Ski alpin

Die Heim-WM steht bevor: So steht es um die Form unserer Hoffnungsträger

In einer Woche (Montag, 6. Februar - Sonntag, 19.) geht in St. Moritz die alpine Ski-WM über die Bühne. Wir sagen Ihnen, wie gut die Schweizer Hoffnungsträger in Form sind.

Martin Probst
Drucken
Teilen
Die Schweizer Skirennfahrer um Beat Feuz, Fabienne Suter, Lara Gut, Carlo Janka und Wendy Holdener (v.l.), hier bei einem Sponsorentermin, wollen an der WM in St. Moritz hoch hinaus.

Die Schweizer Skirennfahrer um Beat Feuz, Fabienne Suter, Lara Gut, Carlo Janka und Wendy Holdener (v.l.), hier bei einem Sponsorentermin, wollen an der WM in St. Moritz hoch hinaus.

Keystone
Lara Gut: heiss Aufatmen! Sie hat sich bei ihrem Sturz am Sonntag «nur» Prellungen zugezogen. An der WM ist sie fit. Zum Glück! Fünfmal siegte sie in dieser Saison: dreimal im Super-G, einmal im Riesenslalom und einmal in der Abfahrt. Viermal stand sie zudem auf dem Podest. Sie ist die schnellste Frau im Weltcup und kann sich nur selbst stoppen. In St. Moritz gewann sie im März 2016 den Gesamtweltcup. Ein gutes Omen.
12 Bilder
Fabienne Suter: lauwarm Ihr wird ähnlich grosses Talent nachgesagt wie Lara Gut. Nur konnte sie das in ihrer Karriere leider zu selten beweisen. Nach einem miserablen Start in diese Saison ohne Weltcuppunkte entschied sich die 32-Jährige für eine Meniskus-Operation. Die Rückkehr war eindrücklich, das vergangene Wochenende in Cortina weniger. Trotzdem bringt Suter alles mit, um an der WM schnell zu sein.
Wendy Holdener: heiss Mit sechs Podestplätzen in sieben Rennen in diesem Winter gehört sie endgültig zur Crème de la Crème der Slalomfahrerin. Nur auf einen Sieg wartet Wendy Holdener noch, weil der meistens an Mikaela Shiffrin ging. Trotzdem: Wer so konstant und vor allem schnell fährt wie die 23-Jährige, darf stolz auf seine Saison sein. Beeindruckend ist aber auch, wie nervenstark die junge Schweizerin bereits ist.
Corinne Suter: kalt In Lake Louise klassierte sich Corinne Suter in der Abfahrt auf Rang vier und im Super-G auf Rang sieben. Und man dachte: Wenn die 22-Jährige so weitermacht, dann ist an der WM plötzlich alles möglich. Doch auf das Hoch folgte die Realität. In die Top Ten fuhr sie nie mehr. Sie muss nun geduldig sein. Denn für eine Athletin ihres Alters sind die Resultate okay. Auch wenn sie selbst klar mehr will.
Michelle Gisin: lauwarm Im Dezember ging plötzlich alles ganz leicht. In nur einer Woche erzielte sie ihre Weltcup-Bestresultate im Slalom (Rang 6), in der Abfahrt (Rang 7) und in der Kombination (Rang 2). Der Knoten hatte sich bei Michelle Gisin gelöst. Leider nur für kurze Zeit. Im neuen Jahr kam die 23-Jährige bisher nicht richtig in Fahrt. Sie selbst weiss nicht einmal, wieso. Doch es kann auch schnell wieder anders werden.
Mélanie Meillard: lauwarm Die erst 18-jährige Mélanie Meillard ist wie ihr zwei Jahre älterer Bruder Loïc ein grosses Versprechen für die Zukunft. Die Westschweizer Geschwister haben in dieser Saison bereits im Weltcup gezeigt, wie viel Potenzial in ihnen steckt. Mélanie fuhr sowohl im Slalom (Rang sechs in Levi) wie im Riesenslalom (Rang zehn in Sestriere) in die Top Ten. So jung, und so stark. Das schaffen nur wenige weltweit.
