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Im Ausdauersport dominieren die Älteren

Bei Langstreckenrennen sind die besten Athleten meist über 30 Jahre alt. Das ist vor allem erstaunlich, weil der Körper dann eigentlich seine Blütezeit hinter sich hat.
Claudio Zanini
Es ist nie zu spät, mit Ausdauersport zu beginnen: Impression vom Luzerner Swiss City Marathon 2017. (Bild: Roger Grütter (Horw, 29. Oktober 2018))

Es ist nie zu spät, mit Ausdauersport zu beginnen: Impression vom Luzerner Swiss City Marathon 2017. (Bild: Roger Grütter (Horw, 29. Oktober 2018))

Gefeiert hatte an der Langdistanz-WM der Triathleten auf Hawaii vor allem die Generation Ü30. In den beiden Profi-Kategorien siegten die 31-jährige Solothurnerin Daniela Ryf und der 32-jährige Deutsche Patrick Lange. Auf den restlichen Podestplätzen waren ausser Lucy Charles alle 30 oder älter. Die Britin wurde Zweite bei den Frauen. Mit ihren 25 Jahren ist sie eine Ausnahme.

Betrachtet man die Teilnehmerzahlen in den verschiedenen Alterskategorien, liegt der Schluss nahe, dass die Ironman-Distanz eher nicht auf junge Athleten zugeschnitten ist. Während in der Kategorie der 18- bis 24-Jährigen nur 42 Männer teilnahmen, standen bei den 45- bis 49-Jährigen 301 Athleten am Start – sie bildeten die grösste Altersgruppe im gesamten Wettbewerb.

Was in der Ironman-Disziplin gilt, scheint im Marathon nicht anders zu sein. Den aktuellen Weltrekord lief Eliud Kipchoge vor einem Monat in Berlin. Der Kenianer wird Anfang November 34 Jahre alt und befindet sich wohl auf der Höhe seines Schaffens. Sein Landsmann Dennis Kimetto, der vor Kipchoge den Weltrekord hielt, war 30, als er ihn 2014 aufstellte.

Ferrari oder Marathon

Severin Trösch forscht an der Eidgenössischen Hochschule für Sport in Magglingen im Ausdauerbereich. Er sagt, es gebe keinen physiologischen Grund, der für eine bessere Leistungsfähigkeit von Über-30-Jährigen spreche. Grundsätzlich sei es schwer einzugrenzen, wann der Körper für Ausdauersport prädestiniert ist. «Eine haltbare Aussage ist, dass der Höhepunkt wohl zwischen 25 und 30 Jahren liegt.» Streng genommen hätten demnach die Spitzenathleten der Ironman-WM die körperlich besten Jahre bereits hinter sich. Trösch ist der Meinung, die Überlegenheit der Älteren über die Langdistanz habe vor allem einen demografischen Grund. «Eine übliche Karriere beginnt über die olympische Distanz. Dafür sind auch Verbandsstrukturen und Fördergefässe ausgerichtet. Die Athleten wechseln meist erst später auf Ironman.» Darum tummeln sich im Teilnehmerfeld viele ältere Sportler, während die talentierten Jungen sich auf die olympische Disziplin ausrichten.

Der Sportmediziner Patrik Noack sieht es ähnlich. Unter anderem hat er ein Mandat als Verbandsarzt bei Swiss Triathlon. Auch er betont, dass Ironman oft eine Fortsetzung der olympischen Karriere ist und darum die Athleten im Durchschnitt älter sind. Ein entscheidender Aspekt bei Ausdauersportarten sei jedoch auch die Erfahrung. Der Umgang mit fester und flüssiger Nahrung während des Rennens oder der zu haltenden Pace werde mit den Jahren perfektioniert. «Je extremer das Rennen, desto wichtiger ist die Erfahrung», sagt Patrik Noack und fügt hinzu: «Ich kann mich nicht erinnern, dass jemals ein Rookie den Gesamtsieg an der Tour de France holte.»

Die hohen Teilnehmerzahlen bei älteren Hobbysportlern dürften noch einen anderen Grund haben. Langdistanzrennen stehen bei vielen Menschen auf der «Bucket List»: Sie wollen einmal im Leben einen Marathon laufen, sich vielleicht sogar an einen Ironman wagen. Dass sich Leute im mittleren Alter manchmal ganz einfach neu erfinden wollen, bestätigt Patrik Noack: «Das erlebe ich häufig in Sprechstunden. Die einen kaufen sich in einer Midlife-Crisis einen Ferrari, die anderen laufen einen Marathon.» Es sei jedenfalls nie zu spät, um mit dem Ausdauersport zu beginnen, sagt er. «Es ist eine Frage der Zielsetzung. Ein Hobbysportler sollte sich ein realistisches Ziel setzen.»

10000 Franken für Ironman

Auch Viktor Röthlin, der ehemalige Spitzenläufer aus Kerns, erzielte seine grössten Erfolge erst nach 30. Das liege am Aufbau der Laufkarriere, erklärt Röthlin. «Distanzen sollte man mit dem Älterwerden steigern. Darum gibt es auch nicht so etwas wie Jugendkategorien im Marathon.» Der normale Weg eines Athleten startete zu seinen Aktivzeiten auf der Bahn. «Wer über 10 000 Meter nicht mehr zu den Schnellsten gehörte, wechselte zum Marathon», sagt Röthlin. Ein Wandel sei aber aktuell erkennbar, Marathonläufer würden tendenziell jünger werden, so sein Eindruck.

Warum bei der Ironman-WM auf Hawaii die Älteren in der Überzahl sind, habe auch einen finanziellen Grund, bemerkt Röthlin. «Für Qualifikation, Reise und Unterkunft gibt man schnell einmal 10 000 Franken aus, das kann sich nicht jeder leisten.» Beinahe geschenkt wirkt dagegen die Teilnahme am Marathon in Luzern (www.swisscitymarathon.ch) vom übernächsten Wochenende: 120 Franken kostet die Anmeldung.

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