Der Weg in den Ski-Weltcup: Das Leiterspiel beginnt im Primarschulalter

Von der Jugendorganisation bis ins Swiss-Ski-Kader: Diese Stufen haben angehende Profis zu bewältigen.

Claudio Zanini
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Hans Flatscher, Nachwuchschef bei Swiss Ski.

Hans Flatscher, Nachwuchschef bei Swiss Ski.

Eine Skifahrer-Karriere beginnt meist in einer Jugendorganisation (JO) eines Skiklubs. Bereits 6-Jährige können der JO beitreten. Hier steht zwar der Spass im Vordergrund, allerdings werden schon sogenannte Animationsrennen gefahren. Hans Flatscher, der Nachwuchschef bei Swiss Ski, sagt: «Es ist wichtig, gemeinsam zu trainieren und sich zu messen. Darum sollte man sich einem Skiklub anschliessen.»

Die JO ist das Sprungbrett für ein regionales Leistungszentrum (RLZ), das die jungen Sportler nach dem Primarschulalter besuchen. Ziel der Zentren ist, die besten Skifahrer in den verschiedenen Regionen zusammenzubringen. In der Schweiz gibt es 28 solche Standorte verteilt auf die 12 Regionalverbände. Die RLZ sind als Ausbildungsstätten konzipiert, die Schule und Sport koordinieren. «Die Belastung mit Schule, Skifahren und Konditionstraining ist für solch jungen Athleten hoch. Es braucht die Trainingsinfrastrukturen der Leistungszentren. Nur so ist es möglich, Schule und Skirennsport bewältigen zu können», sagt Flatscher.

Wer im regionalen Kader überzeugt, wird von einem nationalen Leistungszentrum (NLZ) aufgenommen, davon gibt es drei in der Schweiz. NLZ Mitte NLZ West und NLZ Ost. Sie sind drei Sportschulen angegliedert: Engelberg (Mitte), Brig (West) und Davos (Ost). Nebst dem Sport absolvieren die Jugendlichen dort das Kurzzeitgymnasium oder eine KV-Ausbildung.

«Dann käme eine utopische Summe heraus»

Hat man es einmal in ein NLZ geschafft, steht man vor den Toren des nationalen Skiverbands. Doch solange die Talente nicht einem Swiss-Ski-Kader angehören, sind die finanziellen Ausgaben, die von den Eltern getragen werden, hoch. Flatscher geht davon aus, dass für eine Ski-Karriere jährlich um die 20 000 Franken nötig sind. Die Ausgaben variieren aber je nach Schule, Förderbeiträgen der Kantone, Karrierestadium oder Leistung. Als Beispiel: Schafft man es im JO-Alter in der Stärkeliste unter die Besten, erhält man die Ausrüstung kostenlos.

Gehört ein Athlet einem Swiss-Ski-Kader an, sinken die Ausgaben bedeutend. Sämtliche Reisen, Unterkünfte und Spesen werden dann vom Skiverband übernommen, das Ski-Material sponsern die Hersteller. Wie viel ein Athlet den Verband kostet, sei schwer zu berechnen, sagt Flatscher. «Würde man den ganzen Apparat auf den einzelnen hinunterrechnen, käme eine utopische Summe heraus.»

Im Skiverband geht die Karriere im C-Kader weiter, es ist eine Ausbildungsstufe. Danach folgt der B-Kader, ursprünglich die Europacup-Stufe. Für den A-Kader benötigt man schliesslich einen Top-30-Platz in der Weltcup-Startliste, für die Nationalmannschaft ein Platz unter den Top 15. Für Weltcup-Einsätze ist die Kaderzugehörigkeit aber nicht von Bedeutung, da zählt ausschliesslich die Leistung. Die Selektionäre können theoretisch auch einen C-Kader-Athleten für ein Weltcup-Rennen aufbieten.