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Die Auferstehung des Football-Wunderkind Andrew Luck

Andrew Luck war ein Wunderkind des American Football. Eine Verletzung setzte ihn fast zwei Jahre ausser Kraft, doch nun greift er mit den Indianapolis Colts nach dem Titel – es ist die Comeback-Geschichte des Jahres.
Nicola Berger
Ist in guter Form: Andrew Luck (Nummer 12). (Bild: Eric Christian Smith/AP (Houston, 5. Januar 2018))

Ist in guter Form: Andrew Luck (Nummer 12). (Bild: Eric Christian Smith/AP (Houston, 5. Januar 2018))

Es ist noch nicht lange her, ein Jahr, da kreisten die Gedanken von Andrew Luck um ein Leben nach dem Football, um Rücktritt. Luck, 29, kämpfte mit ebenso mysteriösen wie hartnäckigen Schulterverletzungen, eine davon eingefangen beim Snowboarden, sein Körper erholte sich einfach nicht. Luck, Sohn des früheren NFL-Quarterbacks Oliver Luck und die Nummer-1-Selektion des Drafts von 2012, sah keine Perspektive mehr. Während seiner Karriere hatte er viele Verletzungen erlitten, einmal wurde seine Niere zerquetscht, er urinierte danach Blut. Alles schüttelte er ab, doch diese Schultersache fühlte sich anders an. Er sagt: «Ich hatte Angst davor, je wieder Football zu spielen.» Und der Colts-Besitzer Jim Irsay sagt über jene Zeit: «Andrew ging durch die Hölle.»

Luck reiste nach Europa, um auf andere Gedanken zu kommen, weil das in Indianapolis nicht möglich war: Bei den Colts drehte sich alles um ihn, den wichtigsten Einzelspieler der Organisation, er wurde jeden Tag gefragt: Wann kehrst du zurück? Aber Luck hatte keine Antwort darauf, er hoffte, die Schmerzen würden endlich verschwinden, ­irgendwann und einfach über Nacht, aber es passierte nicht; die Verzweiflung wuchs.

Die Tugend der Bescheidenheit

Luck lebte als Kind in England und Deutschland, und vielleicht hat die Sozialisierung in Europa etwas damit zu tun, dass er so etwas wie der Gegenentwurf zum oft grotesk-peinlichen Machogehabe in der NFL ist. Allüren sind ihm fremd, er interessiert sich nicht für wichtigtuerische Selbstvermarktung auf den sozialen Medien und ist seit über zehn Jahren mit seiner Freundin zusammen, die er an der Univer­sität kennen lernte. Zum «Indy 500», einem der wichtigsten Motorsportevents der Welt, radelt er gemütlich mit dem Fahrrad.

Luck ist nicht einer dieser Männer, die im Leben ausser Football nichts haben und die irgendwann zu Sozialfällen werden. Aber angesichts seines Talents wäre sein Rücktritt eine Schande gewesen. Bei den Colts hatte Luck 2012 den wichtigsten Spieler der Klubgeschichte ersetzt, Peyton Manning, und niemand kam auf die Idee, das künftige Hall-of-Fame-Mitglied zu vermissen.

Noch drei Siege bis zur Superbowl

Während die Colts 2017 ohne ihre Lichtgestalt eine Saison zum Vergessen erlebten, stellten sich bei Luck in den Niederlanden langsam Erfolge ein, nachdem er monatelang keinen Football mehr angerührt hatte, erholte sich die Schulter. Es war der Auftakt zum Comeback des Jahres, zu einer dieser Feelgood-Stories, wie Amerika sie liebt. Die Colts verpatzten den Saisonstart unter dem neuen Trainer Frank Reich völlig. Von den ersten sechs Spielen verloren sie fünf, die Buchmacher boten zu jenem Zeitpunkt eine Quote von 3000:1 auf einen Superbowl-Sieg der Colts an. Doch nun fehlen Indianapolis nur noch zwei Siege zum Einzug in das grosse Finalspiel vom 3. Februar in Atlanta. Am Wochenende besiegten sie die Houston Texans mit 21:7 und reisen nun am Samstag nach Kansas City, um sich mit dem jungen Quarterback-Phänomen Patrick Mahomes und den erstarkten, im Playoff aber regelmässig versagenden Chiefs zu messen.

Es kann sein, dass die favorisierten Chiefs für die Colts als zu stark erweisen werden. Doch die Saison ist für Indianapolis schon jetzt ein Triumph: Der General Andrew Luck ist zurück. Und wer ihn in diesen Tagen die Felder rauf- und runtermarschieren sieht, kann zum Schluss kommen, dass der neue Luck noch besser ist als der alte.

Riesenpech für Chicagos Parkey

Die Chicago ­Bears haben in der NFL den Viertelfinal um Zentimeter verpasst. Zehn Sekunden waren noch auf der Uhr, als Kicker Cody Parkey anlief – es hiess alles oder nichts. Gebannt schauten Fans, Spieler, Trainer und Schiedsrichter dem fliegenden Ei hinterher – das ­segelte erst vor die linke Seitenstange des Tores, fiel dann auf die Querstange und wieder zurück auf das Feld. Kein Glück, kein Sieg, die Bears sind draussen.
Der Fehlschuss aus 43 Yards kostete sein NFL-Team den Einzug in den Viertelfinal der Playoffs. «Die Niederlage geht auf meine Kappe. Ich fühle mich schrecklich», sagte Parkey nach dem bitteren Aus durch das 15:16 gegen die Philadelphia Eagles. Der Super-Bowl-Champion blieb dank des Sieges damit unverhofft im Titelrennen. (sid)

NFL-Playoffs. Divisional Round. AFC. Samstag: Kansas City Chiefs (1.) – Indianapolis Colts (6.) (22.35 Uhr, live auf ProSieben). – Sonntag: New England (2.) – Los Angeles Chargers (5.) (19.05, ProSieben Maxx). – NFC. Sonntag: Los Angeles Rams (2.) – Dallas Cowboys (4.) (02.15, ProSieben). New Orleans Saints (1.) – Philadelphia Eagles (6.) (22.40, ProSieben).

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