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Die bitterste Niederlage für Wendy Holdener

Wendy Holdener (25) führt nach dem ersten Lauf im WM-Slalom. Doch dann unterläuft der Schwyzerin ein kapitaler Fehler. Die Enttäuschung ist riesig.
Claudio Zanini, Åre
Enttäuscht am Boden nach dem missglückten zweiten Lauf: Wendy Holdener. (Bild: Sven Thomann/Freshfocus (Åre, 16. Februar 2019))

Enttäuscht am Boden nach dem missglückten zweiten Lauf: Wendy Holdener. (Bild: Sven Thomann/Freshfocus (Åre, 16. Februar 2019))

Die Helfer schoben eilig die Sponsorenwand in den Zielraum. Mikaela Shiffrin, Anna Swenn Larsson und Petra Vlhova stellten sich davor, reckten die Arme in die Höhe, pure Glückseligkeit. Wenige Meter davon entfernt sass Wendy Holdener am Boden. Mit hängendem Kopf. Die Szene wirkte wie eingefroren. Als hätte man ihr den Stecker gezogen.

Holdener hatte eine dramatische Niederlage eingesteckt. Im wichtigsten Rennen des Jahres. Keine Goldmedaille, kein Silber, keine Bronze, gar nichts. Dafür über fünf Sekunden Rückstand auf Shiffrin. Wegen eines Fehlers nach wenigen Schwüngen im alles entscheidenden Lauf. Holdener verpasste ein Tor, drehte sich einmal um die eigene Achse und fuhr weiter. Das Manöver kostete über vier Sekunden, das Podest war auf einen Schlag unerreichbar. Auf der Tribüne sackten die Anhänger des Fanclubs in sich zusammen. Ihre Mutter schlug die Hände vors Gesicht.

Es hätte ein furioser WM-Abschluss für Holdener werden können. Sie hätte erstmals einen Slalom gewinnen und Mikaela Shiffrin schlagen können. Holdener stieg als Führende in den zweiten Lauf, doch sie riskierte zu viel. Ein Muster, das nicht unbekannt ist. Zum dritten Mal ging Holdener als Führende in den zweiten Durchgang, zum dritten Mal verpasste sie den Sieg. Letztmals vor einem Jahr im Olympiaslalom. Die verheissungsvolle Ausgangslage machte sie nervös. Am Ende musste sie sich Frida Hansdotter geschlagen geben und holte Silber. Auch im WM-Slalom löste die Leaderposition Stress aus. «So locker wie vor dem ersten Lauf bin ich jetzt nicht mehr», sagte sie in die Fernsehkamera.

Nach dem Rennen war die Stimme zitternd geworden. Sie habe die Nervosität in den Griff bekommen vor dem zweiten Durchgang. «Ich habe mich super gefühlt. Ich kann mir nichts vorwerfen.» Was im zweiten Lauf schief­gelaufen sei, fasste sie so in Worte: «Ich habe voll angegriffen, dann ist mir der Aussenski weggerutscht, das Rennen war für mich sozusagen gelaufen.» Sozusagen, sagte sie. Es gibt wohl einfachere Dinge, als eine grosse Enttäuschung zu erleben und diese Enttäuschung gleichzeitig analysieren zu müssen.

Mit Muse auf die Ochsentour

Wendy Holdener scheidet so gut wie nie aus im Slalom. In den letzten fünf Jahren hatte sie fünf Ausfälle. Ob ihr vielleicht die Frische gefehlt habe, nach dem ­intensiven WM-Programm mit fünf Renneinsätzen, wird sie gefragt. «Nein, ­Erschöpfung war es nicht», sagte Hol­dener. «Ich war super drauf heute. Ich würde es wieder so machen in anderen Jahren. Ich glaube nicht, dass das Ausscheiden etwas mit meinem Programm zu tun hat.» Es wäre ein Leichtes gewesen für Holdener, sich nach einem ersten Fernsehinterview aus dem Staub zu machen. Doch die 25-Jährige stellte sich der Ochsentour durch die Mixed Zone.

Der Slalom hätte die WM-Bilanz veredeln können. Gut ist die Ausbeute so oder so. Mit zwei Goldmedaillen aus Kombination und Teamevent wird sie nach Hause reisen. Es ist zur Normalität geworden, dass Holdener mehr als eine Medaille bei Grossanlässen gewinnt. Bei den Winterspielen in Südkorea gewann sie Gold (Team), Silber (Slalom) und Bronze (Kombi). In St. Moritz bei der WM holte sie Gold (Kombi) und Silber (Slalom).

Irgendwann kam im Zielraum doch wieder Leben in den Körper von Wendy Holdener. Sie applaudierte noch am Boden hockend den drei Medaillengewinnerinnen zu. Eine bemerkenswerte Geste. Holdener zeigte Grösse. Im Moment ihrer bittersten Niederlage.

Åre (SWE). Slalom der Frauen: 1. Shiffrin (USA) 1:57,05. 2. Swenn Larsson (SWE) 0,58 zurück. 3. Vlhova (SVK) 1,03. 4. Liensberger (AUT) 1,43. 5. Hansdotter (SWE) 2,39. 6. St-Germain (CAN) 2,60. 7. Huber (AUT) 2,80. 8. Truppe (AUT) 2,93. 9. Schild (AUT) 3,41. 10. Mielzynski (CAN) 3,54. 11. Dürr (GER) 4,25. 12. Remme (CAN) 4,33. 13. Noens (FRA) 4,48. 14. Säfvenberg (SWE) 51,4. 15. Aline Danioth (SUI) 5,17. – Ferner: 17. Wendy Holdener (SUI) 5,26.

1. Lauf: 1. Holdener 57,08. 2. Swenn Larsson 0,11. 3. Shiffrin 0,15. 4. Liensberger 0,27. 5. Vlhova 0,46. 6. Hansdotter 0,56. – Ferner: 17. Danioth 3,07. – 97 Fahrerinnen gestartet, 60 klassiert.

2. Lauf: 1. Shiffrin 59,82. 2. Swenn Larsson 0,62. 3. Vlhova 0,72. – Ferner: 7. Liensberger 1,31. 17. Hansdotter 1,98. 21. Danioth 2,25. 32. Holdener 5,41. – 58 Fahrerinnen gestartet, 52 klassiert.

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