Die Chamer Curlerin Briar Hürlimann erlebt Sternstunden

Das Curling Team Oberwallis um Skip Elena Stern vertritt die Schweiz an der WM in Kanada. Zwei Zugerinnen sind ebenfalls mit dabei.

René Barmettler
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Der letzte Stein für das Team Oberwallis sitzt: Briar Hürlimann schreit ihre Freude über den Schweizer Meistertitel in die Welt hinaus.

Der letzte Stein für das Team Oberwallis sitzt: Briar Hürlimann schreit ihre Freude über den Schweizer Meistertitel in die Welt hinaus.

Céline Stucky Photography / Aargauer Zeitung

Es ist Samstagabend, 15. Februar, kurz vor 20.00 Uhr: Die Chamerin Briar Hürlimann gibt in der Thuner Curlinghalle den letzten Stein für das Team Oberwallis ab. Mit diesem sichert sie ihrer Equipe den Schweizer-Meister-Titel. Jubelnd kniet sie auf dem Eis und schreit ihre Freude in die Welt hinaus. Alles fällt in diesem Augenblick ab von ihr: der Druck, den sie sich selber auferlegt hat und die Anspannung. «In diesem Moment dachte ich an die harte Arbeit und an das, was wir an Zeit investiert haben. Und die Freude darüber, dass ich mir meinen Traum verwirklichen kann, die Schweiz an einer WM zu vertreten.»

Der 6:4-Finalsieg über die favorisierten Aarauerinnen um Skip Silvana Tirinzoni war nicht mehr die ganz grosse Überraschung. Oberwallis mit Skip Elena Stern schlug das Team, das vor einem Jahr Weltmeister in Silkeborg (SWE) geworden war, bereits vor dem Final zwei Mal an diesen Meisterschaften.

Der Jüngste der Familie muss zu Hause bleiben

Die am kommenden Samstag beginnende Weltmeisterschaft im kanadischen Prince George wird für die aufstrebende Equipe der erste internationale Titelkampf sein. Sie flog am Montag ab, um in Vancouver ein viertägiges Trainingslager abzuhalten. Heute Donnerstag trifft es am WM-Austragungsort ein, der rund 500 Kilometer nördlich von Vancouver liegt und mit rund 80000 Einwohnern ähnlich gross wie die Stadt Luzern ist. Hier möchte die 26-jährige Briar Hürlimann mit ihrem Team weitere Sternstunden in ihrer Karriere erleben. Zusammen mit ihrer Schwester Corrie (21), die ins Team nachnominiert wurde. «Wir entschieden uns für sie, weil sie bei einem Ausfall alle Positionen spielen kann, ausserdem ist sie Skip vom Zuger Team.» Die Zugerinnen mit Corrie Hürlimann wurden an den nationalen Meisterschaften Siebte. Wie ihre Schwester sagte sie: «Ich freue mich vor allem, zum ersten Mal die Schweiz vertreten zu dürfen. Ich werde viel von den zahlreichen Erfahrungen und der ganzen WM-Atmosphäre profitieren können.»

Als Fans mit von der Partie sind auch ihre Eltern: Vater Patrick wurde 1998 Curling-Olympiasieger in Nagano. Mutter Janet ist gebürtige Kanadierin, war Briars langjährige Trainerin und unterstützt das Team in technischen Bereichen. Einzig Bruder Dean (16) muss zu Hause bleiben. Die Arbeit und die Juniorenmeisterschaften in Adelboden (13.–15. März) rufen.

Oberwallis will das Quartett zu Olympia 2022 pushen

Briar Hürlimann hat 2018 ihre Ausbildung an der Pädagogischen Hochschule in Zug abschlossen, unterrichtet nun in Lotzwil nahe Langenthal an der Primarschule 5.- und 6.-Klässler. Die Trainings finden im Nationalen Leistungszentrum in Biel statt. 2017 wechselte sie vom CC Wetzikon zum CC Oberwallis. Damals erhielt Brig neu eine Curlinghalle. Der Klub will seine besten Athleten an die Olympischen Spiele 2022 pushen. «Es ist für beide Seiten optimal: Der Klub unterstützt uns in unseren sportlichen Bestrebungen, umgekehrt wird das bis anhin im Curling unbeschriebene Blatt Wallis nun dafür bekannt gemacht», begründet Briar Hürlimann den Wechsel, der sich nun ein erstes Mal ausgezahlt hat.

Als Juniorin hat sie auf internationaler Ebene bereits einen Erfolg vorzuweisen: An den WM 2015 gewann sie an der Seite der Zugerin Raphaela Keiser Bronze. Eine WM-Medaille soll es auch heuer werden. «Wenn wir an die Leistung anknüpfen, die wir in Thun vollbrachten, liegt vieles drin. Vorerst gilt es aber, in der Qualifikation unter die besten sechs Teams zu kommen.» Falls das gelingen sollte, winken dem Team um Skip Elena Stern weitere Sternstunden.

Auf Punktejagd für Olympia 2022

Das Team Oberwallis erwartet eine lange WM mit zwölf Vorrundenspielen. «Die Top-6-Teams kommen in die Playoffs, das ist unser primäres Ziel. Wenn die Playoff-Phase erreicht ist, dann ist alles möglich, natürlich auch eine Medaille», sagt Skip Elena Stern. Internationale Erfahrungen bringen Elena Stern (25, Zürich), Céline Koller (24, Adelboden), Lisa Gisler (25, Olten) und Briar Hürlimann von Juniorinnen-WM, Mixed-WM und Grand Slam-Turnieren in Kanada mit. An der WM geht es für Swisscurling um Punkte für die Quotenplätze im Hinblick auf die Olympischen Spiele 2022. Weitere Punkte gibt es nächstes Jahr an der Heim-WM in Schaffhausen zu holen. Ziel ist die direkte Qualifikation für die Olympischen Spiele über einen der sieben Quotenplätze. (reb)