Deshalb darf Federer verzichten

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French Open Der 18-fache Grand-Slam-Rekordsieger Roger Federer (35) spielt auch in diesem Jahr nicht bei den French Open. Federer verzichtet, weil er sich auf die aussichtsreichere Rasensaison und die anschliessend folgenden Turniere auf der nordamerikanischen Hartplatz-Tour konzentrieren will. Doch kann Federer einfach so verzichten? Die Antwort für die Grand-Slam-Turniere lautet schlicht: ja.

Niemand im Profitennis wird gezwungen, bei den vier Majors in Melbourne, Paris, London und New York anzutreten. Im Normalfall, wenn es sich nicht gerade um Federer oder einen anderen Superstar handelt, kämpft jeder Professional darum, bei den Topwettbewerben dabei zu sein.

Für viele aus dem Mittelbau des Circuits bedeutet die Teilnahme bei den Grand Slams inzwischen auch eine wichtige Einnahmequelle. Wer es in alle Hauptfelder der Majors schafft, hat etwa 150000 Franken pro Jahr sicher – vor Steuern selbstverständlich.

Ausnahmeregelungen bei den Masters

Anders sieht es bei den Masters-Turnieren der ATP aus, den Vorzeige-Events des Wanderzirkus: Hier sind die Top-30-Spieler, die sogenannten Commitment Player, grundsätzlich zur Teilnahme an allen neun Masters-Wettbewerben verpflichtet. Wer fehlt (Verletzungen sind ausgenommen), wird mit Sanktionen bei der Auszahlung von Bonusgeldern bestraft.

Vor einigen Jahren führte die Spielergewerkschaft ATP aber Ausnahmeregelungen ein, und die wurden sogar als eine «Lex Federer» bezeichnet. Ist ein Spieler 31 Jahre alt (Stichtag 1. Januar), ist er berechtigt, ein Masters auszulassen. Das gilt auch in zwei anderen Fällen: Der Spieler muss zwölf Jahre auf der Tour gespielt oder 600 Siege geschafft haben.

Treffen auf einen Spieler alle drei Ausnahmekriterien zu, wie auf Roger Federer und derzeit nur noch den Spanier David Ferrer, dann kann er auf alle Masters-Turniere verzichten – sanktionsfrei und ohne finanzielle Einbussen.

Zuletzt steuerte die ATP wieder etwas gegen die eigenen Gesetzgebung – mit Ergänzungs­regeln. So darf nun kein Com­mitment Player zwei Jahre hintereinander das gleiche Masters-Turnier auslassen. (all)