Die Lage beim FCL ist ähnlich besorgniserregend wie 2014 - damals musste Alex Frei gehen

Beim FC Luzern erinnert zwei Spiele vor der Winterpause vieles an die Krise unter Sportchef Alex Frei, der vor fünf Jahren gehen musste.

Daniel Wyrsch
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Der damalige FCL-Sportchef Alex Frei (rechts) bei der Präsentation von Markus Babbel als Cheftrainer.

Der damalige FCL-Sportchef Alex Frei (rechts) bei der Präsentation von Markus Babbel als Cheftrainer.

Bild: Pius Amrein (Luzern, 13. Oktober 2014)

Die aktuelle sportliche Situation erinnert an jene im Dezember 2014. Damals musste der FC Luzern in den letzten beiden Runden vor der Winterpause ebenfalls gegen die Young Boys und den FC Basel antreten. Beide waren vor fünf Jahren wie heute die budgetstärksten Mannschaften der Liga. Zuerst verlor der FCL in dem auf Anfang Dezember verschobenen Heimspiel gegen YB 1:2. Nur drei Tage später kam der FCB nach Luzern, dabei setzte es für das Heimteam eine 0:3-Niederlage ab.

Schon vor diesem letzten Match der Vorrunde 2014/15 hatte der Verein eine Medienkonferenz angekündigt. Alex Frei gab wenige Minuten nach der Partie seinen unfreiwilligen Rücktritt bekannt. Eines seiner pointiertesten Zitate überhaupt hatte die Trennung beschleunigt: «Ich wusste, dass der FCL ein Haifischbecken ist. Aber mir war nicht bewusst, dass so viele Haie darin schwimmen.»

Fringer und Puljic brachten Dynamik und die Wende

Hauptgrund für das Scheitern war jedoch der Totomat: Die mit Spielern wie Remo Freuler, Dario Lezcano, Jakob Jantscher, Marco Schneuwly und Oliver Bozanic offensiv attraktiv besetzte Mannschaft war nie richtig auf Touren gekommen, hatte nach 18 Spielen lediglich 13 Punkte auf dem Konto.

Luzern stand an Weihnachten auf dem letzten Platz. Rolf Fringer wurde Sportchef, Roland Vrabec auf Wunsch von Markus Babbel dessen Assistenzcoach – und der eisenharte und torgefährliche Innenverteidiger Tomislav Puljic kehrte topfit aus seinem Exil in Kroatien zurück. Der FCL holte in der Rückrunde 34 Punkte in 18 Spielen, belegte am Schluss Rang 5.

Punktemässig ist die aktuelle Lage des FCL nur unwesentlich besser als vor fünf Jahren. Bei zwei ausstehenden Partien gegen die übermächtig erscheinenden Young Boys (1.) und deren ersten Verfolger Basel (2.) besitzen die Innerschweizer nach 16 Runden 15 Punkte.

Was deutlich mehr ins Gewicht fällt als anno 2014 sind die Spieler, die nicht zur Verfügung stehen. Am nächsten Samstag (19.00) in Bern gegen den Meister YB fallen die gesperrten Stammkräfte Idriz Voca, Silvan Sidler und Blessing Eleke aus. Dazu sind Christian Schwegler, Marvin Schulz, Tsiy Ndenge und Otar Kakabadse verletzt. Sechs bis sieben Profis, die bei Trainer Thomas Häberli meist in der Startelf gestanden sind, stehen ihm nicht zur Verfügung. Alles komme im Moment zusammen, meinte am Sonntag nach der 1:4-Heimniederlage gegen St.Gallen der Goalie Marius Müller: «Wir haben die halbe U21 dabei.»

Mit Darian Males und David Mistrafovic standen gegen die Ostschweizer zwei 18-Jährige in der Startelf. Mit Lorik Emini wurde ein 20-Jähriger eingewechselt, er kam zum Debüt. Gegen YB könnte er zum Einstand von Anfang an kommen. Dagegen kam der wichtige Sommer-Neuzugang von Sportchef Remo Meyer, Francesco Margiotta, wie zuvor gegen Zürich nur zu einem Teileinsatz.

«So macht es irgendwann keinen Spass mehr»

Alarmierend ist, dass zwischen Häberli und Meyer das Tischtuch zerschnitten ist, seit der Sportchef den Coach in einem Interview blossgestellt hat. Danach kamen die Niederlagen Nummer 4 und 5 in Serie dazu. Sowohl gegen Zürich (0:3) wie auch gegen St.Gallen (1:4) ging die defensive Ordnung verloren. Torhüter Marius Müller wirkt desillusioniert: «So macht es irgendwann keinen Spass mehr.»

Die Zeichen stehen auf Veränderungen. Doch kann der FCL in seiner derzeitigen Verfassung überhaupt reagieren?