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Der unermüdliche Arbeiter

Die Tour de Suisse zu gewinnen, ist für Mathias Frank ein Bubentraum. Doch langsam läuft dem Luzerner die Zeit davon. Am Samstag nimmt er den nächsten Anlauf.
Claudio Zanini
Zum Auftakt der Tour de Suisse muss Mathias Frank auf das Zeitfahrvelo - nicht sein bevorzugtes Arbeitsgerät. Bild: (Valentin Flauraud/Keystone (Freiburg, 24. April 2018))

Zum Auftakt der Tour de Suisse muss Mathias Frank auf das Zeitfahrvelo - nicht sein bevorzugtes Arbeitsgerät. Bild: (Valentin Flauraud/Keystone (Freiburg, 24. April 2018))

Als kleiner Bub stand Mathias Frank am Strassenrand, als die Tour de Suisse vorbeirollte. Was er sah, faszinierte ihn, er wollte auch so sein, wie die Profis auf ihren Rennvelos. Er hat dieses Ziel längst erreicht. Frank steht derzeit in seiner elften Saison. Aus dem Jungen aus Roggliswil ist ein dreifacher Familienvater geworden. 32 Jahre alt wird er im Dezember, die Uhr tickt und tickt. Wie lange seine Karriere noch dauern soll, hat Frank nicht festgelegt. Er sagt aber: «Natürlich wird es nicht einfacher mit den Jahren.»

Leichter wird auch nicht die Aufgabe, die heimische Landesrundfahrt zu gewinnen. Denn das ist sein grosser Traum. Nicht, dass er jemals mit diesen Ambitionen geprahlt hätte. Aber Frank machte nie ein Geheimnis daraus, dass er einmal bei der Tour de Suisse siegen will. Funktioniert hat das bis jetzt nicht.

Vor vier Jahren kam er dem Gesamtsieg nahe. Er wurde Zweiter, nachdem er turbulente Wochen hinter sich hatte. Kurz vor der Tour musste seine hochschwangere Frau mit Schmerzen ins Spital. Während den Renntagen kam sein erstes Kind auf die Welt. Nach dem Rennen sagte er, die private Situation hätte wohl zum positiven Resultat beigetragen, weil er nicht zu viel herumstudierte.

Meistens fehlte mehr zum Sieg als 2014. Ein Jahr davor war es der fünfte Platz, 2015 fokussierte er sich auf die Tour de France, 2016 musste er krankheitshalber aufgeben, 2017 trat er wiederum von einer Krankheit geschwächt an. Die Beziehung zwischen der Tour de Suisse und Frank war oft geprägt von Enttäuschungen.

Unpassender Auftakt in Frauenfeld

In diesem Jahr muss man nicht lange suchen, um die Faktoren zu finden, die gegen einen grossen Coup von Frank sprechen. Da ist zum einen das überdurchschnittlich gut besetzte Fahrerfeld. Weil die Tour de France wegen der Fussball-WM in diesem Jahr eine Woche später stattfindet, ist die Pause zwischen dem Rennen in der Schweiz und demjenigen in Frankreich für einmal knapp drei Wochen lang – für viele Profis ist das ein idealer Abstand. An der Tour de Suisse stehen deshalb Fahrer am Start wie Nairo Quintana, Mikel Landa, Richie Porte, Bauke Mollema, oder die Izagirre-Brüder.

Hinzu kommt, dass die Tour am Samstag mit einem Mannschafts-Zeitfahren in Frauenfeld beginnt. Und das ist nicht die Spezialität von Franks französischem Team AG2R. Es wird vor allem darum gehen, nicht zu viel Zeit auf die in dieser Disziplin überlegene BMC-Equipe einzubüssen. Frank sagt: «In einem Prolog hätte ich vielleicht 20 Sekunden kassiert. Wenn wir jetzt weniger als eine Minute auf BMC verlieren, ist das gut.»

Die Vorzeichen könnten besser sein. Aber Franks Antrieb ist deswegen nicht kleiner. Er ist nach wie vor überzeugt, dass ihm irgendwann noch die grosse Leistung gelingen wird. «Dieses Gefühl muss da sein. Wenn ich denken würde, dass das perfekte Rennen schon hinter mir liegt, dann müsste ich aufhören», sagt er. Frank meint wortwörtlich «perfekt», ohne Makel, ohne Stürze, ohne Zwischenfälle. Denn die wirklich guten Resultate gab es schon in seiner Karriere, dazu gehört der achte Platz an der Tour de France 2015.

Für das perfekte Rennen muss eben enorm viel zusammenpassen, vor allem bei Frank. Er ist nicht ein Fahrer mit endlosem Talent, der mit einem Geniestreich ein Etappenrennen für sich entscheidet. Es war immer unermüdliche Arbeit, die ihn weitergebracht hatte. Er sagt: «Ich weiss mittlerweile gut, wie gross mein Motor ist. Mit meinen Möglichkeiten habe ich sicher schon viel rausgeholt.» Seine Ausbeute dürfte jetzt schon grösser sein, als er damals am Strassenrand zu träumen gewagt hätte.

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