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Die Angst des Elfmeterschützen vor dem Nicht-Schiessen-Dürfen

Sportredaktor Turi Bucher zum Penalty-Streit zwischen Neymar und Cavani.
Wenn zwei (rechts Edinson Cavani, Mitte Neymar) sich streiten, dann schiesst der Erste. (Bild: Christophe Simon/AFP (Paris, 17. September 2017))

Wenn zwei (rechts Edinson Cavani, Mitte Neymar) sich streiten, dann schiesst der Erste. (Bild: Christophe Simon/AFP (Paris, 17. September 2017))

Wie haben wir als Kinder auf dem Schulhausplatz oder vor dem Garagentor gestritten: Es ging darum, wer den Penalty schiessen darf.

Der Penalty. Der Elfmeter. Der Strafstoss. Was für eine wunderbare Erfindung. Wikipedia erklärt uns: «Der Strafstoss wurde 1891 in Irland erfunden. Als Erfinder gilt der Leinenfabrikant und Sportsmann William McCrum, der als Torhüter von 1890 bis 1891 beim Milford Everton FC in der Irish Football League zwischen den Pfosten stand. Der Strafstoss war als Ausgleich gedacht, wenn der Gegner absichtlich ein Bein stellt oder tritt. Noch im gleichen Jahr schlug die irische FA vor, den Strafstoss allgemein einzuführen, was nach einigen Debatten auch geschah.»

Ich bin übrigens auch ein totaler Verfechter des Penaltyschiessens nach der unentschiedenen Verlängerung. Viele, Fans, Journalisten und selbst renommierte Trainer, bemühen im Falle des Elfmeterschiessens ja gerne das Wort «Lotterie». Wahrscheinlich jene Trainer, die mit ihrem Team besonders viele Penaltyschiessen verloren haben. Wieso eigentlich Lotterie? Hier zeigt sich, welche Spieler nach 90 und weiteren 30 Minuten noch die Nerven haben, den Sieg für ihr Team zu realisieren. Oder welcher Torhüter mit seinen Händen zum Helden wird.

Der Penalty und das Penaltyschiessen haben viele Geschichten geschrieben. Antonin Panenkas Lupfer; Roberto Baggios oder Uli Hoeness’ Finalschüsse in den Himmel; Johan Neeskens’ Hammer; der Penalty-Salto des finnischen Baar-Junioren Joonas Jokinen, der indirekte Penalty von Lionel Messi und Luis Suarez. Da war auch noch das Buch «Die Angst des Tormanns beim Elfmeter» von Peter Handke, wenngleich kein Fussballroman.

Jetzt haben sie beim Champions-League-Klub Paris Saint-Germain ein ganz neues Penalty-Kapitel geschrieben. Der Auslöser für die neue Penalty-Polemik war ein Disput auf dem Spielfeld, als der Brasilianer Neymar und der Uruguayer Edinson Cavani sich darum stritten, wer nun gegen Olympique Lyonnais den Penalty treten dürfe. Cavani bestand auf seinem Vorrecht, weil er schon vor Neymars Rekordtransfer nach Paris PSG-Penaltyschütze war. Also nahm Cavani gegen Lyon Anlauf zum Elfmeterpunkt ... und verschoss. Das aber ist noch gar nicht die eigentliche Penalty-Pointe.

Denn hinterher begab es sich offenbar, dass PSG-Klubpräsident Nasser Al-Khelaifi das Penalty-Vorrecht Cavani abzukaufen versuchte, und zwar zu Gunsten von Neymar. Der Preis: 1 Million Euro! Cavani habe das Angebot ausgeschlagen. Die Zeitung «L’Equipe» berichtete mit der dicken Schlagzeile «Le Clash» vom Vorfall und wusste, dass nach dem Spiel gegen Lyon Captain Thiago Silva in der Umkleidekabine schlichtend hatte eingreifen müssen, um eine körperliche Auseinandersetzung zwischen Neymar und Cavani zu verhindern. Unterdessen meldete sich auch Trainer Unai Emery zu Wort: «Eigentlich entscheidet immer noch der Trainer, wer den Penalty schiesst.» Gestern, im Heimspiel gegen Bordeaux, durfte tatsächlich Neymar den Penalty schiessen.

Nun, damals auf dem Pausenplatz haben wir den Konflikt weder mit Franken noch mit Rappen lösen können. Dafür war das Sackgeld schlicht zu knapp. Was habe ich nur an Glasmurmeln und Kaugummis an jene zwei, drei Mitschüler abgeliefert, die glaubten, sie könnten den Penalty genauso gut schiessen wie ich ...

Übrigens, und dies zum Schluss, der Redaktionskollege, der sich weiterhin unbeirrt und unbelehrbar im Seniorenfussball versucht, hat unterdessen auch noch angeboten, «seinen» Penalty zu verkaufen. So wie ich die fussballerischen Fähigkeiten von R.* einschätze, rate ich den Teamkollegen deshalb dringend, den offerierten Penaltyanspruch zu erwerben.

* Name der ganzen Redaktion bekannt

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