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Sven Schurtenberger - der unglamouröse Spitzenschwinger

Sven Schurtenberger steht weniger im Rampenlicht als andere Spitzenschwinger. Doch der 27-Jährige aus Buttisholz könnte beim Eidgenössischen in Zug eine bedeutende Rolle spielen.
Claudio Zanini
133 Kilogramm Wettkampfgewicht: Sven Schurtenberger. (Bild: Urs Flüeler/Keystone (Bürglen, 12. Mai 2019))

133 Kilogramm Wettkampfgewicht: Sven Schurtenberger. (Bild: Urs Flüeler/Keystone (Bürglen, 12. Mai 2019))

Es kommt nicht selten vor, dass Sven Schurtenberger vom Speaker ausgerufen werden muss, damit er sich zum Sägemehlring bequemt. Schurtenberger ist ein Riese, 190 Zentimeter gross, 133 Kilogramm schwer. Er trottet dann über den Festplatz, entledigt sich sachte der Trainingsjacke, man kriegt den Eindruck, er sei phlegmatisch. Doch wenn er einmal im Sägemehlring angekommen ist, legt er einen Schalter um.

Er schwingt, als ginge es um sein Leben. Vielleicht wird ihm deshalb eine etwas raue Gangart nachgesagt. «Aber Schwingen ist ja auch ein Kampfsport», sagt Schurtenberger dazu. Auch wenn er schwere Athleten anpackt, sehen sie wie Fliegengewichte aus. Kürzlich am Schwyzer Kantonalen traf er im vierten Gang auf den bis dahin ebenfalls makellosen Roger Rychen. Der Glarner ist ein grossgewachsener, vielseitiger Schwinger. Nicht minder dynamisch als Schurtenberger und ebenfalls ein Eidgenosse. Doch gegen den Luzerner kassierte Rychen eine Lektion und musste sich beugen. Aus dem vermeintlichen Duell auf Augenhöhe wurde nichts.

Sven Schurtenberger hat aber noch eine andere Qualität. Wenn er nicht verlieren will, verliert er auch nicht. Ganz egal, wie der Gegner heisst. Den grossen Namen der Szene hat er allen ein Unentschieden abgeknöpft. Er stellte etwa die letzten drei Duelle gegen Christian Stucki. Schurtenbergers Selbstbewusstsein ist gross. Er sagt: «Ich bin momentan in der Lage, jeden Gegner zu stellen.»

Die fehlende Teamfähigkeit der Innerschweizer

Das ist eine Qualität, die im Hinblick auf das Eidgenössische für das Innerschweizer Team von Bedeutung sein dürfte. Schurtenberger könnte der Bremsklotz sein, der Spitzenleute anderer Teilverbände zurückbindet, und so den Weg für eigene Athleten wie Joel Wicki oder Pirmin Reichmuth frei macht. Er ist sich seiner Rolle durchaus bewusst, denn er sagt: «Mein Ziel ist, dass der König ein Innerschweizer ist. Das heisst für mich, dass ich gegen die Spitzenschwinger keinesfalls verlieren darf.» Dass die Innerschweizer mit Harry Knüsel bisher bloss einen einzigen König hatten, wird oft mit fehlender Teamfähigkeit begründet. Man würde zu stark für das eigene Notenblatt und zu wenig für die Mannschaft schwingen, so der Vorwurf. Implizit heisst das auch: Würden sie mehr wie die Berner schwingen, wären sie erfolgreicher.

Erich Fankhauser gewinnt 2018 den Brünig-Schwinget nach einer starken Innerschweizer Teamleistung. (Alexandra Wey/Keystone (Brünig-Passhöhe, 29. Juli 2018))

Erich Fankhauser gewinnt 2018 den Brünig-Schwinget nach einer starken Innerschweizer Teamleistung. (Alexandra Wey/Keystone (Brünig-Passhöhe, 29. Juli 2018))

Beim Brünig-Schwinget im letzten Jahr zeigten die Innerschweizer, was möglich sein kann. Nach acht Jahren holten sie erstmals wieder den Titel. Joel Wicki stellte den Schlussgang mit Kilian Wenger und bescherte so seinem Klubkameraden Erich Fankhauser den Festsieg. Ginge es nach Schurtenberger, müssten es die Innerschweizer in Zug genau gleich machen. «Wenn jemand das Gefühl hat, er könne nur für sich schwingen, kommen wir nicht weit.»

Sven Schurtenbergers Rolle nur auf den Bremsklotz zu begrenzen, wäre verfehlt. Fünf Kranzfestsiege konnte er in seiner Karriere feiern. Dazu kommen zahlreiche Schlussgang-Teilnahmen. In dieser Saison ist er bei fünf Schwingfesten gestartet, dreimal hat er gewonnen. Doch letztlich steht er weniger im Rampenlicht als die Aushängeschilder Wicki und Reichmuth. Er habe manchmal das Gefühl, die Medien fänden nur interessant, was Wicki und Reichmuth machen, sagt er. Andererseits scheint er sich mit der Rolle des Antihelden arrangiert zu haben. «Ich bin auch froh, dass ich nicht andauernd im Fokus stehen muss», sagt er.

Gegen Joel Wicki bestritt er im letzten Jahr am Luzerner Kantonalen den Schlussgang. Nach einer Unachtsamkeit überlistete ihn Wicki mit Übersprung und drückte am Boden nach. Wicki und Schurtenberger sind die beiden besten Schwinger der Luzerner. Sie kennen sich seit Jahren und verstehen sich blendend. Beide gehen am Sonntag in Willisau als Mitfavoriten ins Rennen. Schurtenberger bekam für den ersten Gang Kilian Wenger zugeteilt. Der Schalter wird kippen, sobald der Kampfrichter das Kommando gibt.

Die Veranstalter von 2020 sind bereits an der Arbeit

Noch bevor die Schwinger am Luzerner Kantonalen 2019 zusammengreifen, haben die Organisatoren von 2020 bereits den Siegermuni getauft. Letzte Woche, genau ein Jahr vor dem Schwingfest, standen Skifahrer Reto Schmidiger und Langläuferin Nadine Fähndrich Pate für «Lukaro». Die Abkürzung steht für «Luzerner Kantonalschwingfest Rothenburg». Dabei erstaunt, wie viel Vorbereitungszeit ein gewöhnliches Kantonalfest – wohlgemerkt die kleinste Kategorie von Kranzfest – benötigt. Denn die Organisatoren haben nicht nur ihren Muni gewässert, sie haben ganz konkret mit den Arbeiten angefangen. OK-Präsident Bruno Odermatt sagt: «Nun beginnt die Gabensammlung und Personalplanung, wir müssen Verträge mit Lieferanten und Getränkehändlern abschliessen sowie Tribünen und Festzelte buchen.» Einige Arbeiten sind bereits abgeschlossen. Die meisten Sponsoren sind fix, die rund 1100 Helfer wurden grössenteils gefunden, das Parkplatzproblem ist gelöst. Letzteres ist ein bekanntes Phänomen bei Schwingfesten, da viele Personen mit dem Auto anreisen. Die Verantwortlichen von Rothenburg lassen den Grossteil bei der unweit entfernten Ikea parkieren und installieren Shuttlebusse. Insgesamt wird das Fest im nächsten Jahr ein wenig kleiner als das diesjährige. In Rothenburg bietet die Arena Platz für 7500 Personen, morgen in Willisau werden es 8200 sein. Allein die Kosten für die Infrastruktur belaufen sich in Rothenburg laut Odermatt auf rund 300 000 Franken. (cza)

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