Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Der Videoassistent im ersten Praxistest – Übung macht den Meister

In der Thuner Stockhornarena wird für die Einführung des Videobeweises in der Super League geprobt. Die involvierten Schiedsrichter ziehen ein positives Zwischenfazit – einiges muss aber noch geklärt werden.
Markus Brütsch, Thun
Der Schiedsrichter – hier Alain Bieri – hat die Möglichkeit, sich die Situation am Spielfeldrand noch einmal anzuschauen. (Bild: Urs Lindt/Freshfocus)

Der Schiedsrichter – hier Alain Bieri – hat die Möglichkeit, sich die Situation am Spielfeldrand noch einmal anzuschauen. (Bild: Urs Lindt/Freshfocus)

Foul oder kein Foul? Der Stürmer des FC Solothurn und der Old-Boys-Verteidiger liefern sich im Basler Strafraum einen heissen Zweikampf. Auf der Tribüne ­erkennt der Zuschauer zwar ein Zupfen und Schubsen, aber nicht, ob das Vergehen penaltywürdig ist. Auch für Schiedsrichter David Schärli ist die Situation nicht einfach zu bewerten.

Nur gut, dass draussen vor dem Stadion eine dreiköpfige Crew in einem mit mehreren Monitoren ausgerüsteten Van sitzt. Der Video-Assistent-Referee (VAR), dessen Assistent (Avar) und der Techniker verfolgen aufmerksam, was sich im Innern des Stadions tut. Sie können dank einer Auswahl von verschiedenen Bildern und Einstellungen in den meisten Fällen gut beurteilen, wie diese und jene Szene zu ­ahnden ist. In besagtem Spiel ist sofort geklärt: kein Foul.

Rasch eine einheitliche Linie finden

Marcel Schär, der Trainer der Solothurner, sagt: «Für mich war es eine Fünfzig-zu-fünfzig-Situation, aber von so weit weg schwer zu erkennen. Der VAR hat es sicher besser gesehen.» Schär sagt, er habe ein positives Gefühl. «Die Bedingung ist einfach, dass der Spielfluss nicht leidet.»

Es ist Sonntagmorgen und in der Thuner Stockhornarena herrscht ein reger Betrieb. Sechs U15-Mannschaften tragen ein Turnier aus. Der Anlass ist Bestandteil des vom International Football Association Board (Ifab) geforderten Ausbildungsprogramms. Und Voraussetzung für die Einführung des Videobeweises in der Super League. Jetzt steigt Spitzenschiedsrichter Sandro Schärer aus dem Van und gibt Auskunft, wie er die Arbeit am Bildschirm erlebt:

«Es macht Spass, aber es braucht sehr viel kognitive Energie. Man wird müde dabei.»

Schärer denkt, die grösste Herausforderung bestehe darin, der Öffentlichkeit klar­zumachen, welche Aufgabe der VAR genau hat, und dass rasch eine einheitliche Linie gefunden wird. Schärer erklärt den Job des Assistenten: «Er ist mein Back-up und überwacht das Hauptgeschehen, wenn ich dabei bin, mir eine bestimmte Situation anzuschauen und zu beurteilen.»

Auch Schärers Kollege Alain Bieri ist an diesem Morgen im Einsatz. «Ich freue mich auf den Videobeweis. Er wird uns Schiedsrichtern zu mehr Sicherheit verhelfen.» Mit den vielen Kameras im Stadion würde den TV-Zuschauern nichts entgehen. Dadurch sei der Druck auf die Schiedsrichter gross geworden und es sei daher sinnvoll, dass die technische Entwicklung auch ihnen zugutekomme.

Sechs Kameras liefern die Bilder, mithilfe derer der VAR den Schiedsrichter auf Fehlentscheidungen aufmerksam macht. (Bild: Peter Schneider/KEY)

Sechs Kameras liefern die Bilder, mithilfe derer der VAR den Schiedsrichter auf Fehlentscheidungen aufmerksam macht. (Bild: Peter Schneider/KEY)

Wie sollen die Zuschauer informiert werden?

Hellmut Krug (Bild: Freshfocus)

Hellmut Krug (Bild: Freshfocus)

Erst im November des vergangenen Jahres haben die Clubs ihre Zustimmung zur Einführung und Mitfinanzierung des Videobeweises gegeben. Entsprechend ambitiös war daher das Ziel, diesen ab der Saison 2019/20 in der Super League zu lancieren. Doch Projektleiter Reto Häuselmann sagt, man sei im Zeitplan. Der grösste Brocken sei nun noch die Einrichtung des Video Operation Room. Was in der Testphase noch im Van ablief, wird künftig in einer Zentrale in Volketswil erledigt. Und gemäss Häuselmann muss auch noch festgelegt werden, wie die TV-Zuschauer und jene im Stadion über die Entscheide des VAR informiert werden.

Zufrieden ist Projektleiter Schiedsrichterausbildung Hellmut Krug: «Alle sind motiviert und lernbegierig», sagt der Deutsche, doch die Nagelprobe werde kommen, wenn die Zeit des Übens in die Wettkampfphase übergehe. «Der VAR wird viel mehr unter Druck stehen als der Schiedsrichter. Diesem wird künftig eher ein Fehler verziehen als dem VAR mit seinen Überwachungsmöglichkeiten», so Krug.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.