Beat Feuz: heiss Er ist quasi ein Stehaufmännchen in Reinform. Immer wieder wurde Beat Feuz zurückgeworfen und immer wieder kam er genauso schnell zurück. Auch in dieser Saison. Nach Rang drei im Super-G in Kitzbühel stürzte er auf der Streif, und eine Woche später stand er in Garmisch schon wieder auf dem Podest. Dieses Mal in der Abfahrt. Der Teufelskerl ist einfach von Natur aus sehr schnell.
Patrick Küng: kalt Seine Form wurde pünktlich vor der WM wieder besser. Nur reicht das? Die Saison des 33-Jährigen war durchzogen. Nur eine Klassierung in den Top Ten (Rang sieben in der Abfahrt in Val d’Isère) ist für einen Mann seines Formats zu wenig. Im Super-G kam Patrick Küng gar nie auf Touren, in der Abfahrt sieht es etwas besser aus. Die grosse Frage: Findet er in St. Moritz die Abstimmung für sein Material?
Carlo Janka: lauwarm Dass er Ski fahren kann, muss Carlo Janka nicht mehr beweisen. Er ist Olympiasieger, Weltmeister und Gesamtweltcup-Gewinner. Nur sind diese Titel lang her. Trotzdem: Janka kann es noch immer. In einzelnen Abschnitten war er in dieser Saison oft der Schnellste. Nur eben nie in einem ganzen Rennen. Darum stand er mit Ausnahme des Parallelrennens in Alta Badia auch nie auf dem Podest.
Daniel Yule: lauwarm In Zagreb (Rang vier) und in Kitzbühel (Rang fünf) war er schon ganz nah dran am Podest. Doch gereicht hat es für Daniel Yule bisher noch nie. Der 23-Jährige sagt: «Jetzt habe ich in meiner Karriere schon jeden Platz zwischen vier und zehn belegt, logisch wäre jetzt ...» Genau, das Podest. Sein Slalom-Schwung ist schnell und sein Selbstvertrauen stimmt. Jetzt fehlt nur noch die letzte Konsequenz.
Luca Aerni: kalt Viele Experten sagen, sein Slalom-Schwung sei sogar noch schneller als jener von Daniel Yule. Doch Luca Aerni hat ein Problem: Er fiel zuletzt zu oft aus. Das kratzt am Selbstvertrauen. Sein Auftrag lautet nun, Konstanz zu finden. Etwas könnte ihn trösten. Auch Marcel Hirscher fädelte zu Beginn seiner Karriere noch öfter ein. Wenn Aerni nämlich ins Ziel kommt, ist er in der Regel sehr gut klassiert.
Justin Murisier: lauwarm Er galt als grösstes Schweizer Skitalent und wurde von zwei Kreuzbandrissen in Folge jäh gestoppt. Nun zeigt Justin Murisier aber mit 25 Jahren, dass sein Talent in dieser Zeit nicht verloren ging. Gestern Rang acht in Garmisch. Ein sattes Ausrufezeichen in der Krisendisziplin Riesenslalom. Doch Murisier kann noch mehr. Auch auf den langen Ski fühlt er sich wohl und ist damit ein starker Kombifahrer.

Lara Gut: heiss Aufatmen! Sie hat sich bei ihrem Sturz am Sonntag «nur» Prellungen zugezogen. An der WM ist sie fit. Zum Glück! Fünfmal siegte sie in dieser Saison: dreimal im Super-G, einmal im Riesenslalom und einmal in der Abfahrt. Viermal stand sie zudem auf dem Podest. Sie ist die schnellste Frau im Weltcup und kann sich nur selbst stoppen. In St. Moritz gewann sie im März 2016 den Gesamtweltcup. Ein gutes Omen.

swiss-ski.ch

Unsere WM-Prognosen:

Lara Gut: In der Abfahrt und insbesondere im Super-G ist sie Gold-Kandidatin Nummer eins. Doch auch im Riesenslalom und in der Kombi hat Lara Gut realistische Chancen auf eine Medaille. Die WM könnte zu den Festspielen der 25-Jährigen werden.

