme täglich. Damit kann ich im April mit viel Selbstvertrauen am Wettkampf starten und mir somit die beste Chance für die Qualifikation erarbeiten.

Sie sind mit 23 Jahren noch jung. Was sind Ihre weiteren sportlichen Ziele?

Weitere Ziele sind sicherlich die Teilnahme und Finalqualifikationen an internationalen Wettkämpfen. Ich möchte die Schweiz möglichst gut repräsentieren, mich weiter verbessern und dann würde auch der Schweizerrekord über 200m Brust in der Reichweite liegen.

Luca Pfyffer studiert in Louisiana Maschinenbau Engineering.

Luca Pfyffer studiert in Louisiana Maschinenbau Engineering.

Wie sehen ihre Pläne auf dem akademischen Weg aus? Bis wann dauert ihr Studium in Louisiana noch? Bleiben Sie danach in den USA oder kehren Sie in die Schweiz zurück?

Im 2022 werde ich meinen Maschinenbau-Bachelor abschliessen. Bis dahin probiere ich mit Praktika Erfahrungen zu sammeln, um mich für das Berufsleben vorzubereiten. Nach dem Studium werde ich voraussichtlich zurück in die Schweiz kommen, jedenfalls ist das so geplant. Man weiss ja nie, ob es dann wirklich so herauskommt.

Wie oft sind Sie eigentlich in der Schweiz? Wie regelmässig sehen Sie die Familie und Ihre Freunde?

Ich komme im Jahr meistens ein- bis zweimal zurück in die Schweiz. Meistens sehe ich meine Familie und Freunde über den Sommer. Im 2019 habe ich mich entschieden, nicht über Weihnachten nach Hause zu gehen, um mich auf das Training zu fokussieren und den langen Flug und die damit verbundenen CO2-Emissionen einzusparen.

In Sursee gibt es neu ein 50-m-Becken. Schon mal da gewesen? Allenfalls künftig ein Ort, an dem Sie trainieren können?

Ja, ich war schon mehrmals mit meiner Schwester und den Eltern in Sursee. Das Bad ist ein Traum für Schwimmsportler und Athleten generell. Ich bin froh, dass sich in der Zentralschweiz nun Möglichkeiten ergeben, professionell im 50-m-Pool zu trainieren. Ich denke, dass dies speziell für die nächste Generation des Schwimmsports einen grossen Gewinn darstellt. Ich selber werde vielleicht auch in Sursee trainieren, je nachdem wie es im Jahr 2022 aussieht, wenn ich zurück in die Schweiz komme.