Pyeongchang

Die Baumeister: Die Skicrosspiste von Olympia wurde im Herbst in Saas-Fee nachgebaut um jetzt Erfolge zu feiern

Die Schweizer Equipe hat mehr getan als alle anderen und will nun den Lohn dafür. Die exakte Nachbildung der Olympia-Piste im Skicross soll den Schweizern den entscheidenden Vorteil verschaffen. Wenn sich denn alle an die Regeln halten...

Martin Probst, Pyeongchang
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Die Schweizer Skicrosser Alex Fiva (Mitte) und Marc Bischofberger (l.) wollen an den Olympischen Spielen überzeugen.

Die Schweizer Skicrosser Alex Fiva (Mitte) und Marc Bischofberger (l.) wollen an den Olympischen Spielen überzeugen.

KEYSTONE

Am Anfang stehen ein 3D-Modell und eine verrückte Idee. Es ist Sommer 2017 und der Schweizer Skicross-Chef Ralph Pfäffli sagt zu seinem Trainerkollegen Enrico Vetsch: «Warum bauen wir die Olympia-Piste von Südkorea nicht eins zu eins in der Schweiz nach?»

Was verrückt klingt, wird Tatsache. Vetsch erzählt: «Wir haben einen Pistenfahrzeug- und einen Bagger-Hersteller mit der Idee konfrontiert. Beide waren begeistert und stellten uns je ein Arbeitsgerät gratis zu Verfügung.»

Es ist Herbst. Nach dem Training mit dem Team am Morgen, bauen Pfäffli und Vetsch den Kurs. Mehre Wochen lang bewegt der Chef den Pistenbully und der Assistent den Bagger. Mit dem Resultat, dass eine Eins-zu-Eins-Kopie der Olympia-Strecke in Saas-Fee entsteht.

Ralph Pfäffli

Ralph Pfäffli

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Die Senkrechtstarter

«Unglaublich, was sie geleistet haben», sagt Mike Schmid. Der Skicross-Olympiasieger von 2010 ist ebenfalls Trainer im Team. «Doch geschuftet an der Piste haben die andern.» Schon bei Schmids Gold vor acht Jahren bildete ein Nachbau die Basis dafür.

Die berüchtigten Steilwandkurven der Piste in Vancouver wurden von Swiss Ski in Zusammenarbeit mit dem Institut für Schnee- und Lawinenforschung exakt nachgebaut. Mit dem Resultat, dass Schmid sie besser beherrschte als alle seine internationalen Konkurrenten.

Am Mittwoch im Skicross-Wettkampf der Männer in Pyeongchang sollen nun wiederum die Vorbereitungsarbeiten für den Unterschied sorgen. Dieses Mal wurde ein besonderes Augenmerk auf den Start gelegt. Denn es geht fast senkrecht los und das haben die Schweizer in Saas-Fee simuliert. Marc Bischofberger, aktuell Führender im Gesamtweltcup sagt: «Ich bin überzeugt, dass wir von der Vorbereitung profitieren können.»

Enrico Vetsch

Enrico Vetsch

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Zwar entspricht die Original-Strecke nun nicht ganz exakt dem ersten Modell, das Pfäffli und Vetsch nachbauten, trotzdem ist man im Schweizer Team überzeugt, dass diese die Baumeister für den Erfolg sind.

Pfäffli sagt: «Wir sind von Anfang an davon ausgegangen, dass es Abweichungen geben wird. Doch das schmälert unseren Vorteil nicht.» Enrico Vetsch pflichtet ihm bei: «Wir Schweizer haben im Bereich der Vorbereitung viel mehr getan als alle anderen Nationen.»

Überhaupt hat sich die Skicross-Equipe akribisch auf den Wettkampf vorbereitet. Nach einigen Trainingstagen in Südkorea und der Teilnahme an der Eröffnungsfeier ist das ganze Team (die Frauen starten am Freitag) nach Japan geflogen, um Abstand zu gewinnen. «Wir haben im konditionellen Bereich gearbeitet, aber vor allem unsere Köpfe am Strand beim Kitesurfen und Schnorcheln freibekommen», sagt Bischofberger.

Mike Schmid

Mike Schmid

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Der Gegner als Restrisiko

Das Schweizer Team hat alles dafür getan, um auf die Enttäuschung von Sotschi zu reagieren. An den Winterspielen 2014 war der beste Schweizer auf Rang sieben klassiert. Enrico Vetsch warnt aber sofort: «Anders als ein Dario Cologna in Topform, der sich im Einzel nur selbst schlagen kann, haben unsere Athleten in jedem Lauf drei Gegner, die unberechnbar sind.» Das ist die grösste Sorge im Schweizer Team. «Die Rennen wurden aggressiver und vereinzelt haben junge Athleten der Konkurrenz die Grenzen des Erlaubten überschritten», sagt Pfäffli.

Mitfavorit Bischofberger pflichtet ihm bei: «Ich mag Körperkontakt, das gehört zu unserem Sport dazu. Aber alles muss innerhalb der Regeln passieren.» Sonst enden die Schweizer Medaillen-Träume und die Extraarbeit der Baumeister wäre umsonst gewesen. «Daran will gar niemand denken», sagt Mike Schmid. Er weiss, wie man Gold gewinnt.