Doping
Sportlerinnen und Sportler glauben, dass im Ausland viel mehr betrogen wird als in der Schweiz

Schweizer Athletinnen und Athleten zeigen sich in einer grossen Befragung sehr zufrieden mit der Arbeit von Antidoping Schweiz. Sie denken aber auch, dass der Kampf gegen Doping bei weitem nicht überall zufriedenstellend funktioniert.

Rainer Sommerhalder
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Die französische Polizei führt an der Tour de France einen verdächtigten Fahrer ab - aber wird der Kampf gegen Doping wirklich überall so konsequent geführt? Schweizer Athletinnen und Athleten bezweifeln das.

Die französische Polizei führt an der Tour de France einen verdächtigten Fahrer ab - aber wird der Kampf gegen Doping wirklich überall so konsequent geführt? Schweizer Athletinnen und Athleten bezweifeln das.

Keystone

Es ist die grosse Diskrepanz, die auffällt. Schweizer Athletinnen und Athleten sind sehr zufrieden mit der Arbeit hierzulande gegen das Dopingproblem im Sport, betrachten gleichzeitig den internationalen Kampf dagegen äusserst kritisch.

Zum siebten Mal insgesamt seit 1995 und erstmals wieder seit vier Jahren wurden Schweizer Sportlerinnen und Sportler zum Thema Doping befragt. Der Auftraggeber Antidoping Schweiz hat das bekannte Sozialforschungs-Unternehmen Lamprecht & Stamm, welches jüngst auch für den Report «Sport Schweiz 2020» verantwortlich zeichnete, mit der Umfrage betraut. 627 Sporttreibende mit aktueller Erfahrung von eigenen Dopingkontrollen nahmen anonym daran teil.

90 Prozent fordern harte Strafen für Doper

Die Schweizer Antidoping-Arbeit erhält dabei ausgezeichnete Noten. 97 Prozent aller Befragten fühlen sich gut informiert, neun von zehn Personen bezeichnen das System in der Schweiz als vorbildlich. 95 Prozent beträgt die Zustimmung für gezielte Kontrollen, beinahe 90 Prozent fordern für Dopingvergehen harte Strafen und verlangen solche auch für involvierte Betreuungspersonen oder Ärztinnen und Ärzte. Rund ein Drittel der Athletinnen und Athleten wünscht sich sogar, selber öfters kontrolliert zu werden.

Im Vergleich zur Schweiz schneidet die internationale Dopingbekämpfung schlecht ab. Ein Drittel als Sportlerinnen und Sportler sieht sie als Problem, die Hälfte glaubt, dass in anderen Ländern nicht so streng kontrolliert wird. Die Frage, wie gross die Chance sei, beim Doping erwischt zu werden, beurteilen die Befragten unterschiedlich. 70 Prozent denkt, dass Betrügende in der Schweiz überführt werden, nur 25 Prozent vertrauen darauf, dass dies auch im Ausland so ist.

Leichtathletik hat ein sehr schlechtes Image

Auch der Blick auf die weltweiten Dopingaktivitäten in der eigenen Sportart fällt teilweise drastisch aus. So sehen 82 Prozent ein grosses Problem in der Leichtathletik, 69 Prozent im Schwimmsport und 59 Prozent im Radsport. Diese Disziplinen sind so etwas wie die üblichen Verdächtigen beim Thema Doping. Die zunehmende Kommerzialisierung und der damit steigende Erfolgsdruck werden als Gründe für Dopingkonsum an erster Stelle genannt.

Ernst König, Direktor von Antidoping Schweiz, sieht die Antworten «als Zeugnis für die Glaubwürdigkeit des Schweizer Sportsystems». Er erklärt die frappanten Unterschiede, wie Athletinnen und Athleten die Dopingbekämpfung beurteilen, mit der Qualität der eigenen Arbeit. Seine Organisation beschäftigt eigenes Kontrollpersonal, was im internationalen Vergleich die Ausnahme ist. Fünf Vollprofis und ein Pool von 35 oft langjährigen Milizkontrolleuren sorgen für grosse Routine, Kontinuität und Konsequenz im direkten Kontakt.

Antidoping Schweiz will Talente früher testen

Antidoping Schweiz erhofft sich mit der Befragungen verschiedene Erkenntnisse. Die Wahrnehmung von Doping und allfällige Veränderungen derselben gehören ebenso dazu wie das Verbesserungspotenzial. König erwähnt eine Konsequenz. Nachwuchstalente sollen ihre erste Dopingkontrolle in der Schweiz und nicht wie bislang oft an einem internationalen Wettkampf mit Sprachbarrieren und weniger professionellem Kontrollpersonal erleben. Denn der erste Eindruck prägt.

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