Olympia-Kolumne
Die Bitte des Siegers

Im olympischen Training kann Eisschnellläufer Livio Wenger aus Schenkon mit einem prominenten Athleten trainieren. Für das Massenstartrennen am Samstag ist er bestens vorbereitet.

Livio Wenger
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In den letzten Tagen habe ich den Medical-Staff von Swiss Olympic ein wenig beschäftigt. Eine Erkältung hat mich erwischt. Aber bis Samstag habe ich das im Griff und das Trainingsprogramm konnten wir wie geplant durchziehen. Die Materialabstimmung ist nun definitiv vollzogen und ich bin zuversichtlich, dass ich am Samstagmorgen meine Höchstleistung abrufen kann. Das hoffe ich auch für meine Schwester Nadja, die eine Finalqualifikation anstrebt.

Livio Wenger beim olympischen 5000-Meter-Rennen.

Livio Wenger beim olympischen 5000-Meter-Rennen.

Bild: Keystone (Peking, 6. Februar 2022)

Die letzten Trainings fanden mit einem prominenten Gast statt. Seung Hoon Lee, der amtierende Olympiasieger aus Südkorea, hat unsere Gruppe angefragt, ob er mit uns trainieren könne. Es war ein Glücksfall für mich, denn Lee ist ein absoluter Top-Favorit für die Goldmedaille in der Disziplin Massenstart. Ich konnte viel von den ultraschnellen Runden mit ihm profitieren und er musste seine Runden nicht alleine laufen. Da er vom Short Track kommt, ist seine Kurventechnik auf der engen Massenstart-Bahn überragend. Zusammen konnten wir schnelle Zeiten realisieren.

Es geschieht nicht alle Tage, dass der Olympiasieger jemanden für gemeinsame Trainings anfragt. Normalerweise ist das Umgekehrte der Fall. Die Anfrage edelt auch meinen Trainer Kalon Dobbin, mit dem ich in den letzten Tagen verschiedene Rennstrategien besprochen und durchgespielt habe. Zuerst muss ich mich aber am frühen Samstagmorgen für den Final qualifizieren. Auch der Vorlauf muss sehr konzentriert gelaufen werden, da unglaublich viele Top-Läufer am Start sind.

Zwischen Vorlauf und Final gibt es eine Stunde Pause. In der gilt es, den Laktatwert in der Muskulatur wieder zu senken. Ich setze mich dann jeweils aufs Velo und versuche, die Taktik für den Final noch einmal durchzuspielen. Ich hoffe, dass sich die Holländer auch qualifizieren, dann wird es eher ein offensives Rennen geben, was mir entgegenkommt. Denn Bummelrennen sind mit den damit verbundenen Positionskämpfen immer heikel. Spektakel ist so oder so garantiert und ich freue mich sehr über die Unterstützung aus der Schweiz.

Zur Person

Livio Wenger

Livio Wenger

Eisschnellläufer Livio Wenger (29) stammt aus Schenkon. Im Januar hat er an der EM Silber im Massenstart gewonnen – die erste Schweizer Medaille bei einem Grossanlass.