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Le’Veon Bell – der Widerstandskämpfer bei den Pittsburgh Steelers

Der bei den Pittsburgh Steelers engagierte Footballprofi Le’Veon Bell streikt und verliert darum 14,54 Millionen Dollar. Die Frage ist, ob sein Poker trotzdem aufgehen kann.
Im Clinch mit den Steelers: Le’Veon Bell. Bild: Scott W. Grau/Getty (Detroit, 29. Oktober 2017)

Im Clinch mit den Steelers: Le’Veon Bell. Bild: Scott W. Grau/Getty (Detroit, 29. Oktober 2017)

Am 16. Juli wandte sich Le’Veon Bell auf Twitter an die Fangemeinde der Pittsburgh Steelers und schrieb, es müsse sich niemand Sorgen machen, 2018 werde die beste Saison seiner Karriere werden. Vier Monate später ist von diesem Versprechen nichts übrig geblieben. Seit Dienstag steht fest, dass Bell in dieser Saison keine einzige Partie bestreiten wird.

Bell (2) ist einer der besten Offensivspieler der National Football League (NFL), ein Running Back, der Raumgewinn in rauen Mengen erzielen kann, er rennt schnell wie der Wind und fängt Pässe. Bell hat das Talent, um dereinst in die Ruhmesgalerie Hall of Fame aufgenommen zu werden. 2017 produzierte er 1946 Yards, es war der zweitbeste Wert der Liga.

Bells Problem ist, dass Spieler auf seiner Position in der NFL der Moderne bis auf wenige Ausnahmen austauschbar geworden sind – und entsprechend weniger generös bezahlt werden als beispielsweise die Quarterbacks. Die Steelers, das Team von Ben Roethlisberger, dem Spielmacher mit Wurzeln im Emmental, hätten Bell in dieser Saison 14,54 Millionen Dollar bezahlt. Es war Le’Veon Bell zu wenig – er wollte langfristige Sicherheit, einen Mehrjahresvertrag.

Die hohen gesundheitlichen Risiken

Bells Beweggründe sind nachvollziehbar. Im Vollkontaktsport American Football ist die Karriere an jedem Spieltag in Gefahr, die Verletzungen sind teilweise so gravierend, dass sie die Profis ein Leben lang beeinträchtigen. Eine NFL-Karriere dauert im Schnitt nur 3,3 Jahre.

Bell will sich absichern, Risiken minimieren. Er hat dafür einen unpopulären Weg gewählt, bei gilt vielen er jetzt als geldgierig. Doch wer so argumentiert, vergisst, dass die NFL im Jahr acht Milliarden Dollar umsetzt. Die 30 Teams sind Gelddruckmaschinen, die Taschen der schwerreichen Klubbesitzer sind voll. Es ist keine Unverschämtheit, wenn einer der wichtigsten Spieler des Teams den Anspruch hat, selber ein genug grosses Stück vom Kuchen abzubekommen. Im vergangenen September sagte Bell: «Es kann sein, dass die Leute mich nicht verstehen. Aber ich bin nicht egoistisch. Ich tue dies auch für jene Spieler, die nicht verstehen, wie in der NFL gewirtschaftet wird. In den 22 Jahren, in denen ich Football spiele, habe ich immer einen Mehrwert erbracht. Die Pittsburgh Steelers scheinen das nicht zu honorieren.»

Die Steelers befinden sich in Topform

Die Frage ist nur, ob Bells Poker aufgehen kann. Dafür müsste er die 14 verlorenen Millionen irgendwie zurückgewinnen. Doch es ist völlig offen, wie sein Markt aussehen wird – und wann er überhaupt verfügbar ist. Der Gesamtarbeitsvertrag der NFL ist ein sehr komplexes Konstrukt, den Pittsburgh Steelers würde sich die Option bieten, Bell zu halten. Doch die Chancen, dass er je wieder für diese Organisation aufläuft, sind verschwindend klein. Zumal sich das Team in seiner Abwesenheit sehr wacker geschlagen hat, die AFC North anführt und James Conner, Bells Ersatz, sich zum Publikumsliebling aufgeschwungen hat.

Die Steelers scheinen Bell nicht zu vermissen, was der Theorie Auftrieb gibt, dass Bells famose Statistiken nicht zuletzt das Produkt des Steeler-Systems waren. Es ist unklar, wie viel die übrigen 29 Teams für Bells Qualitäten bereit zu zahlen sind. Doch es wäre eine grosse Überraschung, sollte er einen lukrativeren Vertrag erhalten als Todd Gurley, der überragende Running Back der Los Angeles Rams, der für vier Jahre 45 Millionen Dollar erhält.

Ist der Streik also ein grosser Fehler eines zu sturen Mannes? Finanziell gesehen womöglich schon. Bell hat in seiner Karriere bisher knapp über 30 Millionen verdient. Mehr Geld, als die meisten Menschen in einem Leben ausgeben können. Aber auch nicht so viel, dass der Verzicht auf 14,54 Millionen nicht ins Gewicht fallen würde. Bell sagt, es gehe ihm nicht ums Geld, er wolle einfach jene Wertschätzung erfahren, die ihm zustehe. Wenn es sich dabei um die wahren Beweggründe und nicht um eine Propagandalüge handelt, dann hat sich der Streik für Bell vermutlich gelohnt. Es kann jedenfalls teuer sein, recht haben zu wollen.

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