Die Biathletin Lena Häcki will weniger impulsiv sein und dafür mehr Treffer landen

Ende Monat startet der Weltcup der Biathleten. Auf der Engelbergerin Lena Häcki ruhen nach ihren Vorjahreserfolgen grosse Hoffnungen.

Jörg Greb
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Lena Häcki, hier am Dienstag auf der Lenzerheide.

Lena Häcki, hier am Dienstag auf der Lenzerheide.

Claudio Thoma / freshfocus

Die Trainerin bringt auf den Punkt. Sandra Flunger sagt: «Lena hat sich weiterentwickelt. Sie ist cooler geworden am Schiessstand und sie hat Fortschritte erzielt im Umgang mit ihren Emotionen.» Soll heissen, Lena Häcki hat einen Weg gefunden im Umgang mit ihrer impulsiven Persönlichkeit. Diese soll ihr beim Schiessen fortan weniger im Weg stehen. Verteufeln wird die 25-Jährige diesen Charakterzug aber nicht. Die Fähigkeit einen Killerinstinkt zu entwickeln, hat sie nämlich schon zu Klasseresultaten geführt. Der sensationelle Weltcup-Einzel-Podestrang vor dem letzten Jahreswechsel sowie die zwei historischen Staffelrennen aufs Podest, die sie als Schlussläuferin realisierte, unterstreichen dies. Aber, so Häcki:

«Ich kann auch zu viel wollen, ich überborde, und das Ganze endet mit einer Enttäuschung.»

Die Obwaldnerin will diesem Divergierenden entgegentreten. «Mehr Konstanz auf der Schiessanlage und schliesslich in den Schiessresultaten», nimmt sie sich vor. Bei der Analyse des vergangenen Winters hat sie mit Flunger ein weiteres Manko zu Tage gefördert: die Formsteuerung. Sie klappte mässig. Bei den Weltmeisterschaften im Februar war der Leistungszenit bereits deutlich überschritten. «Das versuchten und versuchen wir auf diesen Winter hin zu vermeiden», sagt Häcki. Weil sie «sehr schnell und sehr gut auf intensive Trainingsreize reagiert», hat Flunger diese Einheiten vorerst weniger akzentuiert. Der Vorteil dabei: Nicht nur Häcki hat sich als Athletin mit diesem Merkmal herauskristallisiert, sondern auch ihre Schweizer Teamkolleginnen, allen voran die drei Gasparin-Schwestern.

Lena Häcki schenkte im Training dem Schiessen noch mehr Aufmerksamkeit. Mit Erfolg. Genaue Ziele zu formulieren fällt der ehemaligen Mathematik-Studentin dennoch schwer. Die Frage, wo genau sie sich befindet im Vergleich mit der internationalen Konkurrenz, ist in diesem speziellen Corona-Jahr noch schwieriger zu beantworten. Und noch unklarer scheint, was diese Situation bezüglich des Biathlon-Winters bedeutet. Häcki nimmts möglichst gelassen: «Meine Formkurve soll sich entwickeln», sagt sie.

Pendeln zwischen Ruhpolding und Lenz/Lantsch

Vorbereitet hat sich Häcki fast – sofern sich das so sagen lässt – wunschgemäss und planmässig. Nach dem Saisonschluss verbrachte sie einen Grossteil ihrer Saisonpause in Deutschland. Und Ruhpolding, dem deutschen Biathlon-Stützpunkt, blieb sie bis jetzt häufig treu. Mit ihrem Freund und Verlobten Marco Gross kann sie so zusammenleben und trainieren. In Bayern erhielt sie wie schon früher die Möglichkeit, sich den Deutschen anzuschliessen – und trotzdem nach den Plänen von Flunger zu arbeiten. Für die Trainingslager der Schweizerinnen fuhr sie jeweils nach Lenz/Lantsch.

Umsetzen konnte Häcki so die Absicht, möglichst wenig unterwegs zu sein. Das Setting passte: Die Trainingsresultate und -tests stimmen zuversichtlich. Und trotz weniger Kontakte fühlt sich Häcki gut. Gespannt blickt sie dem Winter entgegen – trotz Corona. In «Blasen» wird sie sich bewegen, umgeben mit wenigen, immer denselben Leuten und begleitet wohl von immer wieder Unvorhersehbarem und Umstellungen. «Alle, die sich vorzüglich anpassen können, werden reüssieren», sagt sie. Ob Häcki auch dazuzählt? Die nächsten Wochen und Monate werden es zeigen. Ihr Wunschszenario: Topresultate an den WM in Poljuka (Slo) Mitte Februar.