Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Der vergessene Held von Misano

Vor einem Jahr standen Dominique Aegerter (27) und Tom Lüthi (32) in Misano im Mittelpunkt der Töff-Weltöffentlichkeit. Nun heisst der Held Jesko Raffin (22). Aber seine grandiose Leistung ist kaum bemerkt worden.
Klaus Zaugg, Misano
Fährt sich beim GP von San Marino in den Fokus: Jesko Raffin. Bild: Waldemar Da Rin/Freshfocus (Misano, 9. September 2018)

Fährt sich beim GP von San Marino in den Fokus: Jesko Raffin. Bild: Waldemar Da Rin/Freshfocus (Misano, 9. September 2018)

Der Sieger des Vorjahres und der «Nobody» haben für einmal das gleiche Ziel. Es ist ein Jahr her, da hat Dominique Aegerter in Misano das Moto2-Rennen vor Tom Lüthi gewonnen. Nun sagt er mit saurer Miene vor dem Rennen: «In versuche, in die Punkte zu fahren. Mehr liegt nicht drin.»

Jesko Raffin darf in Misano den Spanier Alejandro Medina im SAG-Team vertreten. Auch er sagt: «Ich versuche in die Punkte zu fahren.» Was für Dominique Aegerter nach zwei punktelosen Rennen Pflicht, das wäre für Jesko Raffin ein Traumresultat. Er dominiert zwar die aktuelle Moto2-EM, und er hat letzte Saison beim GP von Australien den 4. Platz herausgefahren, aber die Umstellung auf höchstes Niveau ist in Misano nicht einfach. Er fährt an der EM eine letztjährige Kalex. Hier steigt er für seinen ersten Saison-GP auf das neuste 2018er-Modell um.

Die grosse Aufholjagd von Raffin

Bereits im Abschlusstraining zeigt sich, wie gering der Abstand zwischen den beiden Schweizern ist. Dominique Aegerter qualifiziert sich mit 82 Hundertstel- sekunden Vorsprung für die 5. Startreihe, und exakt hinter ihm steht in der 6. Reihe Jesko Raffin. Dass es im Rennen zum Direktduell kommt, grenzt allerdings an ein Wunder. Der Motor stirbt ab, Jesko Raffin kann die Besichtigungsrunde nicht fahren, muss in die Boxenstrasse zurückkehren und anschliessend ganz hinten, als 35. starten. Er überholt das halbe Feld und hat in der der 14. von 25 Runden den Anschluss an Dominique Aegerter (zu diesem Zeitpunkt 16.) gefunden. Die grösste fahrerische Leistung eines Schweizers in dieser Saison.

«Als ich Aegerter vor mir sah, habe ich mich erst einmal beruhigt, durchgeatmet und dann stellte ich bald fest, dass ich bei der Aufholjagd die Reifen zu stark strapaziert hatte. Ich habe mich darauf konzentriert, den Anschluss zu halten.» Am Ende steht der 15. Platz und ein WM-Punkt. «Es war mein bestes Rennen, besser als beim 4. Platz in Australien.» Er ist der vergessene Held von Misano.

Raffin wird mit drei Rennen belohnt

Viel Zeit für weitere Erklärungen bleiben ihm nicht. Um 13.55 Uhr wird er in der TV-Kabine von Marco Felder, dem SRF-Kommentator für die Übertragung des MotoGP-Spektakels erwartet. Jesko Raffin arbeitet diese Saison als Co-Kommentator für unser staatstragendes Fernsehen. Er hat so oder so seinen Platz im GP-Business. Ob er für nächste Saison in die Moto2-WM zurückkehren kann, oder die Rennen bloss aus der TV-Kabine verfolgen muss, ist nach wie vor offen. Klar ist seit gestern Abend aber: Er darf den nächsten GP in Aragon plus die zwei Übersee-GP in Japan und Australien bestreiten.

Dominique Aegerter kam als 13. ins Ziel, erreichte die angestrebten WM-Punkte und hatte mehr Zeit für Erklärungen. Aber viel gab es nicht zu erzählen, und er sagte leise, erschöpft in seinem Sessel in der Box sitzend: «Mehr liegt zurzeit für mich nicht drin.» Inzwischen geht es für ihn nicht nur um Rundenzeiten und Rennklassierungen. Neben der Rennpiste läuft ihm die Zeit davon. Es geht bei den Verhandlungen für einen Platz in der Moto2-WM 2019, die sein Bruder Kevin führt, vor allem darum, wie viel Geld ins Team mitgebracht werden muss. Seit er leichtsinnigerweise das erstklassige Angebot von Jarno Janssen ausgeschlagen hat (dort hätte er weniger als 300 000 Euro bringen müssen), bleiben nur noch schlechtere und teurere Alternativen. Und in Misano haben an diesem Wochenende erste wichtige Sponsoren im kleinen Kreis erklärt, Ende Saison sei Schluss. Ein Jahr nach Aegerters und Lüthis Doppelsieg in Misano wird die Wahrscheinlichkeit immer grösser, dass 2019 nur noch ein einziger Schweizer im GP-Zirkus auftreten wird. Tom Lüthi (32), war gestern in der «Königsklasse» blamabler 22. und Vorletzter. Er kehrt nächste Saison in die Moto2-WM zurück und wird einer der Titelanwärter sein.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.