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Die Könige des Dramas

Schon vor dem Start der neuen Saison steht der Champion in der NBA de facto fest. Der Faszination dieser hochprofitablen Liga tut das keinen Abbruch – es mangelt nicht an Drama und königlicher Unterhaltung.
Nicola Berger
Am Mittwoch geht’s in der NBA wieder los: Die Golden State Warriors mit Jacob Evans (am Ball) treffen zum Auftakt auf Oklahoma City Thunder. Bild: Andrew D. Bernstein/Getty (San Jose, 12. Oktober 2018)

Am Mittwoch geht’s in der NBA wieder los: Die Golden State Warriors mit Jacob Evans (am Ball) treffen zum Auftakt auf Oklahoma City Thunder. Bild: Andrew D. Bernstein/Getty (San Jose, 12. Oktober 2018)

Die Golden State Warriors werden im Juni 2019 ihren vierten NBA-Titel innert fünf Jahren feiern. Na ja, man kann es nicht mit ultimativer Gewissheit sagen, aber die Warriors sind turmhoher Favorit – schon wieder, und es bräuchte einen Schwall an Verletzungen oder sonstiges Hexenwerk, um ihren Triumph zu verhindern. Es ist im nordamerikanischen Profisport der Moderne Usus, dass es sehr schwierig ist, eine Dynastie zu formen. Es gibt Gehaltsobergrenzen und das Draftsystem. Meisterteams fallen auseinander, weil Rollenspieler anderswo vergoldet werden.

Doch die Warriors sind seit ihrem mühelosen 4:0-Finalsieg über die Cleveland Cavaliers sogar noch besser geworden. Sie addierten DeMarcus Cousins von den New Orleans Pelicans, einen All-Star-Center, der für kleines Geld spielt, weil er die Hälfte der Saison verletzt verpassen wird und gerne einmal Meister werden würde, bevor ihn im nächsten Sommer ein anderes Team mit Geld überschüttet.

Kein ernsthafter Herausforderer in Sicht

Die Buchmacher quotieren die Warriors mit 1,50. Es ist ein Wert wie aus jener Zeit in der Super League, in der von vornherein klar war, dass der FC Basel Meister werden würde. Die Warriors sind darum so enorm favorisiert, weil kein ernsthafter Herausforderer in Sicht ist. LeBron James, der weltbeste Basketballer, zog von Cleveland zu den Los Angeles Lakers weiter und ist dort auf ein qualitativ sehr bescheidenes Kader getroffen. Die Houston Rockets mit dem Schweizer Clint Capela und James Harden, dem wertvollsten Spieler der letzten Saison, wurden schwächer – und haben sich mit der Verpflichtung des pflegeintensiven und rapide alternden Carmelo Anthony möglicherweise keinen Gefallen getan. Die Wettanbieter sehen die Boston Celtics als Nummer 2, mit einer 6,6-Quote. Aber das hat vor allem damit zu tun, dass die Celtics der wahrscheinliche Finalgegner sein werden, in der Eastern Conference sind sie am besten aufgestellt, vor Toronto und Philadelphia.

Droht also die grosse Langeweile? Nein. Die NBA bleibt die vielleicht faszinierendste Liga der Welt, ausgeleuchtet bis in den letzten Winkel und begleitet von den begabtesten Sportjournalisten und Kommentatoren Nordamerikas. Manche von ihnen verdienen selbst Millionen – und haben Agenten, die ihre Verträge aushandeln. Der Krösus ist Adrian Wojnarowski, der bei ESPN 1,5 Millionen pro Jahr verdient. Er ist jener Mann, der den NBA-Draft für immer ruiniert hat, weil er so gut informiert ist, dass er die Selektionen auf Twitter bekannt gibt, bevor die Teamverantwortlichen überhaupt aufs Podium steigen.

Gute Journalisten sind begehrt, denn die NBA bietet inzwischen fast 365 Tage im Jahr erstklassige Unterhaltung, und dies in den verschiedensten Formen. Mal wird ein General Manager – Bryan Colangelo in Philadelphia – entlassen, weil seine Ehefrau vertrauliche Informationen auf Twitter teilte. Mal wollen Stars das Team verlassen, wie gerade Jimmy Butler in Minnesota. Die NBA befindet sich in stetiger Aufruhr, es gibt so viele Facetten und Mikrointeressen, dass stets irgendwo etwas Faszinierendes passiert. Für die Liga gilt: Auch schlechte Presse ist gute Presse, das Drama befeuert der sportlichen Eintönigkeit zum Trotz den Hunger auf die Liga und lässt die Kasse klingeln – unaufhörlich klingeln. Turner Sports und ESPN zahlen zwischen 2017 und 2024 24 Milliarden US-Dollar für die TV-Rechte, jede der 30 Organisationen ist inzwischen mehr als eine Milliarde wert.

Das weckt bei Begehrlichkeiten: Seit dem Eintritt von New Orleans im Jahr 2002 wurde die NBA nicht mehr erweitert, dabei wäre das Potenzial vorhanden: Es gibt weltweit keine Liga, welche die NBA auch nur annähernd konkurrenzieren könnte, 2017/18 gab es NBA-Profis aus 42 verschiedenen Ländern – Rekord. Es gibt Stars von Australien (Kyrie Irving/Boston) über Serbien (Nikola Jokic/Denver Nuggets) bis Kamerun (Joel Embiid/Philadelphia 76ers); die Liga boomt in China. Der Umstand, dass Basketball ein Weltsport ist, sorgt dafür, dass das Reservoir an Talenten nie versiegt.

Eine NBA-Expansion dürfte eine Frage der Zeit sein, zumal es durchaus interessierte Städte gibt: Kansas City, Seattle. Und vor wenigen Tagen wurde publik, dass sich eine Investorengruppe aus Québec darum bemüht, ein Team nach Montréal zu bringen. Derzeit sind die Toronto Raptors das einzig kanadische NBA-Team – die Vancouver Grizzlies wurden 2001 nach Memphis verpflanzt.

LeBron James: «Jede Serie endet einmal»

Es sind die Diskussionen für die Zukunft. Die Gegenwart gehört den Golden State Warriors. Und auch LeBron James. James ist schon jetzt der vermutlich grösste Sportstar der USA, mit dem Wechsel in den riesigen Medienmarkt Los Angeles wird sich seine Präsenz noch verstärken. James ist inzwischen auch ein Geschäftsmogul, er produziert Filme und besitzt eine Vielzahl an Filmen, aber die Frage ist, wie viel er bei den Lakers bewegen kann, mit inzwischen 33 Jahren. Acht Jahre in Folge führte er seine Teams, die Miami Heat und die Cleveland Cavaliers, zuletzt in den Playoff-Final.

Die Serie dürfte reissen, niemand kann sich vorstellen, wie die Lakers in der Western Conference die Warriors ausschalten wollen. LeBron James sagt: «Jede Serie endet einmal.» Unabhängig davon, ob das 2019 tatsächlich passiert: Die Welt wird gebannt zuschauen.

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