Fabienne Suter: Glücklich wurde sie an keiner ihrer insgesamt acht WM- und Olympia-Teilnahmen. Oft als Mitfavoritin angereist, ging Fabienne Suter immer leer aus. In St. Moritz ist sie nur Aussenseiterin, aber vielleicht klappt es ja genau darum endlich.

Wendy Holdener: Im Slalom liegt eine Medaille für Wendy Holdener bereit. Nur die Farbe scheint noch nicht klar. In der Kombi gewann sie in der vergangenen Saison die Kristallkugel – und nun an der WM in St. Moritz auch eine Medaille? Möglich ist das allemal.

Corinne Suter: Für sie werden es die ersten Weltmeisterschaften. Darum geht es für Corinne Suter auch in erster Linie darum, Erfahrungen zu sammeln. Dass sie schnell ist, hat sie schon bewiesen. Doch momentan käme ein Exploit überraschend.

Michelle Gisin: Die beste Chance auf eine Medaille hat sie in der Kombination. Weil Michelle Gisin mittlerweile im Slalom und im Speedbereich schnell ist. Und das ist das Erfolgsrezept in dieser Disziplin. Im Spezial-Slalom hingegen wird sie wohl leer ausgehen.

Mélanie Meillard: Bei ihrer WM-Premiere hat sie nichts zu verlieren. Für eine Athletin in ihrem Alter ist es wertvoll, einmal den Rummel eines Grossanlasses zu erleben und positive Gefühle mitzunehmen. Und die Top Ten hat Mélanie Meillard bereits drauf.

Beat Feuz: Beim Weltcupfinal im März 2016 siegte Beat Feuz in der Abfahrt und im Super-G. Der Berg in St. Moritz liegt ihm also und die Form stimmt auch 2017. Der 29-Jährige ist somit bereit für eine nächste WM-Medaille nach Abfahrtsbronze 2015.

Patrick Küng: Der Weltmeister von 2015 verteidigt in der Abfahrt seinen Titel. Doch diese Mission wird schwierig. Oder unmöglich? Vielleicht. Doch Küng war schon oft dann gut, wenn ihn eigentlich niemand auf der Rechnung hatte. Stand jetzt wirds hart.

Carlo Janka: Carlo Janka kann in der Abfahrt und im Super-G zuschlagen, falls ihm erstmals in diesem Winter eine fehlerfreie Fahrt gelingt. Doch die beste Chance hat er in der Kombi! Denn sein Slalomschwung ist schnell. Und in der Kombi ist das Gold wert.

Daniel Yule: Zwei Plätze auf dem WM-Podest sind, wenn es normal läuft, an Marcel Hirscher und Henrik Kristoffersen vergeben. Um Bronze fährt der Rest. Und zu diesem Rest gehört Daniel Yule. Zwei starke Läufe und man darf plötzlich träumen.

Luca Aerni: Die drei Ausfälle zu Beginn des Jahres haben ihn verunsichert. Im letzten Slalom vor der WM kam Luca Aerni immerhin ins Ziel – auf Rang 23. Traut er sich an der WM, voll zu attackieren? Und falls ja, kommt er ins Ziel? Keine leichte Aufgabe.

Justin Murisier: Obwohl er im Riesenslalom der stärkste Schweizer ist, scheint ein Podestplatz an der WM unmöglich. Dafür ist Justin Murisier in der Kombination ein Kandidat auf Edelmetall. Er bringt alles mit, um in dieser Disziplin stark zu sein.