Die älteste Schwinghalle von Luzern hat ausgedient: Aus «Röseligarten» wird «Rontaler Trainingscenter»


Der Schwingklub Oberhabsburg ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Deshalb muss er sich eine neue Halle bauen.

Claudio Zanini
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Nach einer gut zweimonatigen Trainingssperre dürfen die Schwinger ab kommendem Samstag wieder im Sägemehl gegeneinander antreten. Es wird sich noch alles etwas ungewohnt anfühlen. Denn auf den Handschlag, die oberste Gepflogenheit im Schwingsport, müssen sie nach wie vor verzichten. Und auch sonst wird vieles noch nicht sein wie früher. So muss in beständigen Gruppen trainiert werden. Beim Wechsel von verschiedenen Gruppen am gleichen Tag gelten die gängigen Abstandsregeln.

Die Seitenansicht der neuen Halle, die im Mai 2021 eröffnet werden soll.

Die Seitenansicht der neuen Halle, die im Mai 2021 eröffnet werden soll.

PD

Für den Schwingklub Oberhabsburg, einer der kleineren Klubs im Kanton Luzern, werden die Sicherheitsmassnahmen zur Herausforderung. Denn die Platzverhältnisse in der eigenen Halle in Root sind mit 36 Quadratmetern sehr bescheiden. Eng war es auch schon vor Corona. In den letzten zehn Jahren ist die Zahl der Jungschwinger von fünf auf 25 angewachsen. Für einen Klub, der seinen Nachwuchs aus stadtnahen Gemeinden (unter anderem Adligenswil, Ebikon, Root) bezieht, ist das beachtlich. Philipp Fässler, der Klubpräsident, sagt: «Das ist nicht selbstverständlich, zumal das Vereinsangebot in unserem Einzugsgebiet immens ist. Es ist ein Zeichen für die gute Förderung von Jungschwingern im ganzen Kanton.» Mittlerweile zählt der Klub gegen
600 Mitglieder.

Im Gegensatz zum Wachstum steht die Infrastruktur. Während die anderen acht Vereine des Kantons in moderneren Bauten trainieren, ist die Anlage «Röseligarten» in Root aus der Zeit gefallen. «Wir sind die Letzten mit einem kleinen Keller», sagt Fässler. Allein die Tatsache, dass Schwinger und Zuschauer nur via Garderobe in die Halle gelangen, scheint spätestens in der Pandemie-Krise nicht zeitgemäss.

Die Farbe des Gebäudes wird entgegen dieser Visualisierung gräulich sein.

Die Farbe des Gebäudes wird entgegen dieser Visualisierung gräulich sein.

PD


Als die Gemeinde Root bei der neuen Schulanlage Oberfeld dem Verein ein Grundstück kostenlos zur Verfügung stellte, wurde der Traum der neuen Halle greifbar. Jetzt sind die Arbeiten bereits soweit fortgeschritten, dass voraussichtlich in der nächsten Woche die Aufrichte stattfindet. Das Gebäude soll am 15. Mai 2021 eröffnet werden. Alles wird grösser, besser, schmissiger. Aus dem Namen «Röseligarten» wird «Rontaler Trainingscenter». Die Sägemehlfläche misst neu 200 Quadratmeter, was bedeutet, dass sechs bis acht Schwinger-Paare gleichzeitig trainieren können. Es gibt genügend Platz für Zuschauer, vergrösserte Garderoben und Duschen sowie Aufenthalts- und Nebenräume.

Nochmals in den «kleinen Keller» steigen

Philipp Fässler sagt: «Wir werden viel bessere Voraussetzungen haben. Die Halle ist eine Chance, die Jungschwinger bei der Stange halten zu können bis sie Aktivschwinger sind.» Fässler spricht dabei ein Hauptproblem des Schwingsports an. An Nachwuchs mangelt es nicht. Nur springen die Schwinger oft ab, bevor sie 18-jährig und im Aktivenalter sind. Das neue Trainingscenter kostet etwa eine Million Franken. Dreiviertel des Betrags wird von Sponsoren generiert, der Rest durch die Bank. Sobald der Rohbau fertig ist, werden auch die Schwinger mithelfen. Der Innenausbau wird grösstenteils durch die vielen Handwerker im Klub getätigt.

Bis die Halle definitiv in Betrieb genommen werden kann, dauert es fast ein Jahr. Bis dahin bleibt den Schwingern nichts anderes übrig, als wieder in den «kleinen Keller» zu steigen.

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