Lucerne Regatta
Die Generalprobe für Olympia: Das müssen Sie zum Ruder-Weltcup in Luzern wissen

Nach dem Ausfall im letzten Jahr ist der traditionelle Ruder-Weltcup wieder zurück in Luzern - zwar ohne Zuschauer, dafür mit Schweizer Favoriten und einem speziellen Plakat. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum dreitägigen Wettkampf auf dem sogenannten Göttersee.

Claudio Zanini
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Bereits letztes Wochenende gab es auf dem Rotsee Ruderrennen. Jetzt schon wieder. Warum eigentlich?

Am vergangenen Wochenende fand eine Olympia-Qualifikationsregatta statt. Sie wird jeweils im Olympiajahr vor dem eigentlichen Weltcup durchgeführt. Es war die letzte Möglichkeit, sich für die Sommerspiele in Tokio zu qualifizieren. Von den beiden Schweizer Booten, die antraten, schaffte der Leichtgewichts-Doppelzweier mit der Zugerin Patrizia Merz und der in Luzern wohnhaften Waadtländerin Frédérique Rol die Qualifikation. An diesem Wochenende wird nun der Weltcup durchgeführt.

Pure Emotionen bei Patrizia Merz (links) und Frédérique Rol am vergangenen Wochenende. Am Weltcup werden sie nicht mehr am Start stehen.

Pure Emotionen bei Patrizia Merz (links) und Frédérique Rol am vergangenen Wochenende. Am Weltcup werden sie nicht mehr am Start stehen.

Detlev Seyb/Swiss Rowing

Welcher Stellenwert hat ein Weltcup im Rudern?

In diesem Jahr fokussieren sich selbstredend alle auf die Olympischen Spiele im Juli. Die drei Weltcups (Zagreb, Luzern, Sabaudia) sind aber auf dem Weg dorthin wichtige Gradmesser. Für viele Boote ist Luzern sogar die Olympia-Generalprobe. Jeannine Gmelin etwa, die im Einer in Tokio um eine Medaille rudern will, wird den Weltcup Anfang Juni in Sabaudia auslassen, weil die Reise mit einem erhöhten Infektionsrisiko einhergeht. Stattdessen absolviert sie einen längeren Trainingsblock. Nebst Olympia und Weltcup fand im April zum Saisonauftakt eine EM statt. Im Oktober soll es eine WM in Schanghai geben. Swiss Rowing will dann junge Athletinnen und Athleten zum Zug kommen lassen.

Qualifizierte sich am Freitag direkt für den Halbfinal: Jeannine Gmelin.

Qualifizierte sich am Freitag direkt für den Halbfinal: Jeannine Gmelin.

Andy Müller/Freshfocus

Wie viele Schweizer Boote stehen am Start und wie sind die Medaillenchancen?

Der Ruderverband lässt sich am Heimweltcup selbstverständlich nicht lumpen und schickt sogleich zehn Boote in sieben Bootsklassen ins Rennen. Es gibt drei Schweizer Paradeboote: Der Frauen-Einer (Jeannine Gmelin), der Doppelzweier (Roman Röösli/Barnabé Delarze) und der Vierer ohne Steuermann (Andrin Gulich, Joel Schürch, Paul Jacquot, Markus Kessler). Sie alle sind Medaillen-Kandidaten. «Der Heimvorteil wird uns zusätzlich motivieren», sagt der Luzerner Roman Röösli. Nebst den Flaggschiffen hat Sofia Meakin im Einer der Leichtgewichte reelle Chancen. In dieser nichtolympischen Bootsklasse hat sie vor zwei Wochen in Zagreb ihren ersten Weltcup-Sieg geholt.

Sofia Meakin bei der Medaillenübergabe in Zagreb.

Sofia Meakin bei der Medaillenübergabe in Zagreb.

Detlev Seyb/Freshfocus

Wie steht es um die internationale Konkurrenz?

Wegen der Pandemie hat es lange keine Duelle der internationalen Elite gegeben. In Luzern treffen nun erstmals seit der WM in Linz 2019 Teams aus Nord- und Südamerika sowie China auf die europäische Konkurrenz. Es gab aber auch Athletinnen und Athleten aus Übersee, die nur kurz für die Olympia-Qualifikationsregatta am letzten Wochenende in die Zentralschweiz kamen und direkt wieder abreisten.

Wie viele Athletinnen und Athleten aus der Zentralschweiz sind im Teilnehmerfeld?

Die Zentralschweizer Delegation im Kader von Swiss Rowing ist traditionell gross. Und das ist auch aktuell so. In Luzern sind es zwei Athletinnen und sechs Athleten aus der Region: Lisa Lötscher und Salome Ulrich im Doppelvierer (beide Seeclub Luzern), Aushängeschild Roman Röösli im Doppelzweier (Seeclub Sempach), Kai Schätzle (Seeclub Luzern) im anderen Doppelzweier, Gian Struzina (Seeclub Zug) im Doppelzweier der Leichtgewichte, Joel Schürch (Seeclub Sursee) im Vierer ohne Steuermann, Maurin Lange (Seeclub Luzern) und Patrick Brunner (Seeclub Sempach) im zweiten Vierer ohne Steuermann.

Warum ist der Rotsee in der Ruderwelt der «Göttersee»?

Die Legende besagt, dass ein japanischer Betreuer einst so verzaubert war von der Atmosphäre in Luzern, dass er den See als «Göttersee» bezeichnete. Ohne Pathos bietet der Rotsee einfach sehr faire Verhältnisse. Weil er zwischen Hügeln eingebettet ist, gibt es kaum störenden Wind.

Eine lange Tradition: 1962 kamen 45'000 Zuschauer an die Ruder-WM am Göttersee.

Eine lange Tradition: 1962 kamen 45'000 Zuschauer an die Ruder-WM am Göttersee.

PD

Warum dürfen keine Zuschauer an den Rotsee kommen?

Gemäss dem aktuellen Stand der Öffnungen dürften 100 Zuschauer die Rennen vor Ort verfolgen. Die Lucerne Regatta musste aber schon vor Wochen einen Entscheid fällen, um mit den Vorarbeiten beginnen zu können. Der Rundweg um den Rotsee bleibt aber zugänglich, weil Stadt und Kanton dies vom OK verlangten. Andy Bucher, der OK-Präsident der Regatta, liess sich so zitieren: «Ich muss Sie bitten: Kommen Sie nicht an den Rotsee.» Menschenansammlungen würden das Ansteckungsrisiko erhöhen – und die Olympiateilnahme der Athletinnen und Athleten gefährden.

Wie kann ich den Wettkampf trotzdem verfolgen?

Via www.lucerneregatta.com finden Sie den Livestream zu sämtlichen Rennen. Wenn es am Sonntag um die Medaillen geht, kommt auch SRF 2 dazu und sendet von 10.10 bis 13.50 live vom Rotsee.

Was hat es mit dem speziellen Regatta-Plakat auf sich, das überall in der Stadt hängt?

Sie entwarf das Plakat (links): Nora Zürcher.

Sie entwarf das Plakat (links): Nora Zürcher.

Bild: Boris Bürgisser

Studierende der Studienrichtung «Illustration» der HSLU haben Vorschläge für ein Ruderplakat eingereicht. Eine Jury hat sich schliesslich für das Design von Nora Zürcher entschieden. Alle anderen eingereichten Plakate sind seit dieser Woche am Rotsee ausgestellt.